Lemora – Kampf mit der Unterwelt (1973) – Ab 11. Januar 2018 erstmals auf DVD limitiert auf 2000 Stück erhältlich

Eigentlich dachte ich in Sachen erotischer Vampirfilm der 70er Jahre bereits alles gesehen zu haben. Doch in den nächsten Tagen erscheint ein Film in den Verkaufsregalen, dessen Existenz mir bislang verborgen blieb. Doch jetzt haben 2000 von Euch die Gelegenheit, Lemora zu besuchen (naja, 1999 – ein Exemplar liegt ja nun bei mir).

Originaltitel: Lemora: A Child’s Tale of the Supernatural

Regie: Richard Blackburn

Darsteller: Lesley Gilb, Cheryl Smith, William Whitton, Steve Johnson

Artikel von Christian Jürs

Irgendwann in den dreißiger Jahren im Süden Amerikas. Gleich zu Beginn dürfen wir der Hinrichtung einer untreuen Ehefrau und ihres Liebhabers beiwohnen. Ihr Göttergatte Alvin Lee (William Whitton) selbst hatte die Finger am Abzug. Fortan führt der Gangster ein Leben auf der Flucht. Seine Tochter Lila Lee (Cheryl Smith) wird in die Obhut eines Predigers (Regisseur Richard Blackburn) genommen, der sie streng christlich erzieht. Mit ihrer engelsgleichen Stimme verzückt das unschuldige Mädchen von nun an regelmäßig die Kirchengänger. Doch im Alter von dreizehn Jahren erhält sie einen Brief von einer gewissen Lemora (Lesley Gilb). Diese lädt Lila zu sich ein, um Abschied von ihrem todkranken Vater zu nehmen, der bei Lemora Unterschlupf gefunden hat.

Für Lila, die sich gleich nachts auf den Weg macht, beginnt eine zunächst abenteuerliche Odyssee, die sich schnell zu einem märchenhaften Albtraum entwickelt. So trifft sie zunächst auf allerlei lüsterne Erwachsene, die dem streng gläubigen Mädchen Angst bereiten. Doch je weiter ihr Weg sie führt, desto schrecklicher werden die Kreaturen, die ihr über den Weg laufen. So sind es Werwolf ähnliche Wesen, die vor den Augen des Mädchens einen Busfahrer massakrieren und sie anschließend bis zum Anwesen der gesuchten Lemora verfolgen.

Dort angekommen, wägt sie sich zunächst in Sicherheit, doch die grässliche, alte Haushälterin (Maxine Ballantyne), die merkwürdigen, farblosen Kinder mit ihrem Hang zu rotem Saft und auch die blutigen Fleischhäppchen, die überall in den Zimmern bereit stehen, machen dem Publikum schnell klar, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Vor allem aber die hübsche, leichenblasse Lemora selbst, die mitsamt spitzen Eckzähnen und fehlendem Spiegelbild erscheint, sprechen beim Publikum eine deutliche Sprache.

“Lemora” ist eine kleine Perle für Fans des erotischen Vampirfilms. Hier und da werden Erinnerungen an die Werke Jean Rollins wach, nur halt mit mehr Dialogen und weit weniger nackter Haut. Dafür kann der Film mit originellen Latexmasken, einer liebevollen, argentoesquen Farbgestaltung und einer märchenhaften Atmosphäre punkten. Das Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen, welches an Schneewittchen und die böse Schwiegermutter erinnert, ist zudem hervorragend. Leider weilen sowohl Lesley Gilb (Autounfall), als auch Cheryl Smith (Hepatitiserkrankung hervorgerufen durch Heroinsucht) nicht mehr unter uns.

Regisseur Blackburn durfte hiernach lediglich eine Folge “Geschichten aus der Schattenwelt” inszenieren, was in Hinblick auf dieses Kleinod wirklich bedauerlich ist. Immerhin schrieb er mit am Drehbuch zu der Komödie “Eating Raoul”, die ich jetzt wohl auch einmal sichten muss.

Die deutsche Synchro, die aus vergangenen Tagen zu stammen scheint, ist zwiespältig. Zum Einen klingt sie ein wenig wie auf der Toilette aufgenommen, zum anderen können nur die Hauptfiguren mit guten Sprechern punkten. Der übrige Cast klingt, als wäre er von der Straße weggecastet worden. Zum Glück bleibt aber die Wahl zur englischen Sprachfassung zu greifen.

Ansonsten gibt es qualitativ nix zu meckern. Der Film sieht halt aus wie ein billiges 70´s Movie, was er ja auch ist. Im Bonusbereich wäre aber durchaus mehr drin gewesen. Lediglich ein paar wenige Werbetrailer gibt es zu bestaunen, jedoch kein Trailer zu “Lemora”. Ich hätte mich sehr für die unzensierte Fassung interessiert, die laut Imdb stolze 113 Minuten Laufzeit misst. Ob diese jedoch besser ist als die vorliegende 82 Minuten Version, vermag ich nicht zu beurteilen.

Fazit:

Märchenhafter Erotikgruselfilm aus den frühen 70ern, der hiermit erstmals im deutschen Heimkinomarkt erscheint. Wunderschön, wenn auch, trotz der Thematik, reichlich zugeknöpft, kommen Fans von stimmungsvollen Vampirfilmen an diesem Werk nicht vorbei. Schnell bestellen, bevor die Exemplare vergriffen sind. Lemora ist die Versuchung wert.

Trailer:

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