Brightburn: Son of Darkness (2019) – jetzt im Kino!

1496total visits.

Was wäre wohl, wenn sich herausstellen würde, dass Clark Kent nicht der strahlend gute Superman ist, der mit seinen Kräften die Menschen vor dem Bösen schützt, sondern selbst ein Unheil bringender Psychopath? Dieser Frage geht der, von GUARDIANS OF THE GALAXY-Mastermind James Gunn produzierte, Horrorfilm BRIGHTBURN – SON OF DARKNESS (2019) auf den Grund. Ob der Film dabei für kalten Schauer auf dem Rücken sorgt, oder doch nur für ein müdes Schulterzucken, erfahrt ihr in unserer Kritik zum Kinostart!

Originaltitel: Brightburn

Drehbuch: Brian Gunn, Mark Gunn
Regie: David Yarovesky

Darsteller: Elizabeth Banks, David Denman, Jackson A. Dunn, Emmie Hunter, Meredith Hagner, Matt Jones…

Artikel von Christopher Feldmann

Dass Superheldenfilme immer noch zu den profitabelsten Geschäften am weltweiten Box-Office gehören, ist sicher kein Geheimnis. Immerhin kratzt der kürzlich erschienene AVENGERS: ENDGAME (2019) stark am Thron des erfolgreichsten Films aller Zeiten. Auch andere Heldenfiguren aus bekannten Comics locken weiterhin ein Millionenpublikum in die Lichtspielhäuser. Da kommt ein erfrischendes Konzept wie das von BRIGHTBURN gerade richtig, um das Genre mal aus einem etwas anderen Blickwinkel zu betrachten. Der Film von Regie-Newcomer David Yarovesky beschäftigt sich nämlich mit einem, mit Superkräften ausgestatteten, Kind, dass so gar keine guten Absichten hat. Produziert wurde das Ganze von James Gunn, der zwar im Moment (wieder) für den Giganten MARVEL arbeitet aber bereits 2010 mit SUPER eine bitterböse Groteske auf das Genre abgeliefert hat. Zwar verkneift sich BRIGHTBURN jeglichen schwarzen Humor und satirische Kommentare, dafür bekommt der Zuschauer einen handfesten kleinen Superhelden-Slasher geboten, der ein paar schön fiese Momente zu bieten hat, auch wenn er nicht wirklich so originell ist, wie die Prämisse vermuten hat lassen.

Inhalt:
Das Farmerpaar Tori (Elizabeth Banks) und Kyle Breyer (David Denman) haben aufgegeben, ein leibliches Kind zu zeugen. Doch jemand scheint es gut mit ihnen zu meinen, denn als eine Art Komet auf dem Grundstück der Eheleute einschlägt, finden sie darin ein menschlich aussehendes Baby. Die Beiden beschließen den Vorfall zu verheimlichen, das kometenhafte Gebilde zu verstecken und das Baby, welches sie Brandon nennen, als ihr eigenes Adoptivkind großzuziehen. Zwölf Jahre später scheint der wohlbehütete Junge (Jackson A. Dunn) zunehmend Verhaltensstörungen an den Tag zu legen. Er beginnt Stimmen zu hören, die ihm befehlen, die Welt an sich zu reißen. Als es im Umfeld der Breyers zu merkwürdigen Todesfällen kommt, ahnt noch niemand, dass sich hinter dem Jungen etwas unfassbar Böses verbirgt.

BRIGHTBURN beginnt wie ein Remake der klassischen Superman-Geschichte. Ein Pärchen vom Land findet ein Baby, welches aus einer anderen Welt zu stammen scheint, nur das sie es statt Clark eben Brandon nennen. Schnell entdeckt der Racker mit zwölf Jahren, dass er Kräfte besitzt, die die Grenzen der Norm übersteigen. Als er nämlich den Rasen mähen soll, zieht er so fest am Anlasser, dass der Rasenmäher gute hundert Meter weit durch die Luft fliegt. Eigentlich alles in Butter, bis wir feststellen, dass Brandon kein lieber Junge ist, sondern ein „Mensch“ mit durchaus psychopathischen Tendenzen. Statt seiner Angebeteten Liebesbriefe zu schreiben, stalkt er sie und bricht ihr sogar das Handgelenk. Ab dieser Stelle schlägt BRIGHTBURN eine andere Richtung ein, die Coming-of-Age Geschichte wird zum Horrorfilm, ja eigentlich zum fiesen Slasher, denn nach und nach geht es Menschen an, und auch Tieren, an den Kragen, die dem gruseligen Kind im Weg stehen.

Ich habe mich auf den Film gefreut, da mich die Idee um einen „Evil Superman“ wirklich gereizt hat. Und ja, der Film hält was er verspricht und macht erstaunlich wenig Gefangene. Allerdings hat BRIGHTBURN, oder viel mehr das Drehbuch der Gunn-Brüder Mark und Brian, der Prämisse keine weitere Ebene hinzuzufügen. Es scheint, als würde man sich ganz auf die Basis verlassen, denn der Film bietet abseits dessen Standard-Ware aus der Horror-Kiste, wie man sie in unzähligen Slascher-Flicks der 1980er bereits gesehen hat. Sobald für den Zuschauer erstmal die Verhältnisse geklärt sind, arbeitet sich die Story an den üblichen Horrortropen ab, von Stalkerszenen über Splatter-Momente hin zum actionreichen Finale. Dazwischen wird immer ein bisschen Familendrama platziert, um den Fokus auch etwas auf den Charakteren zu halten.

Diese sind jedoch etwas austauschbar gezeichnet. Während Nebenfiguren nur als Kanonenfutter für den Psycho-Superman dienen, bleibt auch dieser relativ unterfordert und blass. Hier wäre etwas mehr Tiefgang wünschenswert gewesen, vor allem weil Darsteller Jackson A. Dunn jetzt nicht sonderlich viel mimisches Geschick mitbringt. Einzig Elizabeth Banks macht einen sehr guten Job als gewissenhafte Mutter, die irgendwann zwischen den Fronten steht. Ihre Figur ist auch als einzige mit guten Momenten gesegnet. Ansonsten werden viele Klischees abgefeuert, auch wenn diese ihre Momente haben.

Regisseur David Yarovesky kreiert nämlich ein paar schöne Spannungsszenen, die gerne mal darüber hinwegtäuschen, dass hier nicht wirklich etwas Neues passiert. Dazu gehört besonders die Szene, in der Brandon seine eigene Tante bedrängt oder seine Angebetete stalkt. Gerade in diesen Momenten erzeugt BRIGHTBURN eine schöne Atmosphäre, die angenehm creepy ist. Und da der Film lediglich 85 Minuten lang ist, kommt das Geschehen schnell in die Gänge, ohne großartige Längen zu bieten, bevor der Streifen in den letzten 10-15 Minuten ans Eingemachte geht. Das ist mal erfrischend, da aktuelles Kinofutter gerne jenseits der zwei Stunden dauert. BRIGHTBURN ist kurz und knackig, und an manchen Stellen auch recht deftig. Hier wird das R-Rating konsequent ausgespielt, denn neben einem abgerissenen Unterkiefer und „gelasertem“ Kopf, bekommt der Gore-Liebhaber auch eine eklige Augenszene serviert, die an die Glanzzeiten eines Lucio Fulci erinnert. Bon Appetit!

Fazit:
BRIGHTBURN – SON OF DARKNESS (2019) ist weit weniger originell, als es die Prämisse hat vermuten lassen. Anstatt das Genre des Superheldenfilms intelligent zu brechen, hat man es in ein Korsett aus klassischen Slasher-Momenten gezwängt. Trotzdem hat dieses Korsett immer noch seine wunderbar fiesen Momente und trumpft mit ein paar schönen, derben Make-Up Effekten auf. Auch wenn das Drehbuch, gerade in Sachen Charaktere, etwas flach geraten ist, sorgt die kurze Laufzeit immerhin für einen angenehm fiesen kleinen Schocker, dem man sich gerne mal zu Gemüte führen kann. Im Kino auf keinen Fall ein Muss, später auf NETFLIX und Co. sicher sehenswert.

Christopher auf Letterboxd – Your Life in Film folgen

Zurück zur Startseite