Die Wall Street Verschwörung (2017) – Ab 20. Juni auf DVD und Blu-ray im Handel / Digital bereits erhältlich

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Wenn man einem weiblichen Borstenwurm das Gehirn entfernt, wird er zu einem Männchen. Und Pfirsiche gehören zur Familie der Rosengewächse, während sämtliche Schwäne in England tatsächlich das Eigentum der Queen sind. Was das alles mit der WALL STREET VERSCHWÖRUNG zu tun hat? Gar nichts. Es gibt nämlich wenig wissenswertes, was man über diesen Film schreiben kann, außer, das er nervt.

Originaltitel: Conspiracy / The Crash

Drehbuch und Regie: Aram Rappaport

Darsteller: Frank Grillo, Minnie Driver, Maggie Q, John Leguizamo, AnnaSpohia Robb

Artikel von Kai Kinnert

Er nervt von der ersten Minute an. Der Look ist scheiße, Kamera und Musik auch. Sofort ist klar – hier wurde LowBudget mit Digitalkameras gedreht. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn ein Film auf Fotoapparaten der besseren Klasse gedreht wird. Die heutige Technik macht es möglich, mit wenig Aufwand und fünf verschiedenen Objektiven einen Kinofilm zu drehen, wenn man nur drei oder vier Scheinwerfer geschickt einsetzt und dazu einen Tonmann mit einem Fostex hat. Am Besten man nimmt eine Red oder BlackMagic Kamera dafür, denn damit hat man die richtige Sensorgröße, um echten 16 oder 35mm Look zu kreieren. So weit kein Problem. Doch hier sieht´s einfach scheiße aus, flach und verwaschen, kombiniert mit einer schrecklichen Handkamera, die wohl andauernde Dynamik und Dramatik suggerieren soll. Der Kameramann scheint nicht von der Optik der „24“ Serie losgekommen zu sein und schwenkt, wackelt und reißt am Zoom, das man ihm eine Knallen möchte. Tatsächlich gibt es im Film Momente der Spannung, die einzig und allein durch die Umstände der Handlung ausgelöst werden und eine sachliche Inszenierung verdient hätten. Stattdessen schüttelt sich die Kamera durch jede Minute des Streifens und es passt dramaturgisch nie. Da in dem Film praktisch nichts außer Dialoge, Computer und Börsenwerte passiert, sollte die Kamera wohl den atemlosen Druck der Krise permanent unterstreichen. Dazu ballert die Filmmusik aus dem My-Garage-Fundus (Mac User wissen Bescheid) klebrig über den Film und erstickt alles. Anstatt sich auf den Grundkern der Handlung zu verlassen, der im Ansatz ganz spannend sein könnte, zerrumpelt Regisseur Aram Rappaport den Film wie ein überambitionierter Amateur, der zufällig 5 Millionen Doller Budget geschenkt bekommen und ganz großes Kino im Kopf hat.

Denn in naher Zukunft droht den USA eine massive Wirtschaftskrise – Hackerterroristen wollen mit einem Virus die Wall Street lahm legen und damit die Weltwirtschaft stören. Der ehemalige Broker und Hacker Guy Clifton (Frank Grillo) wird von der Regierung angeworben, um den Cyber-Angriff zu verhindern. Clifton holt sich sein ehemaliges Hacker-Team zurück und macht sich an die Abwehr. Dabei stellt sich heraus, dass die Cyber-Terroristen stets einen Schritt voraus zu sein scheinen und beim Zusammensetzen der einzelnen Puzzelteile kommt Clifton einer Verschwörung auf die Spur, die bis in höchste Regierungskreise reicht.

Das ist nun wirklich nicht neu, könnte aber, gut gepaart mit einigen Recherchen zu technischen Abläufen und Möglichkeiten, sowie finanzpolitischen Hintergründen und Verzahnungen, ein spannender Thriller werden. Wird es aber nicht, da Aram Rappaport plötzlich das Privatleben von Clifton als wahnsinnig wichtig erachtet und nun seine Ehefrau Shannon (Minnie Driver) und seine Tochter Creason (AnnaSophia Robb) immer wieder in den Vordergrund stellt. Dazu kommt noch, das sich seine Tochter in einen von Cliftons Hacker verliebt. Quasi alle Beteiligten verhalten sich unprofessionell und fangen in Momenten, wo Professionalität gefordert ist, mit Vergangenheitsbewältigung und Beziehungsgequatsche an. Warum können Profis nicht einfach Profis sein? Stattdessen ist Clifton eben auch All-American-Daddy und sorgt sich um seine Tochter, die bloß nicht ihr Herz und Unschuld an so einen blöden Hacker-Kollegen verlieren soll. Ach, und die Ehe mit Minnie Driver, darüber sollten wir auch noch mal sprechen. Oder lieber doch nicht.

Zwischen all´ diesem unsinnigen und recht talentfreien Rumgewurschtel blitzen dann doch einige spannende Momente auf, wo deutlich wird, das dieser Mist ohne die Musik, das Gequatsche und die Kamera ein guter Film hätte werden können. Wird es aber nicht. Und eine Raupe besitzt 3 mal so viele Muskeln wie ein Mensch.

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