Film Ab! – Medienhuren Special – Film 11 – Schatten der Vergangenheit (2015)

Freitag – ihr wisst was das heißt! Während die anderen Seiten euch zum Kauf von Filmmaterial auffordern, gibt es bei uns einen GRATISFILM! Begleitet uns in eine Reise ins alte Lübeck, in eine Zeit, in der eure (Ur)Großeltern das Licht der Welt erblickt haben. Und genau um die Geschichten, die sie euch erzählen würden, geht es in unserem heutigen Beitrag.

Produktion: Kai Kinnert, Patrick Schwedler (für In Via Lübeck e.V. und Jobcenter Lübeck)

Regie: Valentina Antenozio

Drehbuch und Schnitt: Kai Kinnert

Darsteller: Nataly Baginski, Simon Grünwald, Timo Heinki, Biénvenue Hoffmann, Gerhard Olschewski, Hartmut Lange, Marc Zwinz, Will Workman

Artikel von Christian Jürs

FilmAb! scheute sich nie, ernste Themen in ihren Filmen zu verarbeiten. Krankheiten, sexuelle Belästigung, Drogenkriminalität und Sektenwahn, all diese schwierigen Themen wurden in den vorherigen Filmen bereits behandelt. Doch in „Schatten der Vergangenheit“ nimmt sich die junge Filmcrew um Kai Kinnert und Patrick Schwedler dem wohl schwierigsten Thema Deutscher Geschichte an. Der Untertitel „Erinnerungen 1932 – 1938“ dürfte klar machen, wohin die Reise geht.

Der Film startet allerdings in der Gegenwart mit einer weiteren Situation, die kaum jemand teilen möchte. Der Großvater (Gerhard Olschewski) der Geschwister Luisa (Alexandra Husser) und Jacob (Chris Reimers) ist verstorben. Beim Aufräumen des Nachlasses des alten Mannes finden die Zwei ein Manuskript mit seinen Jugenderinnerungen aus der Zeit in Lübeck von 1932 bis 1938. Sie erfahren, unter welchen Druck ihr Opa und seine Freunde durch die aufkommende NSDAP und die drohende Machtergreifung Hitlers standen. Dabei beginnt alles recht harmonisch im Sommer ´32. Die Freunde genießen das Sonnenwetter und diskutieren über Fußballergebnisse. Doch schnell schweifen die Gespräche in politische Richtung ab und wir erfahren, welche Ängste die jungen Leute durch den falsch entstandenen Stolz im Lande in sich aufkeimen lassen. Besonders der Druck, den die gleichaltrigen Männer aus der Hitleranhängerschaft auf die Freunde ausüben, damit diese sich ihnen anschließen, macht den jungen Leuten zu schaffen. Auch von Seiten der Eltern ist der Druck enorm. Trotzdem beschließen die fünf Freunde, bestehend aus vier Jungs und einem Mädchen, Widerstand zu leisten. In der damaligen Zeit ein lebensgefährliches Unterfangen, was die Freunde zu spüren bekommen sollten, als sie beschließen, der jungen Jüdin Clara (Valentina Antenozio) die Flucht aus Deutschland zu ermöglichen…

Eine erneute Sichtung von „Schatten der Vergangenheit“ machte mir klar, dass ich letzte Woche, als ich schrieb es entstanden nur noch Highlights in der späten FilmAb!-Phase, maßlos untertrieben habe. „Schatten der Vergangenheit“ ist in allen Belangen ein geradezu perfekter Film. So muss man schon stauen, wie Detailverliebt die Ausstattung, angefangen bei alten Autos, Fahrrädern und einem Boot aus der damaligen Zeit, ausgefallen ist. Ebenso die extra für den Dreh angefertigte Kostüme wirken, als seien sie in der Zeit der Weltwirtschaftskrise geschneidert worden. Auch die historischen Ereignisse, die in diesem Film erwähnt werden, und sei es nur der Spielverlauf eines Fußballspiels, alles ist authentisch.

Die schauspielerische Leistung der jungen Leute ist einmal mehr bemerkenswert. Simon Grünwald, der bereits im Vorgänger eine wirklich gute Leistung abgelegt hatte, legt hier noch eine Schippe drauf. Nataly Baginski führt die Reihe überzeugender Darstellerinnen, wie zuvor beispielsweise Kathleen Wigger oder Sophia Gajewski, nahtlos fort. Am Beeindruckendsten empfand ich allerdings die Leistung Patrick Redmanns in der Rolle des SS Mannes Peter. Nicht nur, dass er sich für die Rolle (wie noch ein weiterer Schüler) seiner Langhaarpracht endledigen ließ, sein Spiel hat auch etwas enorm furchteinflößendes. Aber ich könnte jeden einzelnen Schüler lobend erwähnen, nur würde dies den Rahmen sprengen. Das die Herren Zwinz, Olschewski und Lange brilliant agieren, muss ich wohl nicht weiter erwähnen.

Zuletzt möchte ich noch beeindruckt kundtun, dass für die glaubhafte Musikauswahl mit dem leider bereits verstorbenen Prof. Dr. Steven E.Paul ein echter Profi in Rat und Tat der Produktion zur Seite stand.

Ein wirklich beeindruckender Film, der in Zeiten, in denen Leute glauben sie müssten in Angst vor Terror leben, einmal hier eine Zeitreise in die nahe Vergangenheit durchleben können, um zu sehen, wie gut es uns heute geht. Die schockierenden Bilder aus dem damaligen Lübeck, die in den Abspann eingefügt wurden, machen dies leider allzu deutlich.

Gebt „Schatten der Vergangenheit“ eine knappe Stunde Eures Lebens, ihr werdet es nicht bereuen.

Als Bonus gibt es diesmal ein Making Of oben drauf, damit Ihr einen kleinen Einblick in diese kleine, große Produktion erhaltet:

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