Der Glückspilz (1966) – Ab sofort auf Blu-ray erhältlich

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Koch Media führt die Reihe mit Filmen von Screwball-Spezialist Billy Wilder fort. Der vorliegende Film war zudem das erste Aufeinandertreffen des Kult-Duos Jack Lemmon und Walter Matthau. Dies geriet so gelungen, dass sich Matthau von der Academy einen Goldjungen abholen durfte. Doch funktioniert der über 50 Jahre alte Film auch noch heute?

Originaltitel: The Fortune Cookie

Regie: Billy Wilder

Darsteller: Jack Lemmon, Walter Matthau, Ron Rich, Judi West

Artikel von Christian Jürs

Kameramann Harry Hinkle (Jack Lemmon) ist ein vom Pech verfolgter, schüchterner Nettmensch. Doch eines Tages soll sich sein Schicksal wenden. Während eines Footballspiels wird Harry versehentlich von einem Footballspieler namens Luther „Boom Boom“ Jackson (Ron Rich) umgerannt. Hierbei geht der Unglücksrabe k.o. Als er im Krankenhaus wieder zu sich kommt ist sein Schwager, der durchtriebene Anwalt Willie Gingrich (Walter Matthau) bereits zur Stelle. Dieser überredet den eigentlich putzmunteren Harry zu einem Versicherungsbetrug.

Und so muss Harry fortan die Folgeschäden eines Krüppels simulieren, der teilweise gelähmt ist. Auf diese Art und Weise möchte das ungleiche (seltsame) Paar Schmerzensgeld in enormer Höhe ergaunern. Doch die Versicherungsgesellschaft wittert den Betrug und setzt den Versicherungsdetektiv Purkey (Cliff Osmond) auf den Simulanten an, der nun Mühe hat, die Geschichte weiter glaubhaft zu verkaufen. Doch die Aussicht, mit dem Geld seine Ex-Frau Sandy (Judi West) wieder zu gewinnen, spornt den Guten an. Doch bald kommt Harrys Gewissen ins Spiel, denn „Boom Boom“ Jackson plagen Schuldgefühle, die dieser in Alkohol zu ertränken versucht…

Ursprünglich sollte entweder Frank Sinatra oder aber Jackie Gleason an der Seite Jack Lemmons agieren. Doch dieser bestand auf Walter Matthau. Was folgte, war Filmgeschichte. Denn auch wenn DER GLÜCKSPILZ nicht der stärkste Film aus der Reihe der Lemmon/Matthau-Zusammenarbeiten ist, so sehr harmonieren die beiden Spaßvögel miteinander. Auch wurde hier bereits die Rollenverteilung Lemmon = schüchtern und freundlich / Matthau = verschlagen und knurrig, erschaffen, die sich wohl durch alle gemeinsamen Werke (ausgenommen  J.F.K.) ziehen sollte.

Die Geschichte um den Betrug weiss auch heute noch zu unterhalten, auch wenn die ungewohnte Erzählweise (der Film wird in Kapiteln erzählt, die Namen tragen wie: 1. Der Unfall / 2. Der Schwager / 3. Die Gaunerei) und die mit 125 Minuten einfach zu lange Laufzeit den Film etwas ausbremsen. Insbesondere Walter Matthau überzeugt, durfte er sich für die Rolle des coolen Gauners mit den flotten Sprüchen („Für alleinerziehende Mütter hab ich was übrig.“) doch einen Oscar ins Regal stellen. Dabei wurden die Dreharbeiten von einem Ereignis überschattet, welches so gar nicht lustig war. Matthau erlitt während der Produktion nämlich einen Herzinfarkt, der glücklicherweise glimpflich ausging und lediglich den Dreh um ein paar Wochen verzögerte.

Doch natürlich können auch die anderen Darsteller, allen voran Lemmon, überzeugen. Auch wenn er anfangs nur den jammerhaften Ja-Sager mimt, spätestens bei seinem Rollstuhltanz beweist der Mime seine Größe. Ebenso Judi West als Ex-Frau und hinterhältige Schlange war sehr überzeugend und Cliff Osmond als glückloser Detektiv sowieso.

Die blaue Scheibe von Koch Media kommt altersbedingt mit nur wenig Bonusmaterial daher (lediglich Bildergalerien und der Trailer sind vorhanden). Dafür wissen Bild und Ton zu überzeugen, sind beide doch glasklar (an die jüngeren Leser: Ja, die Welt war damals schwarzweiß – Farbe konnten wir uns noch nicht leisten!).

Billy Wilder-, sowie Lemmon / Matthau Fans können also bedenkenlos zugreifen. Auch, wer einer charmant-harmlosen Komödie aus vergangenen Tagen über aufgeschlossen ist, macht hier nichts verkehrt. An den zwei Jahre später entstandenen Klassiker EIN SELTSAMES PAAR reicht DER GLÜCKSPILZ jedoch selbstverständlich nicht heran.

Trailer:

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