Bohemian Rhapsody (2018) – ab 31. Oktober im Kino!

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„Who Wants to Live Forever?!“ trällerte Freddie Mercury einst und man ist sich einig, dass es die Band QUEEN sein wird, die für immer leben wird. Mit „Bohemian Rhapsody“ (2018) wird den Rock-Giganten und ihrem charismatischen Frontmann nun der Film gewidmet, den sie verdienen. Eine liebevolle Hommage und ein Denkmal für eine Gruppe, die Musikgeschichte schrieb. Ich durfte den Film vorab sehen und schildere euch meine Eindrücke in einer ausführlichen Kritik!

Originaltitel: Bohemian Rhapsody

Drehbuch: Anthony McCarten, Peter Morgan
Regie: Bryan Singer, Dexter Fletcher

Darsteller: Rami Malek, Gwilym Lee, Ben Hardy, Lucy Boynton, Tom Hollander, Joseph Mazzello, Mike Myers…

Artikel von Christopher Feldmann

Als die Band Queen 1974 mit dem Stück „Killer Queen“ plötzlich einen internationalen Hit landete, ahnte wohl niemand, dass das Quartett zu den wohl größten Rockmusikern der Musikgeschichte mutieren würde. Das lag vor Allem an dem unverwechselbaren Sound, dem kreativen Geist der Musiker und dem Frontmann und wohl größten Performer aller Zeiten, Freddie Mercury. QUEEN spielten über 700 Konzerte in 16 Jahren, spielten mit vielen einzelnen Genres und verkauften mehr als 200 Millionen Alben auf der ganzen Welt. Spätestens mit ihrem Auftritt bei Live-Aid im Jahr 1985 machten sie sich und ihre Musik unsterblich. Doch die Karriere war nicht nur Höhen geprägt, sondern auch von einigen schwerwiegenden Tiefen. Der ausschweifende Lebensstil Mercurys und dessen, daraus resultierenden, Aids-Erkrankung, sorgte für innere Querelen und Streitigkeiten. Nun erscheint das langerwartete Biopic über die Band, deren Hits „We Will Rock You“ und „We Are the Champions“ in wohl jedem Kulturgedächtnis zu finden sind. „Bohemian Rhapsody“ (2018) ist dabei ein großartig gespielter Film geworden, der durch seine liebevolle Ausstattung und die, natürlich großartige, Musik für elektrisierende Unterhaltung sorgt, jedoch an manchen Stellen etwas zu glatt wirkt.

Handlung:
London 1970. Die Studentenband SMILE tourt durch Pubs und feiert kleine Erfolge. Als den beiden Band-Mitgliedern Brian May (Gwilym Lee) und Roger Taylor (Ben Hardy) der Leadsänger davon läuft, stehen die beiden vor einer Sinnkrise. Dies ändert sich schlagartig, als sie auf den unscheinbaren Farrokh Bulsara (Rami Malek) treffen, der sie überzeugt, ihn als Sänger einzusetzen. Der Bassist John Deacon (Joseph Mazzello) komplettiert schließlich die Gruppe und durch die fruchtbare Zusammenarbeit und Bulsaras, der sich bald den Namen Freddie Mercury gibt, extrovertierte Performance und musikalische Integrität, werden sie schon bald, unter dem Namen QUEEN, zu weltweit populären Rockstars. Doch der Erfolg bringt auch seine Schattenseiten zum Vorschein.

Was habe ich mich auf diesen Film gefreut! Schon früh kam ich, durch meinen Vater, in Berührung mit der Musik QUEENs und noch heute wippe ich energetisch mit, wenn eine ihrer Hymnen im Radio läuft. Umso kribbeliger war ich, als ich in die Pressevorführung zu „Bohemian Rhapsody“ gehen durfte. Und WOW, was für ein Ritt. Das Biopic erweist sich als Pflichtlektüre für Fans und Musikbegeisterte und sollte wohl jeden abholen, der etwas für gute Songs übrig hat, denn man könnte den Film auch als ein BEST OF bezeichnen. Aber der Reihe nach!

„Bohemian Rhapsody“ macht keine großen Experimente, sondern erzählt geradlinig die Geschichte der Musiker, insbesondere Mercury nach. Dabei bedienen sich die Drehbuchautoren Anthony McCarten und Peter Morgan beim Baukasten für Biopics, denn der Film ist doch sehr konventionell erzählt. Mit Aufnahmen des Tages von Live-Aid im Jahre 1985 beginnt der Film, mit dem er schließlich auch endet. Dazwischen arbeitet die Story sämtliche wichtigen Stationen hab und verbreitet dabei einfach gute Laune, bevor dann der emotionale Breakdown kommt, bei dem es natürlich etwas dramatisch wird. Ich möchte das überhaupt nicht kritisieren, denn „Bohemian Rhapsody“ ist offensichtlich als kommerzielles Produkt konzipiert, weswegen alles recht einfach gehalten wird. Die angesprochene Konventionalität ist kein Problem, wenn man das Geschehen mit Leben füllen kann, und genau das gelingt den Autoren ganz ausgezeichnet. Der Film versprüht zu jeder Sekunde eine wahnsinnige Energie, die sofort ansteckend wirkt. Die Dialoge sind natürlich und wirken nicht übermäßig konstruiert, versprühen dabei auch immer ein Quäntchen Humor. Das größte Plus des Films, sind jedoch die Darsteller. Rami Malek, der vor Allem aus der Serie „Mr. Robot“ bekannt sein dürfte, stiehlt als strahlender Freddie Mercury der restlichen Besetzung die Show. Malek meistert das Kunststück und spielt diese schwierige Rolle wirklich authentisch und lebensnah. Zwischenzeitlich waren auch Darsteller für wie Sasha Baron Cohen und Ben Whishaw für die Rolle angedacht, doch nach Sichtung kann man sich wohl niemand anderen als Malek vorstellen. Für seinen Auftritt musste der Schauspieler sogar lernen, mit einer Zahnprothese zu sprechen, um Mercurys Antlitz so echt wie möglich darzustellen. Seine Performance sorgt für Gänsehaut und schon im Opening des Films, in dem Malek nur von Hinten zu sehen ist, wie er Richtung Bühne läuft, sind seine Bewegungen so auf dem Punkt, dass man meinen könnte, der berühmte Sänger sei leibhaftig auferstanden, um sich selbst zu spielen. Auch die restliche Besetzung leistet großartige Arbeit. Gwilym Lee brilliert als Brian May und auch Lucy Boynton, eine der sehr wenigen Frauenfiguren im Film, macht einen glänzenden Job als Freddies Frau und Muse. Auch Komiker Mike Myers, den man auf den ersten Blick gar nicht erkennt, hat ein paar sehr schöne Momente.

Allerdings stolpert der Film auch zeitweise über seine eigene Konventionalität. Interessant wird es nämlich, als man sich dem Verfall Freddies widmet. Einem ausgelaugten Mann, der seine Homosexualität versteckt, dem immer mehr werdenden Drogenkonsum verfällt und schließlich an AIDS erkrankt und sich in den berühmten München-Jahren von seinen Bandkollegen entfremdet. Diese Elemente behandelt der Film leider etwas zu stiefmütterlich. Mercurys ausschweifender Lebensstil wird nur angerissen oder angedeutet, aber nie taucht man als Zuschauer wirklich ein. Vielleicht wollte man das Andenken an eine solche Musik-Größe nicht in Mitleidenschaft ziehen, jedoch wirkt es doch sehr kalkuliert, dass man sich nicht tiefschürfender mit den dunklen Zeiten beschäftigt. An diesen Stellen wirkt „Bohemian Rhapsody“ sehr glatt gebügelt, um die breite Masse mit einem tollen Musikfilm zu bedienen und nicht mit einem emotionalen Charakterdrama.

Auch inszenatorisch scheut sich der Film vor Experimenten und unkonventionellen Wegen, was vielleicht auch am Zwist hinter den Kulissen lag. Der ursprüngliche Regisseur Bryan Singer verließ das Projekt drei Wochen vor Drehschluss und wurde schließlich durch Dexter Fletcher ersetzt, der den Film beendete. Vom Wechsel merkt man nicht viel, jedoch merkt man Singers Stil für konventionelle Unterhaltung sehr stark. Trotzdem ist „Bohemian Rhapsody“ sehr hochwertig gefilmt und großartig ausgestattet. Man bewies hier viel Liebe zum Detail und lässt das Zeitgefühl der 70er und 80er Jahre großartig aufleben. Prunkstück ist sicherlich das nachgestellte Live-Aid Konzert zum Schluss, welches nicht nur abblendet, sondern in Gänze gezeigt wird. Hier entfaltet der Film einen unwahrscheinlich großen Impact, der direkt auf die Zuschauer übergeht und sogar einer Besucherin in der Pressevorführung Tränen in die Augen trieb. Großartig. Allerdings werden die späteren Jahre mit klassischen Texttafeln eingeblendet und Mercurys Leiden wird lediglich kurz ab gefrühstückt. Aber ich kann es verstehen, denn immerhin soll so eine Hommage auf einem Höhepunkt enden und das ist den Machern definitiv gelungen.

Über die Musik brauch man sich gar nicht zu unterhalten. In „Bohemian Rhapsody“ finden sich alle großen Hits der Band wieder aber auch ein paar eher unbekanntere Werke wurden eingestreut. Die Studio-Szenen sind dabei mit die stärksten Momente des Films. Hier ist Mitsingen und Mitwippen angesagt!

Fazit:
Mit „Bohemian Rhapsody“ ehrt das Kino eine der wohl größten Bands aller Zeiten. Ein unglaublich stimmungsvolles Biopic, das zwar arg konventionell, teilweise auch etwas glatt daherkommt, jedoch Fans eine tolle Zeit im Kino verschafft, die durch eine tolle Ausstattung, großartige Schauspieler und fantastische Musik geprägt wird. Auch wenn ein paar mehr Ecken und Kanten dem Film gut getan hätten, sehenswert ist dieses Fest allemal!

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