Agatha Christie’s Das krumme Haus (2017) – ab 29. November im Kino!

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Die Zuschauer sind wieder herzlich zum miträtseln eingeladen, denn mit „Das krumme Haus“ (2017) startet eine neue Agatha Christie-Verfilmung in den Kinos, die alle nötigen Zutaten für fesselnde Krimi-Unterhaltung bereithält. Ich durfte eine der Pressevorführungen besuchen und verrate euch, ob sich das Ticket lohnt!

Originaltitel: Agatha Christies Crooked House

Drehbuch: Julian Fellowes, Tim Rose Price & Gilles Paquet-Brenner, nach dem gleichnamigen Roman von Agatha Christie
Regie: Gilles Paquet-Brenner

Darsteller: Max Irons, Stefanie Martini, Glenn Close, Julian Sands, Gillian Anderson, Terence Stamp, Christina Hendricks…

Artikel von Christopher Feldmann

Agatha Christie scheint wieder groß in Mode zu sein. Die populäre Autorin gehört zu der Sorte Schriftsteller, deren Werke zu Hauf verfilmt wurden, Manche auch mehrmals. 2017 verbuchte Kenneth Branaghs Neuauflage von „Mord im Orient-Express“ einen großen Erfolg, sodass weitere Geschichten um den belgischen Detektiv Hercule Poirot geplant sind. Auch ältere Adaptionen bekannter Romane werden in schöner Regelmäßigkeit auf dem Heimkinomarkt neu veröffentlicht. Die Geschichten von Agatha Christie begeistern die Zuschauer seit jeher, denn klassische „Wer ist der Mörder“-Storys funktionieren auch heute noch und haben wenig Reiz eingebüßt. „Das krumme Haus“ (2017) stellt dabei ein kleines Novum dar, denn die gleichnamige Vorlage aus dem Jahr 1949, hat es bisher noch nie ins filmische Medium geschafft, weshalb die Produktion auch die absolute Erstverfilmung darstellt. Dabei kommen lediglich die deutschen Zuschauer in den Kinogenuss, denn in Groß-Britannien wurde „Das krumme Haus“ für das Fernsehen ausgewertet. So können wir uns hierzulande zumindest die Wartezeit zu Branaghs „Tod auf dem Nil“ (2019) verkürzen und wieder klassisch britisches Flair im Kino verspüren, denn der Film ist ein schöner Kriminalfilm geworden, der aber leider auch an einigen Stellen Mängel aufweist.

Handlung:
London in den 1950er Jahren: Der Privatdetektiv Charles Hayward (Max Irons) bekommt überraschend Besuch von Sophia Leonides (Stefanie Martini), die Enkeltochter des reichen Tycoons Aristide Leonides (Gino Picciano). Sophia beauftragt den jungen Detektiv mit der Untersuchung dessen Todes, denn entgegen allen anderen Familienangehörigen, glaubt die junge Sophia an einen Mord und der Täter muss sich ebenfalls unter der Sippschaft im altehrwürdigen Familiensitz außerhalb Londons befinden. Das Charles und Sophia vor einiger Zeit in Kairo eine Affäre hatten und der Ermittler immer noch Gefühle für die attraktive Dame hegt, stellt noch das geringste Problem dar, denn im Anwesen der Leonides trifft er auf eine von Habgier und Missgunst zerfressene Familie, von denen jeder etwas zu verbergen scheint und wenig Wert auf Kooperation legt.

Das Drehbuch stammt bei „Das krumme Haus“ vom Regisseur selbst, Tim Rose Price und Julian Fellowes. Während Price eine eher bescheidene Karriere als Autor vorzuweisen hat, schrieb Fellowes immerhin für die erfolgreiche TV-Serie „Downton Abbey“. Das spürt man auch durchweg im Film, denn auch hier geht es primär um eine gut betuchte Familie in England, angereichert mit den, für Agatha Christie, typischen Mystery-Elementen. Was man sagen kann ist, dass der Roman hier recht sklavisch adaptiert wurde. Die Story folgt genau den einzelnen Beats der Vorlage, was gut ist, denn es hat Krimis noch nie sonderlich gut getan, sich vom originalen Stoff zu entfernen. Allerdings fallen die Dialoge in einigen Szenen etwas negativ ins Gewicht und wirken teilweise sehr gestelzt, getreu dem Motto „Hallo, wir sind die 50s!“. Die Story entfaltet sich relativ gut und alle Figuren bekommen ihre Momente zugeschrieben. Allerdings lässt die Handlung Höhen vermissen und stützt sich sehr auf die Figuren und ihre Beziehungen zueinander. So werden im Laufe des Films immer wieder einzelne Techtelmechtel oder Auseinandersetzungen in der Familie aufgedeckt, die aber weit weniger überraschend sind und den Motor für weitere Ereignisse nicht wirklich beschleunigen. Man muss schon ein Faible für diese Art von Krimi haben, um als Zuschauer auf seine Kosten zu kommen. Die Figuren sind wie immer halbseiden, haben etwas zu verbergen und verstricken sich oft in widersprüchlichen Aussagen. Das gehört natürlich zu einer Christie-Verfilmung wie der Senf zur Bratwurst und kann nicht wirklich als Klischee oder Kritikpunkt erhoben werden. So sind nun mal Agatha Christie-Geschichten, wer diese nicht mag, sollte sich auch nicht einen Film wie „Das krumme Haus“ ansehen.

Wieder einmal hochkarätig ist die Besetzung. Schon früher gelang es den jeweiligen Produzenten ein großes Ensemble aufzufahren, was auch auf der Hand liegt, handelt es sich bei den Verfilmungen doch schon immer um Schauspielkino, welches zu mindestens 50% von den Darstellern getragen wird. Auch „Das krumme Haus“ hat einige große Namen zu bieten, von denen Glenn Close wohl die beste Leistung abliefert. Ihre Figur der Lady Edith bleibt bis zum Schluss undurchsichtig und mysteriös, was von Close hervorragend gespielt wird. Ebenfalls wunderbar skurril ist Gillian Anderson als, etwas dem Alkohol zugeneigte, Schauspielerin, die mit ihrem snobistischen Spiel für manche Schmunzler sorgt. Terence Stamp hat als Inspektor etwas wenig zu tun und kann kaum Akzente setzten, denn die Hauptarbeit übernimmt Max Irons, Sohn von Hollywoodstar Jeremy Irons. Allerdings erreicht der Sohnemann nie die Klasse seines Vaters, sondern wirkt eher hölzern und uncharismatisch. Schade, denn diese Kriterien müsste ein Hauptdarsteller in einem Film wie Diesem erfüllen, denn somit verliert man immer wieder das Interesse, da Max Irons den Ausdruck eines Zäpfchens besitzt. Hier hätte ich mir einen Darsteller wie David Suchet als Hercule Poirot gewünscht, der das Geschehen um mindestens 50% aufgewertet hätte. Ansonsten ist die Bestzung recht gut und bietet noch solide Performances von Julian Sands oder Christina Hendricks. Regisseur Gilles Paquet-Brenner inszeniert seinen Krimi derweil hochwertig. Die Aufnahmen innerhalb des Anwesens sind ein Genuss und die Ausstattung erste Sahne. Auch die Ausleuchtung der Nachtszenen ist äußerst gelungen, was schöne Bilder zur Folge hat. Die ganze Inszenierung hat einfach Stil, im besten Sinne. Sie trösten darüber hinweg, dass man als Krimi-Fan und Christie-Anhänger den Twist doch kommen sehen könnte aber das müsste man auch der Vorlage zuschreiben. Für einen Fernsehfilm auf jeden Fall äußerst hochwertig.

Fazit:
Die neuste Agatha Christie-Adaption ist wieder stilvolles Krimi-Kino für das eher gemäßigte Publikum. Eine schöne Inszenierung und ein, bis auf ein paar leider gravierende Ausnahmen, guter Cast sorgen wieder für charmantes Rätselraten. Zwar nicht der beste Krimi nach einer Vorlage der berühmten Autorin, dennoch durchaus sehenswert. Aber wer ist denn jetzt der Mörder? Wer es wissen will, muss eine Kino-Karte lösen!

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