Wheelman (2017) – Im Netflix Abo enthalten

Netflix ist ein Phänomen und in aller Munde. Doch derzeit beschränken sich die Streamingdienst-Artikel scheinbar auf die zweite Staffel der Serie “Stranger Things” und den Rauswurf von Kevin Spacey bei “House of Cards”. Dabei hat der Medienriese heimlich, still und leise eine kleine Filmperle veröffentlicht, die ich Euch hier einmal näher bringen möchte.

Regie: Jeremy Rush

Darsteller: Frank Grillo, Caitlin Carmichael, Garret Dillahunt

Artikel von Christian Jürs

Hauptfigur – und beinahe Alleinunterhalter – ist in diesem mit 82 Minuten Laufzeit recht knackig geratenen Actionstreifen ein namenloser Fluchtwagenfahrer (Frank Grillo). Dieser kabbelt sich nicht nur über Telefon mit seiner minderjährigen Tochter Katie (Caitlin Carmichael), er soll auch zwei Bankrüber zu ihrem Tatort chauffieren. Dort angekommen, erhält er, während die zwei Gangster den Coup ausführen, einen Anruf des Auftraggebers. Der gibt dem verdutzten Fahrer den Befehl abzufahren, sobald die Beute im Kofferraum deponiert wurde. Die Täter soll er an Ort und Stelle zurücklassen und das Geld an einen bestimmten Ort überbringen. Zähneknirschend befolgt unser “Held” die Anweisung, was ihn fortan in enorme Schwierigkeiten bringt.

 

Nicht nur, dass sich ein Motorradfahrer an seine Fersen heftet, auch der Übergabeort erweist sich als Falle. Doch der “Wheelman” lässt sich so schnell nicht unterkriegen und versucht herauszufinden, wer der geheimnisvolle Auftraggeber ist, der ihm das Leben schwer macht. Als dieser dann auch noch Katie und ihre Mutter zu eliminieren droht, platzt unserem “Fremden ohne Namen” der Kragen…

Uwe Boll sagte einst, es sei doch komisch, dass Netflix zwar tolle Serien veröffentlicht, im Filmbereich jedoch nur Scheiße produziert. Blickt man auf die vielen Adam Sandler Gurken wie beispielsweise “Sandy Waxler”, kann man dem Godfather of Trash durchaus recht geben (wobei Sandlers neuester Streich “The Meyerowitz Stories” auch diesen Bann gebrochen hat). Mit entsprechend geringer Erwartungshaltung habe ich mich an die Sichtung des hier vorliegenden “Wheelman” gemacht, der mehr als Einschlafhilfe dienen sollte, denn als Nachtunterhaltung. Doch Pustekuchen, anstatt seelig zu entschlummern, saß ich wie gebannt vor der Glotze um dem cooleren Transporter bei der Arbeit beizuwohnen und mir den Schlaf zu rauben.

Dabei bedient sich der Film, der in Echtzeit erzählt wird, einem genialen Kniff. Er spielt fast ausschließlich im Auto des Fluchtwagenfahrers. Selbst in einem Moment, in dem Frank Grillo aus dem Fahrzeug aussteigt, verweilt die Kamera allein im inneren der Karre. Erst im letzten Drittel verlassen Held und Kameramann gemeinsam das Auto. Dies geschieht aus einem triftigen Grund und wird durch einen baldigen Fahrzeugwechsel wieder zum Urkonzept zurückgeführt.

Das Spielfilmdebut von Regisseur Jeremy Rush überzeugt auf ganzer Linie. Seine nächtliche Hetzjagd durch die Straßen der nicht näher definierten Großstadt drückt den Zuschauer quasi in den Sitz und lässt keine Zeit zum Verschnaufen. Einzig ein kleiner Fehlerteufel hat sich eingeschlichen, denn die Geschwindigkeitsanzeige des Autos zeigt, wenn man genau hinschaut, generell Null Meilen pro Stunde an. Ein kleiner, verzeihbarer Filmfehler, den man auch in anderen Streifen öfters zu Gesicht bekommt.

Mit Frank Grillo wurde zudem eine echt coole Sau besetzt, wie er ja bereits in den beiden “The Purge” – Sequels unter Beweis stellen konnte. Dies bringt mich zur deutschen Synchronfassung, etwas, was oftmals im Hause Netflix eher halbherzig abgehandelt wird. Doch der Streamingdienst scheint gelernt zu haben und somit kann ich Entwarnung geben. Die Synchro ist tatsächlich gelungen. Zwar wird Grillo nicht von seinem “Purge”-Sprecher Oliver Siebeck vertont, mit Johannes Berenz, seiner “Captain America”-Synchronstimme darf man aber durchaus zufrieden sein.

Fazit:

Kleiner, spannender Actionthriller aus dem Hause Netflix, den sich Abonnenten nicht entgehen lassen sollten. DerTransporter kann sich warm anziehen. Jetzt kommt der “Wheelman” – und der rockt.

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