Hörspiel Special – H.G. Francis‘ Gruselserie – 08 – Gräfin Dracula, Tochter des Bösen (1981)

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Mit Folge 8 habe ich die Freude eines der Highlights der Neon-Gruselserie zu besprechen. Nicht nur, dass man gleich zu Beginn unvermittelt in die Action der Gruselgeschichte geworfen wird – nein, die Gesichte erscheint plausibel, recht hart und orientiert sich am im Krimi-, wie im Horrorgenre beliebten „Zehn kleine N****lein“-Prinzip (Jägermeister wollte ich aus Product Placement Gründen nicht nennen). Als Kind lehrte mich diese Folge so richtig das Fürchten. Aber wie schaut´s damit heute aus?

Cover der 1981er / 1999er Auflage (MC, LP bzw. CD)

Cover der 1987er Auflage (Techno-Edition, MC)

 

Regie: Heikedine Körting

Buch: H.G. Francis

Sprecher: Horst Stark, Marianne Kehlau, Gabriele „Gabi“ Libbach, Ernst von Klipstein, Katharina Brauren, Michael von Rospatt, Günther Ungeheuer

Klappentext:

Portugiesische Fischer haben das Leuchtfeuer vom Cap São Vincente gelöscht. Sie wollen Schiffe auf die tödlichen Klippen locken, um sie auszuplündern. Ein Schiff zerschellt. Doch nicht Gold und Silber sind an Bord, sondern die Tochter Draculas! Grausam ist ihre Rache an den Fischern, aber noch ist ihr Blutdurst nicht gestillt! Für die Reisenden bedeutet die Begegnung mit Gräfin Dracula Todesgefahr.

Artikel von Christian Jürs

Nachdem ich mit Folge 6 eine der, in meinen Augen (bzw. Ohren), Schwächsten aus der Kultreihe von EUROPA´s Neon Gruselklassiker besprechen durfte, habe ich hier nun die Ehre ein echtes Highlight zu besprechen. Denn GRÄFIN DRACULA, TOCHTER DES BÖSEN kommt von Minute eins an mit einer unglaublich dichten, bedrohlichen und auch unheimlichen Atmosphäre daher. Keine kitzeligen Werwölfe oder überhaupt irgendein Anflug von Humor ist hier vorhanden. Diese Geschichte ängstigte mich im Kindesalter fast zu Tode, was zum Großteil an der aggressiv-herrischen Lady Dracula liegen mag. Aber der Reihe nach…

Horst Stark

Anders als in der Episode DRACULA UND FRANKENSTEIN DIE BLUTFÜRSTEN, die in der damaligen Gegenwart angesiedelt war, befinden wir uns hier wieder in der Vergangenheit, sprich, im Jahre 1902 (somit spielt die Geschichte ein paar Jahre nach DRACULA, KÖNIG DER VAMPIRE und der demnächst hier rezensierten Folge 10 DRACULAS INSEL, KERKER DES GRAUENS).

Alles beginnt mit einer Kutschfahrt am Kap São Vicente, nahe Sagres in Portugal. Vier Reisende, bestehend aus dem Ehepaar Angelo (Horst Stark) und Maria Menares (Gabi Libbach), dem Kaufmann Pedro Faria (Ernst von Klipstein) und der älteren Dame Amalia Rodriguez (Katharina Brauren), stürzen bei einem Unwetter mit ihrer Kutsche beinahe die Klippen hinab. In letzter Sekunde können die Vier sich retten. Der Kutscher fiel kurz vorher vom Bock. Die Überlebenden suchen vor dem Wetter und agressiven Möwen Schutz im Hause Heinrich des Seefahrers, einer zunächst unbewohnt scheinenden Festung. Doch schon bald finden sie einen verwundeten „Wahnsinnigen“ (Michael von Rospatt), der vor sich hin wimmert und total austickt, als die titelgebende Gräfin (Marianne Kehlau) die Szenerie betritt. Sie erklärt die Reisenden als ihre Gefangenen. Warum? Steht bereits im Klappentext. Verlassen wir also die Inhaltsangabe.

Gabi Libbach

Warum gefällt mir (und einem Großteil der Fans) diese Folge so gut? Da gibt es viele Gründe. Die Beschränkung der Handlung auf nur einen Ort, die durchgehende Bedrohung, die glaubhaft geschilderte Motivation des Bösen, die großartige Soundkulisse (knarzige Türen, Möwengeschrei, …) und vor allem wieder einmal die genialen Sprecher. So können sich COMMANDER PERKINS Fans an der Traumkonstellation Horst Stark / Gabi Libbach erfreuen, die sich auch in der Folgeepisode IM BANN DER MONSTERSPINNE mit dem Bösen auseinander setzen müssen. Highlight sind jedoch zwei alte Bekannte aus dem SCHLOSS DES GRAUENS, nämlich Ernst „Der alte Wagner“ Klipstein und die „arme Frau Bentin“ Marianne Kehlau, die hier so ganz anders als beim Schlossgespenst oder ihren zumeist wehleidigen Auftritten bei den drei Fragezeichen (dort sprach sie meist Nervenbündel / Beispiel „Der Ameisenmensch“) dem Hörer eine Scheiß Angst einjagt. Der Eine schafft es (Vorsicht: Spoiler), seine Figur so sympathisch und vernünftig wirken zu lassen, dass einem sein Ableben so richtig fertig macht. Bei der Anderen geht einem die reine Präsenz an die Nieren, so dass ich als Kind ganz fix unter der Bettdecke verschwunden bin.

Marianne Kehlau

Natürlich weiß auch Katharina Brauren zu gefallen, doch ihren großen Auftritt erhielt sie erst in Folge 14, auf die ich mich auch schon ganz dolle freue. Michael von Rospatt hat nicht viel mehr zu tun als zu wimmern und zu schreien. Dafür ist natürlich Günther Ungeheuer wie immer eine Bank. Wie sehr ich diese Stimme vermisse.

„Haben Sie gesehen? Die Möwen haben ihr Gesicht zerhackt… und ihre Kehle.“

Das Ableben einiger Figuren wird hier deutlich graphischer Dargestellt als sonst innerhalb der Serie. Zwar erreicht man hier nicht den Härtegrad eines LARRY BRENT, für jüngere Grusel-Einsteiger könnte die Horrormär trotzdem schlaflose Nächte bedeuten. Hier gibt es nicht einfach nur zwei läppische Bisswunden, sondern zerfetzte Hälse. Ein Lecker Schmecker, die Gräfin. Ebenso wie diese Folge, die zudem mit einem Ende punktet (nochmal Spoiler), in der Horst Stark ganz Liam Neeson-like die Situation klärt (und für einen weiteren Splattermoment sorgt).

 

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