Hörspiel Special – H.G. Francis‘ Gruselserie – 03 – Dracula, König der Vampire (1981)

“…wir sind nicht abergläubich!” Dieses zarte Stimmchen ließ mein Herz damals höher Schlagen. Hätte die gute Frau Harker doch nur geahnt was sie erwarten sollte, als sie sich gemeinsam mit ihrem Mann auf den Weg ins Schlosse Draculas gemacht hat. Die etwas andere Vampirstory erwartet uns in Folge 3 der Gruselserie!

Cover der 1981er / 1999er Auflage (MC, LP bzw. CD)

Cover der 1987er Auflage (Techno-Edition, MC)

Regie: Heikedine Körting

Buch: H.G. Francis

Sprecher: Charles Regnier, Günther Ungeheuer, Reinhilt Schneider, Barbara Focke, Karin Lieneweg, Susanne Wulkow, Katharina Brauren, Horst Stark, Ernst von Klipstein, Marianne Kehlau

Klappentext:

Ein düsteres Schloß in den Karpaten – Draculas Schlupfwinkel. Jonathan Harker und seine Verlobte Mina als Gefangene eines unbekannten Wesens von nicht vorstellbarer Grausamkeit. Unsagbare Dinge passieren. Die Stunde des Todes naht, die Maske des Grafen fällt …

Artikel von Victor Grytzka

DRACULA, KÖNIG DER VAMPIRE – damit sollte die Gruselserie nun wohl eine der klassischsten Vorlagen für sich in Anspruch nehmen. Halt – wohl doch nicht so ganz. Bereits im Jahre 1976 hatte Europa mit “Dracula – Jagd der Vampire” ein recht erwachsenes Hörspiel, basierend auf einer Bearbeitung von Konrad Halver, auf Magnetband und Vinyl gepresst. Statt (wie bei den bereits besprochenen Folgen) ein einfaches “Master-Recycling” zu betreiben, entschied man sich hier für eine komplett neue Vertonung, und verpasste der Geschichte aus der Feder von Bram Stoker einen ganz eigenen Anstrich. Das Endergebnis ist – zugegeben – etwas jugendfreundlicher ausgefallen, und kann dennoch auf ganzer Linie überzeugen.

Charles Regnier

Aber was ist denn nun so “anders”? Unsere Reise beginnt mit Jonathan Harker. Gemeinsam mit seiner Frau Mina sucht er den Grafen Dracula auf, um ein großes Geschäft für seinen Boss abzuwickeln. Schon auf dem Wege werden Warnungen laut, das Böse triebe sich im Schloss herum. Doch Pflicht ist Pflicht, und so muss die Reise weitergehen. Noch vor der Ankunft bekommt unser Paar es mit blutrünstigen Wölfen zu tun, bevor man sich endlich in Sicherheit glaubt und das Schloss des Grafen erreicht. Natürlich lauert auch dort Gefahr. Denn Dracula und seine Bräute lassen nicht lange bitten. Besonders Mina hat dabei ein hartes Los gezogen, hat Dracula sie doch als seine Braut auserkoren.

Günther Ungeheuer

Wieder einmal eine Kindheitserinnerung, die ich so ganz und gar nicht missen möchte. Auch wenn – wie bereits erwähnt – die Geschichte um den blutsaugenden Herzensbrecher hier deutlich Federn lassen musste, so hat man doch eine atmosphärisch dichte Horrorerfahrung geschaffen, wie sie Stoker selbst nicht hätte erdenken können. Während Harker nach und nach hinter das dunkle Geheimnis des Grafen kommt, verfällt Mina ihm immer mehr und wird – langsam aber stetig – zu einer waschechten Vampirbraut. Dabei hat man viele der klassischen Elemente natürlich nicht vergessen. So wird bemerkt dass der Graf kein Spiegelbild besitzt, Bissmale an Minas Hals werden versucht zu verstecken, die lüsternen Vampirbräute jagen nach Harkers Hals, und  eine Szene die ich als Kind als unheimlich gruselig empfunden habe hat sich förmlich in mein Hirn gebrannt. Eine Frau steht im Vorhof des Schlosses und fleht verzweifelt darum, dass Dracula ihr Kind wieder hergeben möchte. Aus welchem Grunde dieses geraubt wurde ist hier mehr als offensichtlich, auch wenn es zu keinem Zeitpunkt eindeutig ausgesprochen wird. Die Szenerie endet damit, dass der Graf die Wölfe auf die Frau hetzt. Damit war ihr Schicksal besiegelt und ein kleiner Victor saß schlotternd unter seiner Bettdecke. Danke dafür! Am Ende geht es natürlich darum Mina von dem Bann des Vampirs zu befreien. Da wir die Gruselserie kennen gelingt dies natürlich, und wird dabei dann doch sehr traditionell abgespult. Kreuze müssen eben in jeder Vampirgeschichte vorkommen.

Auch wenn die Geräuschkulisse – im Vergleich zu anderen Produktionen der Reihe – etwas sparsam daher kommt, so stellt man fest, dass genau Dies ein Teil der düsteren Atmosphäre ist, die das gesamte Hörspiel durchzieht. Eine unheilvolle Stimmung über die gesamte Laufzeit von knapp 40 Minuten, perfekt untermalt von der Musik, die uns allen seit der ersten Begegnung mit der Gruselserie in den Ohren herumtanzt. Vergleicht man Dracula, König der Vampire mit den beiden vorangegangenen Episoden, so merkt man dass hier deutlich weniger unfreiwillige Komik, nämlich gar keine, und auch kein gewollter trashiger Charme zum Einsatz kommt. Aus der legendären Vampir-Lovestory wurde hier ein finsteres Gruselmärchen, das trotz einem angepeilten jüngeren Publikum eine immense Wirkung der Furcht auf den Hörer los lässt.

Reinhilt Schneider

Charles Regnier, der Dracula der Draculas, war es, der einen großen Teil dieser Atmosphäre zu schaffen vermochte. Seine rauhe, kratzige und dennoch recht hohe Stimme ist die, die ich für immer mit dem Grafen verbinden werde. Günther Ungeheuer, sonst als Erzähler der Gruselserie bekannt, spricht hier den Harker und erzählt zeitgleich die Geschichte. Meinetwegen hätte er deutlich häufiger zum Einsatz kommen dürfen, denn auch er überzeugt. Ihm passierte zwar ein kleiner Fauxpas beim einsprechen, doch dieser bringt mich immer wieder zum Grinsen. Als Harker Minas Hals sehen möchte wehrt diese sich und er spricht (sinngemäß): “Ich muss ihn sehen, bitte ich muss ihn sehen, ich muss ihn Sohn.” Kleiner Versprecher, es sei denn ein Harker Junior hält sich irgendwo im Schloss auf.  Ach, und Reinhilt Schneider als Mina, so ein schönes Klangbild in ihrer Stimme. So jugendlich frisch, so fröhlich, so… anziehend. In diese Stimme hatte ich mich damals direkt verliebt. Und wisst ihr was? Ich bin es heute noch 🙂 Barbara Focke, Karin Lieneweg und Susanne Wulkow geben die Brautschaft des Grafen. Verführerisch, allerdings für meinen Geschmack etwas “over the top” – teils künstlich. Ja, schlagt mich, aber ein wenig Kritik wird auch erlaubt sein. In Nebenrollen sind zu Beginn des Hörspiels Horst Stark, Katharina Brauren und Ernst von Klipstein zu hören, und auch die großartige Marianne Kehlau, später in der Reihe als Draculas Tochter zu hören, hat hier einen Auftritt der im Gedächtnis bleibt.

DRACULA, KÖNIG DER VAMPIRE ist unumstritten ein Evergreen der Gruselreihe. Nicht umsonst wählte man diese Folge als Einstieg in die 1987er Auflage. Gepflegtes gruseln, tolle Sprecher – Volltreffer!

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