Film AB! – Medienhuren Special – Film 12 – Kardeş – Drei Leben (2016)

So langsam nähert sich unsere Film AB! – Reihe dem Ende. Film Nummer 12 war dann auch der Letzte, der eine wirklich ernste Thematik behandeln sollte. Auch dieses Mal entstand dabei ein kleines, feines Filmchen, welches die deutsche Kinokonkurrenz nicht scheuen muss.

Produktion: Kai Kinnert, Patrick Schwedler (für In Via Lübeck e.V. und Jobcenter Lübeck)

Regie: Ömer Faruk Sirin

Drehbuch und Schnitt: Kai Kinnert

Darsteller: Patrick Redmann, Ömer Faruk Sirin, Kai Kinnert, Özcan Ertrugrul, Lukas Gottwald

Laufzeit: 85 Minuten

Artikel von Christian Jürs

Drei Leben, Drei Episoden, Ein Ereignis

Cesur Cesmeli (Ömer Faruk Sirin) hat seinen Platz im Leben noch nicht gefunden. Er selbst träumt von einer Karriere als Boxer, doch sein älterer Bruder Osman (Özcan Ertrugrul) bekniet ihn, einen anständigen Job im Büro anzutreten. Doch Cesur ist uneinsichtig. Als sein Bruder auf einer Reise in seine Heimat in den Tod stürzt, bricht für den jungen Mann eine Welt zusammen.

Sven Meier (Patrick Redmann) hat einen Job bei der Smart Versicherung, einer üblen Drückergesellschaft, der weder das Wohl ihrer Kunden, noch das ihrer Arbeitnehmer am Herzen liegt. Besonders Sven leidet unter dem ständigen Erfolgsdruck, da ihm in letzter Zeit keine Abschlüsse mehr gelingen wollen. Ein kurzfristiger Erfolg stellt sich ein, als Osman Cesmeli eine teure Risikolebensversicherung bei ihm abschließt. Doch auf Licht folgt Schatten und so trägt Sven die beruflichen Konsequenzen als Osman plötzlich stirbt.

Matthias Dillmann (Kai Kinnert) wird nach dem Tode Osmans von der Zentrale der Smart Versicherung nach Lübeck gesandt, um den ominösen Fall des plötzlich verstorbenen Versicherungsnehmers zu untersuchen, da dieses den Konzern eine stattliche Summe kosten wird. Nach außen hin ein Kotzbrocken, der seine Untergebenen schikaniert (so zwingt er den Vegetarier Sven zum Verzehr eines Mettbrötchens um Macht zu demonstrieren), hat auch Matthias mit seinem Platz im Leben zu kämpfen. Fernab der Heimat, vermisst er seine Familie, zumal der Geburtstag seiner Tochter vor der Tür steht…

“Kardeş – Drei Leben” erzählt in tristen Farben die Geschichte dreier Individuen, deren Leben von Mobbing, Leistungsdruck und Perspektivlosigkeit zerfressen ist. Gespickt mit bitterbösem Humor zeigt uns der Film, wie die Protagonisten versuchen, wieder einen Weg in ihr einst glückliches (Privat-) Leben zu finden. Dabei ist es erneut erstaunlich, wie authentisch sowohl Inszenierung, als auch Darsteller daher kommen.

So stemmt Ömer Faruk Sirin nicht nur den Part des Cesur mit Bravour, er übernahm auch kurzerhand die Regie. Eine beeindruckende Vorstellung, die allerdings von Patrick Redmann noch übertroffen wird. War dieser im Vorgängerfilm “Schatten der Vergangenheit” noch als SS Kotzbrocken vortrefflich besetzt, zeigt er hier eine ganz andere Seite. Sein Sven ist ein Duckmäuser, dessen Leid die Laufzeit hinweg über deutlich spürbar ist. Über Kai Kinnert brauche ich wohl nichts mehr zu schreiben. Sein Schauspiel wurde von Film zu Film besser. Doch auch die kleineren Parts wurden ausgezeichnet besetzt. So spielt etwa Karl Kappler den Vorgesetzten Svens als schrecklichen Kotzbrocken dermaßen überzeugend, dass man ihn einfach hassen muss. Auch Lukas Gottwald möchte ich hier kurz erwähnen, auch wenn sein Part des Hans Dietrich nur klein ausfällt, spielt er so überzeugend, dass er in der nächsten Woche in der Titelrolle zu sehen sein wird. Die Profis Zwinz und Lange glänzen diesmal durch Abwesenheit (naja, nicht ganz, Hertmut Lange übernahm natürlich wieder das Schauspielcoaching).

Alles in Allem ein rundum gelungener Film, dem man trotz seiner ruhigen Erzählweise die 85 Minuten Laufzeit gar nicht anmerkt. Ein weiteres Highlight aus der Film AB! – Schmiede.

Und obendrauf gibt’s noch das Making Of:

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