The Killing – Die Rechnung ging nicht auf (1956) – Ab 12. Juli 2018 auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Im Alter von 27 Jahren drehte Stanley Kubrik seinen dritten Film und wählte dafür eine non-lineare Hard-Boiled-Story von Lionel White. Krimis der 50er Jahre des letzten Jahrtausends mögen nicht jedermanns Sache sein, doch dieser Film ist von einem Meister seines Fachs und so stellt sich die spannende Frage, ob der Stil Kubriks und seine exorbitant geometrische Kameraarbeit hier schon sichtbar wird. Und natürlich auch, was an dem Plan, eine Pferderennbahn auszurauben, schief geht.

Originaltitel: The Killing

Regie: Stanley Kubrik

Darsteller: Sterling Hayden, Coleen Gray, Marie Windsor, Vince Edwars

Artikel von Kai Kinnert

Kubrik inszeniert hier natürlich im Stil der 50er und auch die Schauspieler agieren Old-School. Erzählt wird die Story des Ex-Häftlings Johnny Clay (Sterling Hayden), der mit vier weiteren Männern einen großen Coup plant. Sie wollen die Wettkasse einer Pferderennbahn überfallen. Dank präziser Vorbereitung können die Fünf die erhofften Millionen an sich bringen. Doch einen wichtigen Faktor haben sie übersehen: Sherry Peatty (Marie Windsor), die Ehefrau eines Komplizen und ihr Liebhaber haben es ebenfalls auf das Geld abgesehen.

Tatsächlich wird der Film recht flott erzählt. Ein Sprecher erklärt dazu zeitliche Zusammenhänge im Stile eines Berichtes. Dabei fordert Kubrik in den Dialogen die Konzentration des Zuschauers ein, denn das Puzzle der Verstrickungen ist raffiniert. Kurz nicht aufgepasst, schon muss man zurückspulen. Mit dem Charme der alten Hollywood-Filme entwickelt sich hier eine gute B-Movie-Crime-Atmosphäre, die konzentriert und originell erzählt wird. Dabei wird auch mal geschossen – und wenn getroffen wird, dann ganz im Diktat der alten Hollywood-Regel: Schuß und getroffene Person dürfen nicht in einem Bild gleichzeitig zu sehen sein.

Schon in den ersten Minuten des Films zeigen sich die Wurzeln Kubriks und die Anfänge seines berühmten Stils. Als früher Fotograf und Dokumentarfilmer setzt er das Pferderennen am Anfang live gefilmt gut in Szene. Kubrik hatte ein starkes visuelles Talent, das er meisterhaft über die Wahl der Brennweiten und Bildeinrichtung ausdrückte und sich damit von allen anderen Filmemachern, bis heute, ein Alleinstellungsmerkmal schaffte. 1956 waren die Sehgewohnheiten noch etwas anders und die Bildgestaltung eher klassisch. Kubrik forderte in THE KILLING nicht nur den Zuschauer mit neuen Kameraeinstellungen heraus, sondern er nutzte bewusst auch Vorder- und Hintergrund des Bildes, um Geometrie und Dynamik zu erreichen. Das brachte ihm damals Ärger mit seinem Kameramann Lucien Ballard ein, der sich weigerte, die lange, tolle Kamerafahrt in der 7. Minute des Films in einer bestimmten Brennweite zu filmen. Ballard war die Art der Bildgestaltung nicht gewohnt, zumal die Kamerafahrt den Vordergrund mit einbezieht und drehte die Szene frech mit einem anderen Objektiv als vom Meister gewünscht. Der drohte, das er ihn sofort feuern würde, wenn er nicht den 2. Take nach seinen Anweisungen dreht – und schon war Ballard ab dem Moment bei der Sache. Der Film ist voll mit weiteren Kamerafahrten und schön gesetzten Bildgestaltungen im alten Hollywood-Stil, nur eben absolut fotografisch aufgelöst. Ein Stil, den Kubrik bei seinem nächsten Film, WEGE ZUM RUHM (1957), zur Perfektion brachte.

Der Regisseur gehörte später nie zum New Hollywood, aber auch nie zum Studiosystem. Obwohl er sich die erfolgreichen Hollywood-Genres vornahm, drückte er den Filmen so sehr seinen Stempel auf, das Kubrik eine eigene Marke wurde. Als Film mag nicht jeder seine Werke heute noch funktionieren. So ist EYES WIDE SHUT (1999) schon immer ein fürchterlicher Film gewesen und auch FULL METAL JACKET (1987) liefert eine schlechte, zweite Hälfte ab. Wer der Jugend heute 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (1968) zeigt, wird damit keinen Blumentopf gewinnen. Der Zahn der Zeit nagt eben auch am Meister des visuellen Stils.

Und doch ist THE KILLING ein schön gefilmter alter Krimi, der auch heute noch überzeugt, wenn man die alten Schwarz/Weiß-Filme mag. Der Film wurde für die damalige Zeit recht raffiniert und herrlich analog inszeniert und zählt auch heute noch zurecht zu den Klassikern des Kriminalfilms. Wer Interesse an den Filme der 50er und 60er hat, wird hier Qualitätsarbeit geliefert bekommen. Er gehört in jede Kubrik-Sammlung.

Das Bild der BluRay/DVD ist einwandfrei. Als Extras gibt es nur einen Trailer.

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