Christopher Robin (2018) – Ab 16. August im Kino – Spoilerfreie Review

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Wir werden alle Erwachsen. So will es das Leben. Und oft vergessen wir dabei, wie unbeschwert das Leben als Kind war. Im neuen Disney Film „Christopher Robin“ geht es eben genau um dieses Thema, und lässt den einen oder anderen Zuschauer dabei sehr überrascht zurück. Denn im Grunde ist „Christopher Robin“ ein Film für Erwachsene. Warum? Das erkläre ich euch gerne…

Regie: Marc Forster

Darsteller: Ewan McGregor, Hayley Atwell, Bronte Carmichael, Mark Gatiss

Artikel von Victor Grytzka

Wer kennt sie nicht, die Geschichten um Christopher Robin und seine kuscheligen Freunde, die gemeinsam im Hundertmorgenwald Abenteuer bestehen. Sei es nun als Buch, als einer der unzähligen Zeichentrickfilme oder als TV-Serie. Viele haben dabei schöne Erinnerungen an den tollpatschigen Bären und seine Freunde. Doch wir werden älter, haben unsere Sorgen und Probleme, und damit verblassen auch die Erinnerungen an diese Zeit. Deshalb bin ich für diesen Film so dankbar. Denn nicht nur Hauptdarsteller Ewan McGregor nimmt eine wichtige Botschaft mit nach Hause.

Christopher Robin (Ewan McGregor) ist nun ein erwachsener Mann und lebt für seinen Job in der Gepäckfabrik von Giles Winslow (Mark Gatiss). Als dieser nun Einsparungen fordert und Personal entlassen will, muss Christopher sofort handeln. Dabei gibt es allerdings ein Problem. Seine Frau Evelyn (Hayley Atwell) und vor allem seine Tochter Madelin (Bronte Carmichael), die statt Vaterliebe einen Drill auf Erfolg ihr tägliches Leben nennt, leiden unter der Arbeitswut des Familienoberhauptes. Als Christopher einen gemeinsamen Familienausflug absagen muss und damit auf wenige Gegenliebe stößt, bekommt er Besuch von Pooh, seinem Freund aus vergangenen Tagen. Auch dieser hat ein großes Problem – seine Freunde sind verschwunden. Und der Hundertmorgenwald ist so ganz anders als er es einmal war…

Da saß ich nun. Das Kino war zum bersten gefüllt mit Kindern und ihren Eltern. Ich habe typische Disney Unterhaltung für die ganze Familie erwartet. Als der Abspann dann über die Leinwand flimmerte, und das gesamte Kino (auch schon während des Films) in nachdenklicher Ruhe versank, da wusste ich es – dieser Film hat ALLES richtig gemacht.

Ich versuche meine Eindrücke so Spoiler frei wie möglich zu halten, da „Christopher Robin“ ein einmaliges Filmerlebnis ist, das man dem geneigten Zuschauer einfach nicht vorweg nehmen darf. Der generelle Ton des Films ist eher bedrückend. Angefangen bei der schwierigen Vergangenheit Christopher Robins, der aus eindrucksvoll und intensiv geschilderten Gründen zu dem wurde, der er heute ist. Wir sehen hier einen Menschen der irgendwann seine Unbeschwertheit verloren hat, und zu dem wurde was er eigentlich nie sein wollte. Die katastrophalen Auswirkungen nimmt er allerdings nicht wahr und verfällt immer wieder in die Muster eines Workaholics, der sich einen solch immensen Druck auferlegt, dass für ihn nur noch der Erfolg zählt.

Dass sein gesamtes Umfeld leidet, das nimmt er dabei nicht wahr. Auch als er wieder in den Hundertmorgenwald reist, verbreitet der Film keine typische Disney Stimmung. Die Trostlosigkeit die dort aufgezeigt wird lässt einem mit einem flauen Gefühl im Magen zurück, und sorgt dafür dass man in Gedanken verfällt. Gedanken an eine Zeit, in der wir noch nicht erwachsen waren, und viele Dinge mit einer gewissen Leichtigkeit aufgenommen haben.

Damit man jedoch nicht vollends in eine „Depression“ rutscht hat das Team hier und da sehr viele humorvolle Momente eingebaut, die vielleicht in die Klischees des familienfreundlichen Humor abrutschen, aber durch die (plüschigen) Protagonisten dabei so herrlich naiv dargestellt werden, dass man auch einfach mal beherzt lachen kann. Egal ob man nun Fan von Pooh, Tigger, Ferkel oder den anderen Waldbewohnern ist – die Umsetzung der Charaktere gelang mit extremer Sorgfalt und Liebe zur Vorlage.

Im letzten Drittel nimmt der Abenteueranteil dann deutlich fahrt auf und mündet in einem witzig-spritzigen Finale, das dann auch eindeutig wieder eine ordentliche Menge Disney-Flair versprüht, und natürlich auf ein Happy-End abzielt. Dennoch – es steckt immer eine Moral und ein Denkanstoß dahinter. Und dabei ist es auch völlig egal wie „dumm“ die Sprüche oder Aktionen unserer Plüschfreunde sein mögen – sie vermitteln etwas. Etwas, das zum nachdenken anregt.

McGregor und seine Filmtochter Carmichael liefern hier ein ganz tolles Schauspiel ab, und man merkt dass sie sich wirklich mit ihren Figuren auseinander gesetzt haben. Auch Atwell, als Christophers Frau, steht dem in nichts nach, hat allerdings relativ wenig Screentime. Dies ist ein wenig schade da sie viel Potenzial für einen interessanten Nebenplot gehabt hätte.

An der Gesamtumsetzung gibt es nichts zu meckern. Das London der 1950er wirkt seht überzeugend und wurde mit vielen liebevollen Details ausgeschmückt. Winnie Pooh und seine Freunde sind hervorragend animiert, und auch bei der Sprecherwahl hat man sich nicht lumpen lassen. Die Charaktere haben ihre (aktuellen) bekannten Sprecher, und das sowohl im O-Ton, als auch in der deutschen Fassung. Der Soundtrack ist toll orchestriert und bindet immer wieder Elemente der bekannten Melodien ein, die Fans seit Jahren durch die Abenteuer des schusseligen Bären begleiten.

Insgesamt spreche ich „Christopher Robin“ die Prädikate wertvoll und sehenswert aus, auch wenn jüngere Zuschauer über den recht dunklen Ton etwas enttäuscht sein werden. Wie ich in der Einleitung schon erwähnte handelt es sich hier um einen sehr nachdenklichen Film, der vor allem uns Erwachsene eine Zeit lang beschäftigen dürfte. Ganz großes Kino!

Trailer:

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