Die Geiselnahme (2018) – Ab 22. Februar auf DVD und BluRay erhältlich!

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Wow… damit hatte ich nicht gerechnet. Regisseur Paul Weitz präsentiert mit „Die Geiselnahme“ ein Drama mit Starbesetzung, das nicht nur durch große Namen im Cast, sondern auch durch eine einfühlsam erzählte Geschichte punkten kann. Ab dem 22. Februar kann und sollte man sich diesen Film in die Sammlung stellen. Eine tolle Veröffentlichung aus dem Hause Universum Film.

Originaltitel: Bel Canto

Regie: Paul Weitz

Darsteller: Julianne Moore, Ken Watanabe, Sebastian Koch, Tenoch Huerta, Ryo Kase, Christopher Lambert, Maria Mercedes Coroy

Artikel von Victor Grytzka

„Universum hat einen neuen Film mit Lambert geschickt!“ So in etwa waren die Worte meines Kollegen Christian, als er mir den hier vorliegenden Film „aufs Auge drückte“. Da ich wohl der einzige Mensch bin, der kein Problem damit hat sich als Fan des Franzosen zu outen, war eine Sichtung natürlich Pflicht und Ehrensache für mich. Danke, Christian. Du hast mir da ein wirklich sehenswertes Stück Schauspiel unter geschoben.

Der Industrielle Mr. Hosokawa (Ken Watanabe) hat die Absicht in Südamerika eine Fabrik aufzubauen. Um die Regierung von seinem Unternehmen zu überzeugen richtet er eine große Veranstaltung aus, zu der neben allerlei hochrangiger Gäste aus Business und Politik auch die Opernsängerin Roxanne Coss (Julianne Moore) und der Präsident geladen sind. Doch eben dieser erscheint nicht, und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Eine Gruppe von Regierungsgegnern unter Führung von Colonel Benjamin (Tenoch Huerta) stürmt das Gebäude, und nimmt die Gemeinschaft als Geiseln. Als Verhandlungspartner schickt man den Rotkreuz-Mitarbeiter Messner (Sebastian Koch) an den Ort des Geschehens, um so eine friedliche Lösung herbei zu führen. Nachdem Frauen (bis auf Roxanne), Priester und Kranke frei gelassen wurden eskaliert die Situation und ein Mensch stirbt. Die Verhandlungen werden härter. Messner hat nun alle Hände voll zu tun und für die Gemeinschaft innerhalb des Gebäudes steht die wohl ungewöhnlichste Zeit ihres Lebens an.

Wenn ein Film keine Helden hat, dann ist das für mich immer schon mal ein guter Anfang. Bei so viel Starpotenzial wäre es schade gewesen, wenn auch nur einer der Darsteller zu einem Statisten verkommen wäre. Die Titel gebende Geiselnahme steht hier nicht so weit im Fokus, wie es der Titel vielleicht scheinen lässt. Viel mehr geht es hier um die Personen an sich, die über mehrere Wochen in einer angespannten Lage miteinander eingesperrt sind, und so als Gemeinschaft funktionieren müssen. Dabei schafft es der Film gekonnt die Protagonisten als homogene Masse darzustellen, in der jeder seinen Teil zu der Gesamtsituation beiträgt. Julianne Moore, die hier eine Opernsängerin mimt, übernimmt den Teil einer starken Frau die sich in dem Mikrokosmos der Gefangenen und der Rebellen als vernünftiger und rational denkender Ruhepol präsentiert, und versucht Zugang zu den Menschen in diesem Gebäude zu finden. Dabei baut sie eine starke Bindung zu Mr. Hosokawa auf, der ein großer Bewunderer ihrer Sangeskünste ist. Doch auch für die Geiselnehmer, insbesondere die junge Carmen (Maria Mercedes Coroy), hat sie immer ein offenes Ohr.

Denn in dem hier vorliegenden Film ist es so, dass die Geiselnehmer nicht als Feindbild deklariert werden, sondern im Grunde aus einer guten Sache heraus handeln, und eigentlich nur Gerechtigkeit gegenüber einer harten Regierung fordern. So fiel es mir auch nicht schwer deren Sichtweise zu verstehen, und auch Sympathien für die „andere Seite“ zu entwickeln. Weitere wichtige Charaktere sind der Dolmetscher Gen (Ryo Kase), der nicht nur als Übersetzer dient, sondern auch als Mentor für einzelne Protagonisten, da er ihnen diverse Sprachen beibringt und so die Kommunikation untereinander fördert. Insbesondere Carmen hat es ihm angetan, und auch diese Beiden schaffen es ihre Beziehung zu vertiefen. Christopher Lambert ist als Botschafter besetzt und man hat ihm doch ordentlich Screentime für seinen Charakter verschafft. Denn auch er bringt Qualitäten in die Gruppe, die für den reibungslosen Ablauf der Zweckgemeinschaft unabdinglich sind. Dies kommt besonders in einer Schlüsselszene zum tragen, in der Roxanne ein Lied anstimmt, während vor den Mauern des Anwesens Polizei und Spezialeinheiten versuchen Druck aufzubauen.

Allzu viel kann und werde ich aber nicht verraten, da „Die Geiselnahme“ ein außergewöhnliches Filmerlebnis ist, und ich niemandem etwas vorweg nehmen möchte. Verraten darf ich dennoch warum der eher ruhige Ton des Films mich über die 100 Minuten Laufzeit getragen hat. Identifikationsfiguren. Durch die Darstellung und die Erzählweise taucht man unglaublich tief in die Charaktere, deren Motive und deren Persönlichkeiten ein. Eine gewisse Verbundenheit baut sich auf, so dass ich zeitweise vergessen hatte dass ich einen Film schaue, und mir mehr wie ein stiller Beobachter vorkam, der einen tiefen Einblick in die Leben der Protagonisten bekam. In diesem Film wächst etwas, etwas starkes. Deshalb traf mich das Finale wie ein Schlag in die Magengrube. Emotional packend, schockierend, aufwühlend. Fassungslos saß ich da und hatte mit einem Kloß im Hals zu kämpfen. Und da wusste ich es – dieser Film MUSS von möglichst vielen Leuten gesehen werden!

Qualitativ gibt sich die BluRay einwandfrei. Bildschärfe, Tonabmischung (DTS-HD 5.1) und Synchro. Alles auf hohem Niveau. Als Extras gibt es Trailer und zwei Featurettes zum Film.

Gerne spreche ich hier eine definitive Kaufempfehlung aus. „Die Geiselnahme“ ist eine packende Charakterstudie mit Sinn und Verstand, die einmal mehr beweist, dass es auch dieser Tage noch anspruchsvolle Filme gibt. Allerdings kann ich mir die durchschnittliche Bewertung in der IMDb (5,3) nicht erklären. Waren die Rezensenten von der Umsetzung der Buchvorlage enttäuscht? Diese kenne ich allerdings nicht, und bin deshalb unvoreingenommen an das Werk heran gegangen. Womöglich hatten sich die Rezensenten aber auch einen anderen Film erhofft. Denn eine Sache muss ich klar sagen. „Die Geiselnahme“ ist keine leichte Unterhaltung, kein Action geladener Blockbuster und auch kein „Snack für zwischendurch“. Anspruchsvolles Kino, das ein gewisses Interesse an ruhig erzählten Filmen voraussetzt. Tolle Regiearbeit von Weitz, der in seiner Karriere eine ganze Latte an erfolgreichen Filmen gedreht und / oder produziert hat. Große Klasse! Danke, Universum Film!

Trailer:

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