Das Böse – Phantasm (1979) – Ab sofort als Mediabook erhältlich

Heeee, Junge! (Boooooy!) – der gute, alte “Tall Man”. Bevor man mit Teil 4 und 5 das “Phantasm” Franchise ungebremst vor die Wand fuhr, gab es 3 gute Vorgänger. Der Erstling ist unlängst in schicken Mediabookvarianten in Zusammenarbeit von Black Hill und Koch Media erschienen. Grund genug für Christian, sich den Genreklassiker noch einmal anzusehen…

Originaltitel: Phantasm

Regie: Don Coscarelli

Darsteller: A. Michael Baldwin, Reggie Bannister, Bill Thornbury, Angus Scrimm

Artikel von Christian Jürs

Als ich in den frühen Neunzigern auf „Das Böse“ stieß, gab es von dem Film nur noch ein gekürztes FSK 16 Band der Firma „Screen Time“, einem Unterlabel von VCL, in den Videothekenregalen zu finden. Die ungekürzte Constantin-Kassette war bereits beschlagnahmt worden wegen angeblicher Gewaltverherrlichung. Egal, damals waren gekürzte Fassungen gang und gäbe in Deutschland. Ja, wir Horrorfans hatten es nicht leicht. Bei einem Videoabend mit Kumpels sollte sich also zünftig gegruselt werden (den Splatteraspekt hatten wir wegen der Zensurkürzungen bereits vorab über Bord geworfen). Doch die Bande Halbstarker, die vor dem Röhrenfernseher Platz nahm, wurde mächtig enttäuscht. Statt des erhofften Grusels machte sich bei uns gepflegte Langeweile breit. Waren wir noch nicht reif genug für den Film? Oder war er wirklich einfach nur öde? Immerhin wurden die Teile 2 und 3 von uns damals als Splattergranaten gefeiert (auch wenn insbesondere von Teil 2 einst nicht viel übrig war nach der MPAA- und anschließenden FSK-Rasur).

Da der Film ab sofort von Black Hill Pictures in Zusammenarbeit mit Koch Media gerichtlich freigesprochen und nach erneuter FSK-Prüfung nun rehabilitiert und ungekürzt ab 16 freigegeben wurde, war es an der Zeit, dem Film eine erneute Chance zu geben. Immerhin war ein viertel Jahrhundert seit der Erstsichtung vergangen und Geschmäcker ändern sich ja bekanntlich im Laufe eines Lebens mehrfach (oder schaut von Euch noch wer „Das Sandmännchen“?).

Gleich zu Beginn wohnen wir einer Beischlafgelegenheit im Freien bei. Ein Mann und eine barbusige Blondine spielen Hoppe, Hoppe, Reiter… wenn sie zusticht, dann schreit er. Und so rammt die hübsche Blonde dem 70er Rotzbremsenträger ein Messer in den Wanst. Nicht nur das, sie zeigt auch ihr wahres Gesicht, denn in Wirklichkeit ist sie der Tall Man (Angus Scrimm), ein auch ohne eine Maske zu tragen gruseliges Gesicht. Jetzt mag jeder für sich entscheiden was schlimmer ist: Von einer Blondine erstochen oder vom Tall Man gevögelt zu werden. Ich schwanke noch.

Nach dieser, für einen ehemaligen verbotenen Film, recht unblutigen Hinrichtung, lernen wir unsere Hauptcharaktere kennen. Da wäre der junge Mike (A. Michael Baldwin), der seine Eltern verloren hat und jetzt nur noch seinen großen Bruder Jody (Bill Thornbury) als Bezugsperson hat. Da er unter ständiger Verlustangst leidet, folgt Mike seinem Bruder auf die Beerdigung des Eröffnungsszenenopfers. Dort treffen wir auch auf einen weiteren, sehr wichtigen Charakter: Jodys besten Freund Reggie (Reggie Bannister). Diese unterhalten sich über den angeblichen Selbstmord ihres Freundes. Schon komisch, mit offener Hose und Messer im Bauch enden Selbstmörder doch eher selten. Durch Zufall entdeckt Mike, wie der „Tall Man“ den Sarg samt Leiche entwendet. Er folgt dem Bösewicht bis in ein Mausoleum, welches von fliegenden Kugeln mit messerscharfen Messern, sogenannten Spheres, bewacht wird. Dort verfrachtet der Tall Man die Leichen, die er auf Zwergengröße zurecht schrumpft (!) durch ein Dimensionstor. In der dahinterliegenden Welt, einem roten Planeten (Mars? Snickers?) arbeiten die armen Teufel fortan als Sklaven.

Zurück bei Jody und Reggie berichtet er von dem Erlebten. Die Drei beschließen dem Grauen ein Ende zu setzen. Doch der Tall Man, seine Zwergensklaven und die mörderischen Kugeln lassen sich nicht so leicht besiegen und drehen den Spieß um…

Gleich vorab, dass klingt alles spannender, als es sich in der Realität darstellt. „Phantasm“ lässt sich enorm viel Zeit um seine Figuren einzuführen. So dürfen wir zwischendurch Jody und Reggie beim musizieren beiwohnen, was wahrlich nicht als Suspense zu bezeichnen ist. Ich konnte sehr schnell nachvollziehen, warum mich dieser einst verbotene „Schocker“ langweilte. Von Gewalt ist über weite Strecken keine Spur. Für ein Splatterkiddie wie mich und meine Freunde war der Film einst unerträglich lahm. Einst, denn heute sehe ich den Film mit völlig anderen Augen. Klar, wirklich Spannung kommt nur selten auf, doch seine Atmosphäre und Erzählweise, die ein typisches Spätsiebzieger Flair trägt, zog mich heute schnell in seinen Bann. Gerade diese Atmosphäre war es, die mich gebannt bei der Neusichtung vor der Glotze hielt. Auch der geniale Soundtrack von Fred Myrow und Malcolm Seagrave lullt einen in die schaurige Atmosphäre ein. Zur Belohnung wird man das Theme so schnell nicht wieder los. Ich langweilte mich zu keinem Zeitpunkt, aber der Film muss wahrhaft in einem reifen. Schnelle Splatterkost ist hier nicht angesagt, sondern teils psychedelisches Kopfkino, welches am Ende Raum zur Interpretation lässt – zumindest, wenn man „Phantasm“ als eigenständiges Werk betrachtet und die Fortsetzungen außer Acht lässt. Wem das Erzähltempo hier zu langsam ist, dem sei gesagt, dass Coscarellis erste Schnittfassung mit 180 Minuten Laufzeit noch doppelt so lang war.

Die Beschlagnahme war wie so oft ein schlechter Witz. Nur wenige, meist kurze, Splatterszenen gibt es zu bestaunen. Tatsächlich war es wohl die Aussage von Jody an seinen kleinen Bruder, er müsse, wenn er schießt, schießen um zu töten, die den heimischen Zensoren sauer aufstieß. Demnach wäre Liam Neesons späte Filmographie in Deutschland quasi nicht zugelassen. Von daher nochmals Danke an Black Hill / Koch Media.

Das Mediabook, welches in drei wunderschönen Varianten erschienen ist, die es dem Sammler schwer machen sich zu entscheiden (der Freak kauft alle Drei), lässt keine Wünsche offen. Bei der Bild- und Tonqualität hat sich das Label selbst übertroffen. So scharf konnte man die Spheres wohl noch nie über den Bildschirm fliegen sehen. Der 5.1 Upmix (auf BluRay als DTS HD Master) klingt hervorragend. Da können sich andere Verleiher gerne mal eine Scheibe abschneiden. Auch im Bonusbereich bietet diese Veröffentlichung das volle Programm. Audiokommentar, Interviews, Deleted Scenes, eine Bildergalerie, die deutsche Super-8-Fassung und vieles mehr wartet darauf, entdeckt zu werden.

Fazit:

Kleiner Film, ganz groß. „Das Böse – Phantasm“ wurde nicht nur aufwendig restauriert und in drei schicken Mediabooks mit Tonnen an Bonus serviert. Nein, auch der Kampf vor Gericht wurde aufgenommen und verständlicherweise auch gewonnen. Allein daher sollte man sich diese originelle Low Budget Produktion schon ins heimische Regal stellen. Ein Splatterfest sollte man allerdings nicht erwarten, mehr ein surreales Kleinod aus den späten Siebzigern. Kauf-Tipp!

Trailer:

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