Hörspiel Special – H.G. Francis‘ Gruselserie – 07 – Die Begegnung mit der Mörder-Mumie (1981)

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Ich melde mich aus dem Schreib-Urlaub zurück, und möchte gleich mit einer meiner liebsten Folgen aus Europas Gruselserie den Arbeitsalltag beginnen. Wie schafft man es, ein klassisches Film-Monster in ein spannendes Hörspiel zu verpacken, und dabei gleichzeitig Grusel und (unfreiwilligen) Humor zu erzeugen? H.G. Francis lieferte 1981 die Antwort. Gruseln bis die Heide wackelt, und das ist noch nicht mal gelogen…

Cover der 1981er / 1999er Auflage (MC, LP bzw. CD)

Cover der 1987er Auflage (Techno-Edition, MC)

Regie: Heikedine Körting

Buch: H.G. Francis

Sprecher: Joachim Richert, Hannes Messemer, Heidi Schaffrath, Wolf Rahtjen, Gottfried Kramer, Klaus Klein, Peter Kirchberger, Dr. Andreas Beurmann, Günther Ungeheuer

Klappentext:

Ein Fluch der Pharaonen? Dr. Jansing, deutscher Archäologe, glaubt nicht daran. Er dringt in das Grab der Pharaonen ein und öffnet den Sarkophag… Geister der Wüste werden lebendig, Horden der Nacht jagen die Grabschänder, die sich über die Götter zu erheben wagten. Die Prophezeiung wird Wahrheit: Merikara, Schrecken der Wüste, entsteigt dem Grab und rächt den Frevel.

Artikel von Victor Grytzka

Mumien haben mich schon immer fasziniert, und so habe ich als Kind auch gerne (sehr zu Freude meines Vaters mit Hilfe von Mullbinden aus dem Kfz-Verbandkasten, alternativ: Klopapier) mal einen verstorbenen Pharao gemimt. Durch meine Erfahrungen mit den wackelnden Untoten, geprägt durch die Filme der Universal- und Hammer Studios, fand ich diese Wesen immer sehr unterhaltsam, und wirkliche Angst vor ihnen hatte ich nicht. Dies sollte sich jedoch schlagartig ändern, als im im zarten Alter von 6 Jahren meine erste Begegnung mit Merikara, der Titel gebenden „Mörder-Mumie“, hatte…

Dr. Erich Jansing (Hannes Messemer) ist mit seiner Tochter Heide (Heidi Schaffrath) und seinem Kollegen Callaghan (Joachim Richert) bei einer Ausgrabung im „Tal der Könige“ in Ägypten. Die Einheimischen berichten von einem Fluch und einem Siegel an einem Sarkophag, das Unglück über diejenigen Menschen bringt, die es wagen das Siegel zu zerstören und damit die Ruhe von Merikara zu stören. Nicht nur ihr Ausgrabungshelfer Muhammad (Wolf Rahtjen), auch sein Freund Jussuf (Gottfried Kramer) sprechen unheimliche Warnungen aus. Als Wissenschaftler und Leute des Faches ignoriert unser Trio natürlich die Warnungen und beginnt mit der Arbeit am Pharaonengrab. Als sie feststellen, dass jemand das Grab ausgeraubt und dabei das Siegel am Sarkophag beschädigt hat, ist es jedoch schon zu spät. Die Prophezeiung erfüllt sich, Merikara entsteigt seinem Grab und fordert nun Rache an denen, die seine Ruhe gestört haben.

Hannes Messemer

Wie man vielleicht herauslesen kann, ist die eigentliche Geschichte nicht so besonders innovativ. Eher klassisch wagte man sich hier an das Thema heran, was am Ende aber gar nicht schlimm ist. Denn genau das erwarten Mumien Fans nun einmal. Dennoch schaffte es Körting die Geschichte aus der Feder von H.G. Francis sehr spannend, temporeich und gruselig zu inszenieren. Atmosphärische Dichte, seit jeher ein Markenzeichen der „Gruselserie“, erreicht hier einen klaren Höhepunkt der Reihe. Zeit zum verschnaufen bleibt nicht. Über die gesamte Laufzeit passiert etwas. Angefangen bei der seltsamen Begegnung mit einer Horde von Schattenreitern, über den kauzigen Weissager Jussuf, bis hin zum Finale, das einen – zumindest beim ersten Hören – wirklich überrascht, und mit einem Cliffhanger endet, der niemals aufgeklärt wird. Dabei ist dies in dem hier vorliegenden Fall gar nicht mal schade, sondern ist nur das Sahnehäubchen auf dieser wirklich tollen Episode.

Ganz stark sind hier die Charaktere. Der vernünftige Dr. Jansing bildet den perfekten Gegenpol zum eher lockeren und flapsigen Callaghan, der durch seine lockeren Sprüche nicht nur für Reibereien innerhalb des Trios sorgt, sondern damit auch gestandene ägyptische Gelehrte in den Wahnsinn treibt. „Lasst mich durch, ich will nicht länger bei euch Ungläubigen bleiben – Allah vernichte euch!“ – großartig und immer wieder einen Lacher wert. Callaghan ist der Motor, der die witzige Seite des Hörspiels ankurbelt. Auch die etwas naiv-ängstliche Heide und der rätselhafte Muhammad passen wie aus einem Guss in die Geschichte, und tragen zum starken Gesamtbild des Ensembles bei.

Joachim Richert

Meine Favoriten sind ganz klar Joachim Richert, der leider zu selten in der Gruselserie zum Einsatz kam, und hier – zumindest in dieser Reihe – seine einzige Hauptrolle sprach, Hannes Messemer, den ich mir gerne häufiger in tragenden Rollen gewünscht hätte, und Wolf Rahtjen, dessen Stimme mir einfach immer wieder durch Mark und Bein geht. Die beiden zuletzt genannten Herren dürfen wir übrigens in absolut phantastischen Rollen in der zehnten Folge der „Gruselserie“ hören, aber dazu kommen wir zum gegebenen Zeitpunkt.

Apropos Humor – die „Mörder-Mumie“ ist bekannt für einen der beliebtesten Running-Gags der Europa Geschichte, der sogar Einzug in unser eigens produziertes Hörspiel gefunden hat – die toten Alis. Also zwei Alis, um genau zu sein. Diese sterben kurz hintereinander, scheinen allerdings nicht miteinander verwandt. Klar, wird sind in Ägypten, da heißt man eben Ali. Statistisch möglich, dennoch eher unwahrscheinlich.  Durch tolle musikalische Untermalung, atmosphärischen Szenenaufbau und viele schaurige Effekte ist ein wahrer „Horrorfilm für die Ohren“ entstanden, so dass man die kleinen Fehlerchen gerne verzeiht.

Wolf Rahtjen

 Ein solch klassisches Horror-Thema frisch zu halten ist nie eine leichte Aufgabe, und auch im hier vorliegenden Hörspiel weicht die Geschichte kaum von den üblichen Genre Vertretern ab, bedient sich jedoch eines Kniffes, der die Folge 7 der „Gruselserie“ zu einem unvergesslichen Erlebnis macht. Die Charaktere – wirklich jeder Beteiligte in diesem Kleinod hat eine klar erkennbare Persönlichkeit, die zu keinem Zeitpunkt den Verdacht aufkommen lässt, dass es sich um „Füllmaterial“ handelt. Selbst kleine Rollen haben hier eine wichtige Verbindung zur Story, und so wird das ganze Konstrukt interessant. Auch die „Mörder-Mumie“ als tragische Figur darzustellen, die eigentlich nur den ewigen Frieden sucht, ist komplett gelungen! Schaurig schön – ein Highlight der Reihe.

Heidi Schaffrath

Da fällt mir wieder ein, wie das damals gewesen war. Das Hörspiel war rum, und ein kleiner verängstigter Victor lag in seinem Bett, die Decke bis zu den Ohren gezogen und eine schlaflose Nacht vor sich. Doch schon damals wusste ich – es hat sich gelohnt! Auf Bald…

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