Hörspiel Special – Die neue Gruselserie – 01 – Polterabend – Nacht des Entsetzens (2019) – SPOILERFREIE REVIEW!

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Was war das nicht für ein Aufschrei, der durch die Europa-Fangemeinde ging! Die Gruselserie ist zurück! Den Posten von H.G. Francis übernahm Andre Minninger, langjähriger Mitarbeiter im Hause Europa, und hauchte der Serie neues Leben ein. Schnell wurden Unkenrufe laut, dass dies ja nichts werden könne. Und nun ist sie da, die erste Episode! Ob es sich lohnt? Das erfahrt ihr im Artikel, natürlich SPOILERFREI!

Buch: André Minninger

Regie: Heikedine Körting

Musik: Jens-Peter Morgenstern, Betty George

Sprecher: Andreas Fröhlich, Heidi Schaffrath, Regina Lemnitz, Judy Winter, Rosemarie Wohlbauer, Katja Brügger, Michael Deffert, Kerstin Draeger, Madeleine Tusk, Sascha Draeger, Reinhilt Schneider

Klappentext:

Die letzten Stunden vor der kirchlichen Trauung halten für das Brautpaar Gudrun und Gerhard eine makabre Überraschung parat: Der Geist der verstorbenen Ehefrau des Bräutigams verwandelt die fröhliche Party in eine Apokalypse des Grauens…

Artikel von Victor Grytzka

Wir sind doch alle „Kinder“ der Gruselserie. Nicht nur dass wir damit aufgewachsen sind, auch im erwachsenen Alter mögen wir uns nicht von den Gruselgeschichten aus dem Hause „Europa“ lösen.  Lange hatten wir darauf gehofft, und nun ist es endlich soweit! Die Gruselserie bekommt eine offizielle Fortsetzung! Ein großes Erbe tritt man an, und die Frage ist doch ganz klar – kann das Gespann Minninger / Körting so überzeugen, dass man von einer würdigen Fortsetzung sprechen kann?

Eine anstehende Hochzeit ist doch eigentlich ein freudiges Ereignis. So sollte man annehmen. Doch für Gerhard (Andreas Fröhlich) und Gudrun (Heidi Schaffrath) wendet sich alles zum Bösen. Zwar scheint nach Ankunft von Gästen und Familie alles in Ordnung, doch schnell bekommt das befreundete paar Torben (Michael Deffert) und Verena (Katja Brügger) es mit seltsamen Ereignissen zu tun. Eine verschwundene Fliege ist da noch das geringste Übel. Ein ungemütlicher Poltergeist hat sich eingenistet, und niemand ist vor ihm sicher. Noch nicht einmal die Brautmutter samt bester Freundin (Regina Lemnitz / Judy Winter). Und was weiß Hausdame Johanna (Rosemarie Wohlbauer) über die Vorfälle?

Andre Minninger

Okay, okay… Spoilerfrei… spoooilerfrei… ich werde mich bemühen. Die wichtigste Frage zuerst? Reinfall oder gelungene Fortsetzung? Es wurden ja aus Fankreisen einige Bedenken laut. So traute man Minninger nicht zu, eine adäquate Geschichte, so wie es Francis damals tat, zu erzählen. Und da kann ich die Leute beruhigen. Der Polterabend fühlt sich genau so an, wie man es von einer Episode der Gruselserie erwartet. Locker beginnt die Szenerie, und steigert sich so langsam in eine waschechte Gruselgeschichte hinein, die in einem furiosen Finale endet.  Dabei sind alle Kernelemente einer klassischen Gruselfolge berücksichtigt worden. Einprägsame, teils überzeichnete Charaktere, ein stimmiges Setting, ein logischer (sofern in einer Gruselgeschichte möglich) Ablauf, Spannungsbögen, ein interessanter Aspekt (Twist) in der Geschichte, der nicht sofort offensichtlich ist und ein spannendes Finale. Fan-Herz, was willst du mehr? Diese Geschichte hätte bereits in den 1980ern funktioniert und der Reihe gut gestanden. Zeitweise erinnert sie sogar an eine frühe Folge der Neon-Reihe, und zwar an DAS SCHLOSS DES GRAUENS.

„Die Musik und die Effekte werden bestimmt doof!“. Wie oft musste ich das lesen? Und nein, die Musik ist nicht doof. Sie ist modern, aber wirkt dabei weder billig, noch aufgesetzt, sondern einfach stimmig! Über weite Strecken ist sie sogar ganz klar von den Klassikern inspiriert, so dass es schon fast eine Zeitreise war, diesen Tracks zu zu hören. Die akustische Untermalung, bezogen auf Atmosphäre und Stimmung, stehen dem in rein gar nichts nach. Das Echo der Schritte in den langen Hallen des Gebäudes, dumpfe und feuchte Kellergewölbe, ein krachendes Gewitter mit starkem Regenfall… hier wird die ganze Palette an Gruselklischees geboten, und sie funktioniert!

Heikedine Körting

Das Wichtigste an einem Gruselhörspiel sollte jedoch der Grusel sein. Denn was wäre, wenn das gesamte Ding zwar astrein produziert ist, aber dabei keine Stimmung aufkommt? Aber auch genau das funktioniert hier. Ich muss zugeben, dass ich mich bei Ersterscheinung des Poltergeistes sogar erschrocken habe. Dies war nicht nur dem Umstand geschuldet dass ich Kopfhörer trug, es war vielmehr der Moment, in dem ich mit so etwas nicht gerechnet hatte. Hier sei auch noch mal angemerkt, dass man sogar eine gewisse Härte in 1-2 Szenen spürt, die ein wenig den moderneren Ursprung des Hörspiels verraten. Denn so ganz ohne Opfer kommt auch ein Poltergeist nicht aus.

Ich könnte nun noch so viel erzählen, doch irgendwie kann / möchte ich es nicht. Denn ich habe ja versprochen, dass ich auf Spoiler verzichte. Loben darf ich allerdings den Cast, der hier aus dem „Who is Who“ der Sprecher-Riege besteht und (natürlich) überprofessionell daher kommt. Hier weiß ein jeder was er tut, und die Namen (siehe weiter oben) bedürfen sowieso keiner näheren Erläuterung. Mögen sie auch älter klingen, als es noch in den 80ern der Fall war, ich habe doch alle wiedererkannt und sofort wieder in mein Herz geschlossen, die Stimmen die mich durch Kindheit und Jugend begleitet haben.

Katja Brügger

Operation geglückt, der Patient lebt, atmet und ist wohlauf. Wenn diese Reihe das Qualitätsniveau der Einstiegsepisode halten kann, dann dürfen wir in 10 – 20 Jahren mit Stolz behaupten, dass die kultige Gruselserie einen eben so kultigen Nachfolger bekommen hat. Und über den berichten an dieser Stelle dann unsere Kinder, oder gar unsere Kindeskinder. Denn dann sind sie es, die mit einem Füllhorn nostalgischer Gefühle über die „gute alte Zeit“ schreiben.

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