SEGA Mega Drive Classics (2018) – Seit 29. Mai im Handel erhältlich – Die XBox One Version im Test!

1497total visits.

Retro ist in aller Munde. Nun hat Kult-Entwickler SEGA seine Klassiker auf die aktuelle Konsolengeneration losgelassen. Wir haben uns die Xbox One Version der „Mega Drive Classics“ einmal genauer angesehen. 53 Spiele der 16-Bit-Ära warten auf die liebe Zocker-Gemeinde. Pflichtkauf oder Schnee von Gestern? 

Entwickler: SEGA / D3T

Publisher: SEGA

Releasedatum: 29. Mai 2018

Verfügbar auf: XBox One, Playstation 4, PC

Artikel von Victor Grytzka

Die Idee einer Sammlung von SEGA-Klassikern ist nicht neu. Über die Jahre hat SEGA immer wieder (mal mehr, mal weniger) ordentliche Sammlungen für alle erdenklichen Systeme veröffentlicht. Besonders erfolgreich waren dabei die Kollektionen für die Playstation 2, die XBox 360 und die Playstation 3. Bis zu 40 Klassiker waren dort enthalten, nun hat SEGA mit 53 Games für die aktuellen Konsolen und den PC noch eine Schippe drauf gelegt. Doch haben wir es hier mit Qualität oder mit Quantität zu tun?

Das Hauptmenü – zurück in die Zukunft! SEGA begrüßt euch mit 90er-Jahre-Charme!

Nach einem stimmigen Intro das uns auf eine humorvolle Zeitreise schickt finden wir uns mitten in einem Kinderzimmer des letzten Jahrtausends wieder. Jedes Kind der 1980er / 1990er wird sich sofort heimisch fühlen. Liebevolle Details wie Poster, eine Wasserpistole, der stilechte Schreibtisch und ein Röhren-TV samt Mega Drive Konsole schmücken den Raum. Von hier navigiert ihr euch durch diverse Einstellungen, die Multiplayer-Modi und vor allem das Wichtigste – die Spiele! Hier habe ich allerdings schon den ersten Kritikpunkt. So toll das Ganze auch aussieht, die Option einer einfacheren und klassischen Menüführung vermisse ich doch irgendwie. Man braucht ein wenig um sich sauber durch den Raum navigieren zu können. Das könnte für manch einen Nutzer vielleicht etwas kompliziert sein – insbesondere denke ich dabei an jüngere Spieler / Kinder. Nun gut, auf den Inhalt kommt es an, so sagt man doch. Also checken wir doch mal das virtuelle Spiel-Regal aus!

Ordentlich aufgereiht – da lacht das Sammler-Herz! Wer die Wahl hat, hat die Qual!

Auf den ersten Blick wirkt die Auswahl mehr als ordentlich. Viele bekannte Spiele springen einem entgegen und man denkt dass man wirklich nichts vermisst – bis man ein wenig genauer hinsieht! Zwar sind (verglichen mit den Sammlungen vergangener Tage) mehr Games enthalten, jedoch ist Weniger manchmal Mehr, wie man auf den zweiten Blick feststellen wird. Natürlich findet man viele Klassiker und freut sich wie ein Kind am Weihnachtsmorgen über Sonic 1 + 2, die Streets of Rage Trilogie, Golden Axe, Shining Force und einen bunten Mix aus weiteren Titanen diverser Genre, dennoch fehlen hier einige Games die in älteren Sammlungen noch vorhanden waren. Keine Spur von Ecco, Sonic the Hedgehog 3, Sonic & Knuckles oder diversen (freischaltbaren) Master System und Game Gear Klassikern. Auch wenn nun wirklich grandiose Spiele wie Beyond Oasis, Landstalker und diverse Treasure Klassiker (Gunstar Heroes, Dynamite Headdy, Alien Soldier) ihren Weg in die Collection gefunden haben – der Verlust anderer Titel tut weh. Leider haben auch ein paar grandiose Renn-, Prügel- und Sportspiele den Sprung auf die aktuellen Systeme nicht geschafft. Wo ist ein Super Hang-On, ein OutRun, ein Super Monaco-GP, ein Joe Montana Sports Talk Football, ein Eternal Champions? Das waren damals System-Seller! Dafür hat man uns mit einigen Spielspaß-Gurken bedacht (Altered Beast, Fatal Labyrinth, Sonic 3D Blast, Super Thunder Blade…). Diese Spiele waren schon damals nicht gut! Umso merkwürdiger dass dafür (wieder mal) Platz war. Hoffnung birgt allerdings ein genauer Blick auf das virtuelle Regal. Im unteren Bereich ist noch reichlich Platz – ein Hinweis auf kommenden DLC? Auch an Extras wurde gespart. Boten ältere Collections noch Scans von Handbüchern, komplette Boxarts und interessante Videos, so finden man hier… GAR NICHTS. Schade, denn ich (und viele andere Gamer) legen Wert auf solchen Schnickschnack. Der Retail-Version liegt zwar ein doppelseitiges Poster bei, das ist allerdings auch nur ein schwacher Trost. Nun habe ich (vorerst) genug gemeckert.

Wer es richtig oldschool mag kann die Spiele auf einem (digitalen) Röhren-TV zocken!

Die Frage der Fragen ist doch wie gut sich die Emulation der Klassiker schlägt. Positiv fallen die vielen Optionen der grafischen Darstellung auf. Neben der Darstellung in 4:3 bietet die Sammlung die Möglichkeit das Bild auf 16:9 zu strecken, Grafikfilter einzusetzen und Scanlines zu aktivieren. Leider funktionieren die Scanlines bei der XBox Version derzeit nicht im Vollbildmodus. Auf der PS4 wurde dieser Fehler bereits mit einem Patch bedacht, Microsoft Nutzer sollten auch bald mit einem Update erfreut werden. Die diversen Grafikfilter skalieren u.a. das ausgegebene Bild und bügeln ein Stück weit die Grafik glatt. Mein Favorit ist dabei die Einstellung 4:3 mit dem XBR-Filter und schwarzen Balken links und rechts. Dies ergibt auf großen HD-Fernsehern ein sehr sauberes Bild das optisch fast an einen gezeichneten Cartoon erinnert. Wem die schwarzen Balken nicht gefallen kann wahlweise auf Breitbild strecken – in meinen Augen keine wirkliche Option da es einfach verzerrt und falsch aussieht – oder eben 4:3 nutzen und die Balken durch verschiedene Designs ersetzen. Eine nette Option ist die Deaktivierung des „Sprite-Limiters“. Was diese Einstellung macht? Einfach erklärt kann man sagen dass dadurch ein Flackern der Grafik (so ist es auf einer echten Konsole wenn zu viele Sprites auf dem Bildschirm sind) reduziert wird. Doch diese Einstellung ist mit Vorsicht zu genießen. Bei ein paar Titeln kann es dadurch zu Grafikfehlern kommen. Wirklich Sinn macht diese Option nur bei Gunstar Heroes, wo eine wirkliche Verbesserung der Darstellung bemerkbar ist.  Ganz mutige Spieler können den Bildschirm auch spiegeln und somit alle Spiele seitenverkehrt spielen. Sehr ungewohnt, allerdings eine nette Herausforderung. Neben diesem Feintuning kann man aus diversen Voreinstellungen der Steuerung für jeden Titel wählen. Um es bei schwierigen Titeln etwas leichter zu machen steht zusätzlich eine jederzeit nutzbare Speicheroption, sowie eine Vor- und Rückspulfunktion zur Verfügung, mit der ihr etwaige gemachte Fehler ausbügeln könnt.

Jeder wie er will – die Darstellung lässt sich ganz nach eurem Geschmack anpassen!

Die Emulation an sich ist ordentlich. Nicht mehr, nicht weniger. SEGA-Veteranen werden kleine Unzulänglichkeiten auffallen. Während die Grafikdarstellung sehr sauber und nahezu perfekt ist haben vereinzelte Titel mit kleinen Tonfehlern zu kämpfen. So sind einige Sounds falsch gepitcht oder haben eine minimale Zeitverzögerung. Dies mag nur den Hardcore-Fans auffallen, dennoch ist es mehr als ärgerlich. Denn schaut man sich andere Emulatoren und frühere Sammlungen an, so fällt auf dass diese Fehler dort nicht vorhanden sind. Auch kleine Ruckler treten dann und wann auf – da muss mit einem Patch nachgebessert werden. Allgemein kann man aber sagen dass alle Titel spielbar sind und der Spielspaß definitiv vorhanden ist. Dennoch – auf solch starker Hardware sollte eine (fast) problemlose Emulation möglich sein, die Power ist ja schließlich mehr als vorhanden.

Ihr habt schon alle Spiele durchgespielt? Zeit für den fordernden Challenge-Modus!

Immerhin hat man zwei nette Modi eingebaut. Die Herausforderungen schmeißen euch in extrem schwierige Ausgangssituationen und geben euch ein Ziel vor, welches ihr im jeweilig gewählten Titel erreichen müsst. So gilt es z.B. in Sonic den zweiten Akt der Green Hill Zone spiegelverkehrt innerhalb einer Minute zu beenden, oder in Virtua Fighter 2 mit Kage Maru gegen eine extrem aggressive Pai Chan anzutreten. Puh – knochenhart! Eine nette Abwechslung ist es trotzdem.

Ja, wo spielen sie denn? Ach, ist das schöööön! Der brandneue Online-Modus.

Auch ein Online-Multiplayer-Modus mitsamt Ranglisten wurde der Kollektion spendiert. Das Matchmaking an sich klappt wunderbar und auch die Verbindung arbeitet stabil, dennoch spürt man einen Input-Lag bei Onlinepartien. Kein „Game Breaker“, aber es dauert einen Moment bis man sich daran gewöhnt hat. Fans von Couch-Gaming können natürlich auch ganz klassisch mit einer Konsole und zwei Gamepads gegeneinander antreten. Also los – bestellt ein paar Freunde zu euch, ordert eine Pizza und los geht die Party!

Fazit:

Bei aller Kritik und ein paar Macken hier und da. Für einen schmalen Taler bekommt man ein nettes Paket an Klassikern. Etwas weniger „Ramschware“, ein paar Goodies – dann wäre das Ding fast perfekt. Besitzer vorheriger Mega Drive Collections für andere Systeme sollten sich den kauf gut überlegen. Wer noch keine Spielesammlung besitzt darf zugreifen. Ich denke dass die paar Problemchen mit Updates behoben werden können, und hoffe dass man uns noch ein paar nette Games als DLC nachliefert. Derzeit kostet das Spiel rund 25 Euro im Einzelhandel, ungeduldige Spieler können das Paket für 29,99 aus dem Microsoft- und PSN-Store, sowie bei Steam als digitale Version erwerben.

Zum Abschluss eine Galerie mit allen enthaltenen Spielen

Zurück zur Startseite