Lieber Diktator (2017) – ab sofort als DVD und VOD erhältlich!

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Wenn ein Film mit knapp zwei Jahren Verspätung hierzulande direkt auf DVD ausgewertet wird, ist das nicht unbedingt ein Gütesiegel für hohe Qualität. Im Falle von LIEBER DIKTATOR (2017) hat NEW KSM sich zudem eine Veröffentlichung auf Blu-Ray ebenfalls gespart. Ob die Komödie, die mit Michael Caine, Odeya Rush, Katie Holmes und Seth Green immerhin eine nennenswerte Besetzung vorweisen kann, dennoch überzeugt oder zumindest unterhält, erfahrt ihr in unserer Kritik!

Originaltitel: Dear Dictator

Drehbuch & Regie: Lisa Addario, Joe Syracuse

Darsteller: Michael Caine, Odeya Rush, Katie Holmes, Seth Green, Jason Biggs…

Artikel von Christopher Feldmann

LIEBER DIKTATOR (2017), ein irgendwie doofer Titel, ist einer dieser Streifen, die lange in den Giftschränken der Verleiher vor sich hin modern, bis sich irgendjemand erbarmt, sie doch noch unter das Volk zu bringen. Ob das künstlerisch vertretbar ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, obwohl es diverse Beispiele gibt, über die man den Mantel des Schweigens legen könnte. Ganz traurig ist es dann, wenn sich diverse Kaliber der Schauspielkunst in diesen Streifen tummeln. Bruce Willis ist so ein Kandidat, denn er dreht seit Jahren, ohne sprichwörtlich mit der Wimper zu zucken, diverse DTV-Gurken. Auch ein Sylvester Stallone scheint neuerdings diesen Zweig für sich entdeckt zu haben. Neben den alten Action-Recken, sollte man sich vielleicht auch Gedanken um Michael Caine machen, denn der zweifache OSCAR-Preisträger scheint ebenfalls langsam Luft im gering budgetierten „Ich komme für drei Drehtage ans Set und kassiere eine Millionen US-Dollar pro Tag“-Gewerbe zu schnuppern. Anders kann man sich dessen Mitwirkung in dieser faden Komödie nicht erklären, die kaum nennenswertes zu bieten hat.

Handlung:
Tatiana Mills (Odeya Rush) fühlt sich von der Welt nicht verstanden und von ihrem Leben in einer Kleinstadt einfach nur angeödet. Dabei stellt sich der rebellische Teenager Allem entgegen, auch ihrer Mutter (Katie Holmes), die gerade ihre zweite Pubertät durchlebt. Um dem Alltagstrott und dem Schulstress zu entgehen, pflegt Tatiana eine Brieffreundschaft mit dem karibischen Diktator Anton Vincent (Michael Caine), der sie als einziger zu verstehen scheint. Als dieser jedoch im tobenden Bürgerkrieg gestürzt wird, steht er schon bald bei seiner Brieffreundin vor der Tür und bittet um Asyl. Dies bringt das komplizierte Leben von Tatiana noch weiter aus den Fugen!

Eigentlich ist die Prämisse gar nicht mal so schlecht und man könnte daraus eine wirklich bissige Komödie schustern, die auch genug Raum für Gesellschaftskritik bietet. Nur leider haben die Autoren die Möglichkeiten in keinster Weise erkannt und haben dem Zuschauer eine müde Ansammlung von Witzen vor die Nase gesetzt, die mich nur geringfügig zum Schmunzeln gebracht hat. Das liegt vor Allem an den fast nicht vorhandenen Gags, die LIEBER DIKTATOR auszeichnen. Wirklich etwas zu lachen gibt es hier kaum, da sich der Film lediglich an den allerletzten Klischees zeitgenössischer Teenager-Schmonzetten abarbeitet. Von den gutmütigen aber inkompetenten Lehrern, über die typischen Zicken in der eigenen Stufe, bis hin zu der verständnislosen Mutter. Der Streifen spart kein ausgelatschtes Element aus und hat auch nichts Neues hinzuzufügen. Einzig die Konfrontation zwischen der Teenagerin und dem Diktator birgt Potential für politisch unkorrekten Humor aber selbst in diesem Segment traut man sich hier schlicht und ergreifend gar Nichts. Dabei sei auch mal vergessen, dass die Story wirklich hanebüchen konstruiert wirkt und Logik öfters außer Acht gelassen wird aber man hat stets das Gefühl, dass hier doch mehr drin sein müsste, als das müde Geplänkel, dass uns der Film zum Besten gibt. Da ist eine Szene, in der Anton den Lehrer von Tatiana, den er für einen Spion hält, mit „Milkboarding“ Informationen entlocken will, noch das Highlight. Das Drehbuch hat auch sichtlich keinen Fokus, da man anscheinend nicht wusste, ob man jetzt dramatisch, sozialkritisch oder einfach nur lustig sein will. Und von Allem hat LIEBER DIKTATOR einfach zu wenig.

Eigentlich schade, denn die Besetzung kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn der Film nichts mit ihr anzufangen weiß. Michael Caine, der große britische Charakterdarsteller, war anscheinend nur für den Paycheck am Set, so müde und frei von irgendwelchen Ambitionen spielt er seinen Part herunter. Zudem passt er absolut nicht in die Rolle, denn Caine sieht nicht im Entferntesten wie ein karibischer Diktator aus, der britische Akzent verstärkt das auch umso mehr. Odeya Rush, die mir in GÄNSEHAUT (2015) sehr gut gefallen hat, gibt sich sichtlich Mühe, kann aber gegen ihre Klischeefigur wenig ausrichten. Katie Holmes ist für den nervigen Part zuständig, während Comedy-Star Seth Green als Zahnarzt mit Fußfetisch einen eher undankbaren Part hat. Dann hätten wir noch Jason Biggs im Angebot, unser Held aus den AMERICAN PIE-Filmen, dessen fünf Minuten Screentime kaum der Rede wert sind. Anscheinend war nach dem Casting nicht mehr viel Geld übrig, wirkt der Film doch ausgesprochen günstig. Das kann man vor Allem an den immer wieder verwendeten Sets erkennen, denn wirkliche Abwechslung findet man hier nicht. Und wenn die Message eines Films ist, dass man unliebsame Personen demütigen und stürzen muss, um sich selbst gut zu fühlen, dann hat das schon einen fiesen Beigeschmack.

NEW KSM hat sich einen Ruck gegeben und diesen Film auf DVD veröffentlicht, allerdings eine Blu-Ray gescheut. Anscheinend wollte man nicht mehr Geld als nötig investieren, verständlich. Immerhin gibt es, neben Trailer und Bildergalerie, ein Making-Of im Bonusmaterial.

Fazit:
LIEBER DIKTATOR (2017) ist eine vergessenswerte Komödie, die weder wirklich witzig, noch in irgendeiner Form wirklich relevant ist. Dazu eine verschenkte Besetzung, angeführt von einem lustlosen Michael Caine, der anscheinend Zeit totgeschlagen hat, bis Christopher Nolan wieder anruft. Es sei ihm verziehen, was nicht heißt, dass man sich diesen Film ansehen sollte, denn in diesen knapp 90 Minuten kann man besseres unternehmen!

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