New KSM bringt das gute alte Flair des wilden Westens in die heimischen Wohnzimmer, mit niemand geringerem als Prügel-Legende Terence Hill in der Hauptrolle. Dabei hat das Label noch ein weiteres Schmankerl im Angebot, nämlich erstmals die originale Langfassung von DOC WEST – NOBODY IST ZURÜCK (2009) in HD. Ob man hier zugreifen kann oder ob die Veröffentlichung nur ertwas für die eingefleischten Hill-Fans ist, erfahrt ihr in unserer Kritik!

Originaltitel: Doc West

Drehbuch: Marcello Olivieri, Luca Biglione, Marco Barboni
Regie: Giulio Base, Terence Hill

Darsteller: Terence Hill, Paul Sorvino, Clare Carey, Gisella Marengo, Alessio Di Clemente, Boots Southerland…

Artikel von Christopher Feldmann

Wenn jemand im deutschen Kino-Sektor einen ungebrochenen Kultstatus genießt, dann sind es definitiv Bud Spencer und Terence Hill, die ab dem Jahr 1967 zum erfolgreichsten Film-Duo Europas avancierten. Der erste Streifen, in dem beide in Hauptrollen zu sehen waren, war GOTT VERGIBT…DJANGO NIE! (1967). Es folgte eine lange, fruchtbare Zusammenarbeit, die aus den Beiden Kollegen Freunde werden ließ. Und noch heute können Viele die kultigen Sprüche aus den flapsigen Italo-Western und Prügelfilmen mitsprechen. Auch ohne seinen treuen Freund und Mitstreiter, erreichte Hill, der gebürtig Mario Girotti heißt, regelmäßig seine Fans. Erst im vergangenen Jahr präsentierte uns der Held mit den strahlend blauen Augen sein Alterswerk MEIN NAME IST SOMEBODY (2018), nun bringt New KSM mit den DOC WEST-Filmen zwei weitere späte Solo-Filme ins Heimkino. Dabei handelt es sich nicht um die deutsche HD-Premiere, welche schon vor ein paar Jahren unter dem Schirm von Tiberius stattfand, sondern um ein Re-Release. Da sich dies auch rechtfertigt, wirbt das Label mit der originalen Langfassung, die nun erstmals hierzulande käuflich erworben werden kann. Den Anfang macht nun DOC WEST – NOBODY IST ZURÜCK (2009), der meine Erwartungen leider weit mehr untergraben hat, als ich befürchtete.

Inhalt:
Der Revolverheld, Pokerspieler und ehemalige Arzt Doc West (Terence Hill) ist auf der Suche nach Banditen, die jene Poststelle überfallen haben, in der West gerade Geld eingezahlt hat. Die Spur führt in das kleine Städtchen Holy Sand, in dem gerade nicht nur ein heftiger Zwist zwischen zwei Familien tobt, sondern auch einige verdächtige Gestalten ihr Unwesen treiben. Die Suche nach den Banditen gestaltet sich dennoch schwierig, wird West doch prompt wegen angeblich falschen Spiels beim Pokern von Sheriff Baseheart (Paul Sorvino) verhaftet. Doch die beiden Männer freunden sich mit der Zeit an und beschließen, in Holy Sand für Frieden zu sorgen.

Eigentlich sollten die Herren Spencer & Hill einen ganz besonderen Platz auf unserer Seite bekommen, nämlich im hauseigenen Sommerspecial. Doch nach großer Ankündigung kam nicht viel, weshalb ich mich zumindest ein bisschen mit dem drahtigeren Part des Duos beschäftigen werde. Mit DOC WEST war Hill erstmals seit DIE TROUBLEMAKER (1994) wieder in einem Western zu sehen, diesmal allerdings nicht mehr für die große Leinwand produziert, sondern für das schnöde Fernsehen. Das sieht man dem Film leider auch in jeder Sekunde an, was aber nicht der einzige Grund ist, warum die Hommage an alte Zeiten leider ziemlicher Käse ist.

Terence Hill war auch einer meiner Helden in Kindheitstagen und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der schlagfertige Italiener mit Würde gealtert ist und auch heute noch ziemlich gut aussieht. Warum er sich dann allerdings hat hinreißen lassen, in einem so drögen und nicht wirklich gut gemachten Film wie DOC WEST mitzuwirken erschließt sich mir nicht wirklich. Erstmal sollte gesagt sein, dass der Western keinen Bezug zu MEIN NAME IST NOBODY (1973) hat, auch wenn uns der deutsche Titel das verkaufen möchte. Eigentlich will der Film mehr ein Best-Of für Terence Hill-Fans sein, in dem sich der Hauptdarsteller noch einmal an berühmten Trademarks versucht. Schnelle Schüsse, coole Poker-Tricks und den ein oder anderen netten Spruch auf den Lippen, Hill stellt viele Momente, die ihn berühmt gemacht haben, noch einmal nach, ohne dabei denselben Impact zu erzeugen, wie es in den 1970ern der Fall war. Es gibt einfach Dinge, die lassen sich nicht rekonstruieren, die sind einfach in ihrer Zeit verankert. DOC WEST ist das perfekte Beispiel für einen altbackenen Film, dem auch noch schwache Darsteller, ein lahmes Drehbuch und eine lausige Regie schaden.

Guilio Base und Terence Hill, der hier als Co-Regisseur gelistet ist, reihen altbekannte Western-Motive aneinander. Sei es das typische Saloon-Intermezzo, die schurkischen Grundbesitzer, die zwielichtigen Ganoven und die typische Revolverhelden-Romantik. Jedoch hat das Ganze so wenig Drive und ist so harmlos in Szene gesetzt, dass der Western-Fan vermutlich gelangweilt vor der Glotze sitzen dürfte. Augenscheinlich wurde der Film für ein Familienpublikum konzipiert und entsprechend bieder kommt das Ganze auch daher. Die Kulissen wirken günstig und die TV-Optik verleidet Liebhabern der staubig ruppigen Italo-Schinken den Filmgenuss. Auch die Actionszenen, wenn man sie denn als solche bezeichnen möchte, wirken arg bemüht und schlecht choreographiert. Das eine Faust am Gesicht vorbei schlägt, ist dabei keine Seltenheit. Momente, in denen es mal etwas turbulenter zugeht, sind indes rar gesät und wenn das Finale aus einer lahmen, wie auch albernen, Straßenkeilerei besteht, dann hat der Streifen so gar nichts eingelöst.

Das Drehbuch macht die Sache auch nicht besser, ist der Plot weitestgehend spannungsfrei und vorhersehbar und setzt zu oft auf unpassenden Humor. Dazu gesellen sich merklich schlechte Dialoge, die, gepaart mit den mäßigen Schauspielleistung, eher den Anschein machen, als sehe man hier ein Western-Special von Rosamunde Pilcher. Eigentlich geht es nur darum, dass unser Doctor West seine 70 Mäuse wieder zurückbekommt. Der Handlungsstrang um die gesuchten Banditen und die Feindschaft zweier Familien versandet komplett. Man fragt sich am Ende, was der Film eigentlich erzählen wollte

Terence Hill hat immer noch Charisma und bringt etwas Gravitas mit, dem miesen Skript kann er aber auch nicht entgegenwirken. Einzig das Zusammenspiel mit Paul Sorvino sorgt für ein paar amüsante Momente, funktioniert die Chemie zwischen den Beiden doch recht gut. Der Rest der Besetzung besteht aus glatt gebügelten Gesichtern, die im ZDF gut aufgehoben wären, was sicher kein Kompliment darstellt. Selbst die Musik von Maurizio De Angelis, ein Teil der berühmten OLIVER ONIONS, ist schlichtweg langweilig. Lediglich die Veröffentlichung aus dem Hause New KSM kann sich derweil sehen lassen. So bekommt man die Langfassung des Films geboten, garniert mit einer ordentlichen Synchronisation, in der unser geliebter Thomas Danneberg zu hören ist. Als Bonusmaterial bekommt man derweil ein Making-Of, ein Booklet, sowie zwei Fan-Karten spendiert, was ganz nett ist. Die Bild- und Tonqualität ist zudem auch gelungen und punktet mit einem scharfen Bild und einem dynamischen Sound.

Fazit:
Mit DOC WEST – NOBODY IST ZURÜCK (2009) reitet Kult-Star Terence Hill auf der Nostalgiewelle, wofür ich ja erstmal recht empfänglich bin. Abgeholt hat mich der TV-Western jedoch nicht, dafür ist der Streifen einfach zu lahmarschig inszeniert und bietet kaum Highlights. Dazu noch die Rosamunde Pilcher-Dialoge, bei denen sich mir die Nackenhaare aufstellen. Sorry, aber mit einem Klassiker ist man weitaus besser beraten!

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