Time Breaker – Get Mean (1975) – Ab 13. September 2018 auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Ein geheimnisvoller Fremder soll die Prinzessin Elisabetta von den USA in ihr Heimatland Spanien begleiten. In Spanien erwartet beide ein unheimliches Chaos mit kämpfenden Engländern, Spaniern und Barbaren. Am Ende seiner Tage versuchte dieser knallige Italo-Western noch mal alles, um im sterbenden Genre aufzufallen. Tatsächlich ist das einer der letzten Filme der Western-Welle und einer der ungewöhnlichsten. Ob der bei Koch Media nun erscheinende Film Gefallen findet, werden wir gleich wissen.

Originaltitel: Get Mean

Regie: Ferdinando Baldi

Darsteller: Tony Anthony, Diana Lorys, Lloyd Battista, David Dreyer

Artikel von Kai Kinnert

Der Schauspieler Tony Anthony produzierte seine Filme gerne selber und war in jedem seiner fünf Streifen der kreative Leiter der Produktion. Eine Art Autorenfilmer also, was im Genre des Italo-Westerns einzigartig ist. Der Mann war vom Western schlichtweg begeistert und versuchte im realen Leben wie seine Filmfiguren zu sein. Sein bekanntester Film war ALLES FLIEGT DIR UM DIE OHREN (1980), einem 3D-Western mit recht gelungen Effekten. Der Mann versuchte damals mit den modernsten Kameras das 3D Kino für Hollywood wieder zu beleben und hatte damit einigen Erfolg. Anthony wurde so einer der Initiatoren für die weitere Entwicklung des 3D Kinos. Doch bevor es dazu kam, drehte er noch in eigener Verantwortung TIME BREAKER als schräge Western-Komödie, die viele Elemente des Genres parodiert und mit einem Historien-Film kreuzt.

Der Film hatte reichlich Schwierigkeiten sein Budget zusammen zu bekommen, zumal man schon drehte und nicht wusste, woher das nächste Geld kommt. 1975 war es nämlich vorbei mit den Italo-Western, doch Anthony konnte als großer Fan seine Finger nicht vom Genre lassen und wählte hier als letzten Ausweg die knallige Zuspitzung ins Absurde. Das Ergebnis war, das TIME BREAKER keinen Verleiher fand und somit niemals und nirgendwo auf der Welt im Kino lief. Außer an einem einzigen Tag in Las Vegas, der Vertragsbedingung war. Das mag einer der Gründe sein, warum das Bild der BD so gut ist. TIME BREAKER ist großartig remasterd und sieht aus, als wäre er letzte Woche gedreht. Erst als der Streifen später in GET MEAN umbenannt worden ist (vorher gab es nur den Arbeitstitel „Nichts klappt wirklich“) konnten die Rechte an den Film verkauft werden.

Obwohl der Film also kein Geld hatte, wurde er doch mit einem gewissen Aufwand umgesetzt. Da man sowieso in Spanien drehte, konnte man auch gleich noch die reale Gebäude der Umgebung und die Western-Kulisse von Almeria nutzen. Dieser Umstand führte dazu, das TIME BREAKER eher ein italienischer Historienfilm als ein Western wurde, in dem auch noch Barbaren eine Rolle spielen. Nach 11 Minuten kommt der Fremde (Tony Anthony) und seine Begleitung Prinzessin Elizabetta (Diana Lorys) in Spanien an und gerät gleich in eine große Schlacht mit Engländern, Spaniern und Barbaren. Das endet darin, das beide gefangen genommen und zu einer Burg gebracht werden. Ab da wandelt Anthony mit einem drei Meter langem Ponchoteppich von Ikea durch den italienischen Historien-Schick der 70er und gerät so in ein…nun ja….Abenteuer, das darin mündet, das er mit einer vier läufigen Flinte und einer Menge Dynamit für Gerechtigkeit sorgt. Und ein Schatz spielt auch noch eine Rolle.

Ungefähr 60 Prozent des Films sind ein seltsames Historienspektakel mit Barbaren und einer Burg, vielen Soldaten und Kanonen. Dafür das der Film kein Geld hatte, leistet er sich hier durchaus zahlreich besetzte Action-Szenen und charmante Kulissentricks. Und am Ende explodiert soviel Dynamit im Rücken von Tony Anthony, dass man an den DER EXTERMINATOR (1980) und Cannon Films denken muss.

Man kann durchaus behaupten, das Tony Anthony mit Leidenschaft dabei war, dieses unsinnige und doch teilweise nette Spektakel auf die Leinwand zu bringen. Der Streifen ist eigentlich gar kein echter Western, eher ein italienischer Sandalen-Film mit viel Gefecht, der am Ende auch noch Shakespeare zitiert. So manches an TIME BREAKER hat für das Genre unterhaltsame Einfälle, doch im Großen und Ganzen ergibt das alles natürlich keinen Sinn. Tony Anthony ist nicht der beste Darsteller und wirkt in so mancher Einstellung wie der Cousin von Mario Barth und Thomas Anders. Das ist der Coolness nicht gerade förderlich. Die Kamera findet nur selten große Bilder und auch die Musik bleibt schwunglos. TIME BREAKER betrachtet alles mit einem Augenzwinkern und versucht des Genre abschließend ins Fantastische zu verschieben. Doch leider gelingt ihm das so nicht. Anthony ist einfach nicht witzig und zu glatt, als das die Rechnung aufgehen würde. Manchmal fällt die karge Ausstattung dann doch auf und Kamera, Musik und Tony Anthony finden nur lau zueinander.

Dem entgegen stehen viele Szenenwechsel, Kostümideen und absonderliche Einfälle. Doch abschließend bleibt TIME BREAKER ein durchschnittlich amüsanter Western, der seine Spannung nur daraus bezieht, das er irgendwie woanders spielt. Bei der Action findet der Film durchaus gute Momente und so manche Szene an der Burg wirkt mit seinen Komparsen stimmig inszeniert. Doch für den großen Wurf reicht es nicht.

Wer Sammler des Genres ist, wird hier einen der seltsamsten Italo-Western in optimaler Bildqualität vorfinden. Das Crossover mit einem anderen Genre macht den Film durchaus interessant, vorausgesetzt, man kann mit diesen alten Italo-Filmen was anfangen. Freunde des knackigen Western allerdings werden verwirrt auf das Cover sehen und sich fragen, ob sie den falschen Film gekauft haben. Die Schauspieler tragen irgendwie alle die falschen Kostüme und die Kulisse stimmt auch nicht. Trotz allem bietet der Film die eine oder andere Härte, wie sie für diese Art von Western nötig war. TIME BREAKER ist was für Fans des improvisierten Drehbuchs und bunter Überzeichnungen, die teilweise ungewollt an Mel Brooks erinnern.

Das Bild der BD ist, wie schon erwähnt, erstklassig und im feinen, analogen Korn mit schönen Farben. Als Extras erzählen Executive Producer Ronald Schneider und der Komponist Fabio Frizzi etwas zur Entstehung des Films. Weiter gibt’s ein Interview mit dem Regisseur und Tony Anthony, sowie Behind the scenes und entfallene Szenen. Natürlich auch Trailer und Radio-Spots.

Trailer:

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