Boston (2016) – Ab 7. September auf DVD/BluRay/UHD-Blu im Handel

 

Heute beschäftigt sich Christian mit einem packenden Film, der die Geschehnisse eines feigen Anschlages aufarbeitet, der sich vor knapp 4 1/2 Jahren ereignet hat…

Regie: Peter Berg

Darsteller: Mark Wahlberg, John Goodman, Kevin Bacon, Michelle Monaghan, J.K.Simmons

Artikel von Christian Jürs

Montag, 15. April 2013 – Zum Patriots Day in Boston findet der alljährliche Marathon statt. Doch gegen 14.50 Uhr Ortszeit detonieren innerhalb weniger Sekunden zwei Sprengsätze, die in Rucksäcken versteckt mitten im Publikum der Zielgeraden platziert wurden. 264 Menschen werden verletzt, 3 Leute sterben, darunter ein achtjähriges Kind.

Während der Anschlag von 9/11 auch heute noch weltweit für Entsetzen sorgt, so ist dieses Ereignis, völlig zu Unrecht, aus den Köpfen vieler Nicht-Amerikaner bereits wieder verschwunden. Damit ist jetzt allerdings Schluss, denn Regisseur Peter Berg, der seine Karriere mit dem unterhaltsam-kranken „Very Bad Things“ begann und sich später mit „Battleship“ als der bessere Michael Bay outete, serviert uns nach „Lone Survivor“ und „Deepwater Horizon“ seine dritte Aufarbeitung realer, dramatischer Ereignisse. Einen Weg, den auch Clint Eastwood sehr erfolgreich derzeit geht. Doch „Patriots Day“ blieb an der Kinokasse an den Erwartungen zurück. Zu Recht? Auf keinen Fall!

Peter Berg serviert uns ein an die Fakten haltendes Filmchen. Belegt wird dies durch die echten Überwachungskamera- und Nachrichtenaufnahmen, die wohldosiert in den Film eingestreut wurden. So werden wir hautnah Zeuge dieses schrecklichen Ereignisses, wenn eine der Bomben direkt vor einem Café explodiert. Bilder, die man so schnell nicht vergisst. Von üblichen Flaggenschwenken eines Herrn Bay keine Spur. Lediglich bei realen Aufnahmen der Gedenkstätten zum Ende des Films ist die US-Flagge im Fokus. Aber das sollte kein Anlass zur Kritik sein.

Der Film startet er circa sechs Stunden vor dem schrecklichen Attentat. Polizist Tommy Saunders (Mark Wahlberg), befindet sich gerade mitten im Einsatz. Nur wenige Stunden später wird er sich direkt an der Ziellinie befinden. Dort soll er, strafversetzt, da er einem Kollegen die Zähne mit den Knie ausschlug, für Ordnung sorgen. Auch seine Frau (Michelle Monaghan), wird sich vor Ort aufhalten. Doch auch andere Personen werden vorab eingeführt. So sehen wir ein glückliches Pärchen, einen jungen Polizisten, einen Vater mit kleinem Kind und diverse andere Menschen. Nicht alle von ihnen werden später vor Ort sein, doch alle spielen eine wichtige Rolle in den kommenden Ereignissen. Auch die Attentäter selbst, die Brüder Dschochar (Alex Wolff) und Tamerlan Zarnajew (Themo Melikidze), bekommen Raum zur Vorstellung. Hier beweist Berg Fingerspitzengefühl, werden diese doch nicht als plakative Bösewichte dargestellt. So hat Dschochar anfangs noch Skrupel, die sein fanatischer Bruder, der zudem noch Familienvater war, jedoch mit seinem Fanatismus zerlegt.

Statt nach dem „warum“ zu fragen, etwas, das diese feigen Mörder eh nicht verdient hätten, befasst sich der Film nach dem kurzen Teil des Attentats mit den Folgen für die Beteiligten. So sehen wir zum Beispiel einen Polizisten, der, damit alle Spuren gesichert werden können, stundenlang vor der Kinderleiche ausharren muss. Verzweiflung und Tränen im Gesicht. Doch im wahren Fokus steht die Hatz nach den Tätern, die bis zum Abend des 19. Aprils andauerte. So klauen die beiden Flüchtigen dem anfangs eingeführten Jungpolizisten die Pistole und erschießen ihn anschließend. Eine folgende Geiselnahme endet erfolglos und mündet in einem saftigen Shootout, der packend inszeniert ist und einen genialen Auftritt von J.K. Simmons als Polizist darbietet. Erstaunlich, wie viel Nervenkitzel der Film trotz (oder gerade wegen) des realen Hintergrundes hervorrufen kann.

Aber auch auf emotionaler Ebene kann „Boston“ punkten. Wenn zum Beispiel Saunders vom schicksalhaften Dienst heimkehrt und die Bude voller pöbelnder Nachbarn vorfindet die verunsichert nach Antworten suchen während er kurz vor dem Zusammenbruch steht, lässt sicher niemanden kalt.

Auch auf Seiten der Ermittlungen ist der Film durchaus kritisch. So zögert FBI Agent Richard DesLauriers (Kevin Bacon) anfangs, die (natürlich echten) Fahndungsbilder der Öffentlichkeit zu präsentieren, um keine Hetzjagd auf arabische Landsleute zu starten. Da durch ein Leck eben diese Bilder an CNN geraten und er außerdem vom Bostoner Commissioner Ed Davis (John Goodman) zur Freigabe gedrängt wird, bleibt ihm letztlich keine Wahl. Ja, auch dem FBI unterlaufen Fehler.

Letztlich bleibt zu sagen, dass Peter Berg hier ein packender Zwitter aus Drama / Actionthriller und Dokumentation gelungen ist, der überraschend wertungsfrei daher kommt und einfach nur realistisch die Tat und deren Folgen schildert. Wer dies kritisiert, hat den Film schlichtweg nicht verstanden.

Studiocanal präsentiert uns „Boston“ mit allerlei Extras, die insbesondere auf die realen Personen eingeht und einen Vergleich anstellt (zum Beispiel Goodmans Charakter wird genauer unter die Lupe genommen). Auch befindet sich das erweiterte Ende der US-Kinofassung auf der Scheibe, welches unter anderem das anfangs erwähnte junge Pärchen zeigt. Die beiden verloren jeweils ein Bein bei der ersten Explosion, ließen sich jedoch den Lebenswillen nicht nehmen und so nahm der junge Mann zwei Jahre später trotz Prothese selbst am Marathon teil. Eine bewegende Szene, die nicht zwingend not tat und daher auch nicht bei uns in der Kinofassung auftauchte. Lediglich auf UHD-BluRay wurde diese wieder integriert. Trotzdem schön zu sehen, dass sich die geschädigten Personen nicht den Willen und die Freude am Leben nehmen liessen.

Fazit:

Packendes, wertungsfreies Kino mit Starbesetzung. Im Kino leider untergegangen, kann man diesen Fehler nun ausbügeln. Berg und Wahlberg zeigen erneut, dass sie ein Spitzenteam sind. Aber auch Bacon, Goodman, Simmons, Monaghan und all die anderen machen einen Spitzenjob. Klare Empfehlung.

Deutscher Trailer:

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