Hörspiel Special – H.G. Francis‘ Gruselserie – 16 – Ungeheuer aus der Tiefe (1982)

Solltet Ihr Euren Sommerurlaub noch nicht geplant haben, so können wir eine Reise nach Jugoslawien empfehlen. Dort, auf einer kleinen Insel, deren Name allerdings unausgesprochen bleibt, vermietet das Ehepaar Bekavac ein paar traumhafte Ferienwohnungen. Hier lässt es sich genüsslich abends bei einem Glas Rotwein und einem gegrillten Steak aushalten. Und Nachtbaden ist auch möglich. Wenn da nur nicht dieses Giftmüllmonster wäre…

Cover der 1982er / 2000er Auflage (MC bzw. CD)

Regie: Heikedine Körting

Buch: H.G. Francis

Sprecher: Andreas von der Meden, Barbara Fenner, Susanne Beck, Gernot Endemann, Rebecca Völz, Michael Harck, Joachim Wolff, Pia Werfel (als Pea Werfel), Peter Lakenmacher, Wolfgang Völz, Günther Ungeheuer

Klappentext:

Überall auf der Welt wird Atommüll in den Ozeanen versenkt. Offenbar glaubt man, daß er in der Tiefe keinen Schaden anrichten kann. Doch auch auf dem tiefsten Grund der Meere gibt es Leben. Es verändert sich unter dem Einfluß der Strahlung, und wenn es an die Oberfläche drängt, verbreitet es Angst, Tod und Schrecken …

Artikel von Christian Jürs

Mit UNGEHEUER AUS DER TIEFE, der Nummer 16 aus der Neon Gruselserie, sind wir in der dritten und (leider) letzten Staffel der Reihe angekommen, die (ebenfalls leider) nur läppische drei Folgen beinhaltet. Zum Auftakt greift dann Gruseltrashpapst H.G. Francis in die Vollen und lässt dem Ökohorror der Siebziger und frühen Achtziger seinen freien Lauf.

Pia Werfel

Julia (Pia Werfel) und ihr Freund Peer (Peter Lakenmacher) sind entsetzt. Von ihrer Segelyacht aus beobachten sie, wie von einem Schiff aus Giftmüll ins Mittelmeer geschüttet wird. Sofort hat Peer seine Sofortbildkamera zur Hand, die gar nicht wie eine klingt und erstaunlich viele Fotos auf einmal schießen kann (man hört deutlich den Mehrfachauslöser). Als plötzlich das Wasser grün zu leuchten beginnt, vermutet Julia sofort einen Hai (da die ja immer so schön grün leuchten). Doch es handelt sich nicht um einen herkömmlichen Meeresbewohner, sondern um titelgebendes Monster, welches unter lautem Brüllen kurzen Prozess mit unserem Pärchen macht. Jedoch nicht, ohne dass Peer noch schnell ein finales Foto von dem Ungetüm geschossen hat.

Szenen- und Stimmungswechsel. Eine ausgelassene Partygesellschaft, bestehend aus drei Pärchen (Karl & Ella / Arno & Inge / Ulf & Karin), lässt sich von einem Skipper (Wolfgang Völz) auf eine kleine Insel befördern, auf der lediglich zwei kleine Ferienhäuser laut Erzähler Ungeheuer stehen (und wohl auch die Behausung des vermietenden Ehepaares Bekavac, welches ebenfalls auf der Insel lebt und dies bestimmt nicht unter freiem Himmel macht). Kurz vor ihrem Ziel entdecken die fröhlichen Urlauber das eingangs entstandene Schiffswrack samt Sofortbildkamera, welche sie sofort an sich nehmen. Trotz des Unglücks lässt man sich die gute Laune und Partystimmung nicht davon vermiesen. Lediglich Ulf (Gernot Endemann) ahnt, dass hier etwas schreckliches geschehen ist.

Andreas von der Meden

Auf der Insel angekommen, versammelt man sich abends zum gemütlichen Beisammensein bei Rotwein und Steak. Halt so, wie man sich den abendlichen Ausklang eines gemeinsamen Inselurlaubs vorstellt. Dass plötzlich einer der Tische wie aus heiterem Himmel zusammenbricht, stört eigentlich niemanden. Doch der aufmerksame Zuhörer ahnt…das war das Monster. Irgendwann erinnert man sich an die Kamera und wird neugierig. Auf dem einzigen Bild (war ja klar), welches Arno (Andreas von der Meden) sogleich entwickelt, befindet sich ein Abbild des schrecklichen Atommüllmonsters, welches jedoch als Spezialeffekt belächelt wird….obwohl das Schiff ein Trümmerhaufen ist.

Was es sonst noch kann, erfahren wir nur wenige Augenblicke später, wenn Karin (Rebecca Völz) plötzlich auf den Trichter kommt, nachts schwimmen zu gehen. Zwar wundern sich die Freunde über diese Entscheidung, doch schlußendlich lässt man sie ziehen (“Ich schwimme gern nachts!”). Man ahnt, dass Rebeccas Rolle somit nur geringfügig größer ausfällt als die von Papa Wolfgang.

Rebecca Völz

Kaum ist sie weg, fällt unserer Truppe auf, dass die Grillen nicht mehr zirpen und Karin nicht wieder kommt (naja, sie ist ja auch erst ein paar Sekunden weg) und begibt sich auf die Suche (“Da ist was passiert!” – Arno), die selbstverständlich erfolglos bleibt. Der sensilble Ulf, der zudem Karins Partner ist, erlebt eine nervliche Belastungsprobe. Doch plötzlich wandelt sich seine Stimmung, als er mit lauter, monotoner Stimme ein “Schweigt! Hört mich an!” ausruft. Denn jetzt spricht das Monster aus dem jungen Mann. Die aus Giftmüll entstandene Mischung aus Krake und Fisch hat nämlich nicht nur mordsappetit auf Menschenfleisch (warum dem so ist, wird nicht erklärt), das Biest kann auch noch die Gedanken der in der Nähe befindlichen Menschen manipulieren. Erstaunlich, was aus radioaktivem Abfall so alles entstehen kann.

Die ganze Story ist unglaublich hanebüchen. Ein radioaktives Monster, welches sich von (ganzen) Menschen ernährt, über telepathische Fähigkeiten verfügt und sich schleimend wie eine Schnecke auch an Land bewegen kann. Da gibt es Sofortbildkameras mit Mehrfachauslöser, die wie erwähnt dann trotzdem nur ein Bild schießen, da wird ein Richard angesprochen, den es gar nicht gibt und die Art, wie dem Monster zu Leibe gerückt wird, ist auch unglaublich schwachsinnig, Ach ja, Nebel scheint das Monster auch erzeugen zu können. Vielleicht muss es von dem vielen Menschenfleisch aber auch einfach nur ganz viel furzen und das sind die Ausdünstungen. Nein, einen Drehbuchoscar gibt es hierfür nicht.

Joachim Wolff

Doch trotz, oder vielleicht auch gerade wegen, des enormen Trashfaktors gehört DAS UNGEHEUER AUS DER TIEFE für mich ganz klar zu den besseren Folgen, die immer mal wieder im Player landet. Das Monster klingt wunderbar bedrohlich und brüllt nicht mit den handelsüblichen Mottenkistensoundeffekten vieler anderer Folgen. Hinzu kommt, dass ich Monstertrashfilme liebe und ich nach Genuss des Hörspiels mal wieder Lust auf den Film DAS GRAUEN AUS DER TIEFE bekommen habe. Es sind aber vor allem die durchweg sympathischen und hochprofessionellen Sprecher, die diesem Hörspiel echtes Leben einhauchen. Während man mit Endemann leidet, kommt von der Meden saucool mit leichter Schnodderschnauze rüber (“Na klar, Papa kann alles.”). Alle Sprecher sind super, durch die Bank weg. Mein Star ist jedoch Joachim Wolff, der mit putzigem jugoslawischem Akzent den herzensguten Herrn Bekavac spricht (“Das Ungeheuer aus der Tiefe hat ihn getetet!”) , was richtig Spaß bereitet beim Zuhören. Der Mann veredelte auch etliche frühe DREI FRAGEZEICHEN und TKKG Folgen (Doktor Paulig zum Beispiel).

Ich kann auch Folge 16 jedem Horrorfan ans Herz legen, auch wenn es diese Folge nicht in die Technoedition geschafft hat. Ich schließe mit dem wohl putzigsten und kaum aufgesetzten mit nur geringem, erhobenem Zeigefinger versehenen Anti-Umweltverschmutzungsdialog:

“Das Schiff ist öfter hier. Ich glaube, sie kippen Müll ins Meer.” – Herr Bekavac

“Müll? Was für einen Müll?” – Ella

“Was regst Du Dich auf Ella? Die können doch ins Meer kippen, was sie wollen.” – Arno

“Findest Du? Und wenn das radioaktiver Abfall ist?” – Ella

“Ach so, naja, dass wär allerdings nicht so gut.” – Arno

Damit wäre wohl alles gesagt. 🙂

 

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