Medienhuren Sommer – Der weiße Hai 3 (1983)

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Ich war gerade einmal acht Jahre alt, als die CINEMA über das 3D Ereignis schlechthin berichtete, welches kurz vor Weihnachten 1983 in den Bundesdeutschen Kinos startete. Da ich leider noch viel zu jung für den Erwerb einer Kinokarte von DER WEISSE HAI 3D war, musste ich auf die flache Heimkinopremiere warten. Ob sich diese Wartezeit gelohnt hat und wie die 3D Version auf Blu-ray ausschaut, klären wir in den folgenden Zeilen.

Originaltitel: Jaws 3-D

Regie: Joe Alves

Darsteller: Dennis Quaid, Bess Armstrong, Louis Gossett Jr., Simon MacCorkindale, Lea Thompson

Artikel von Christian Jürs

DAM DAM DAM DAM DAM DAM… wir alle kennen die vertraute Musik, mit der DER WEISSE HAI einst begann. John Williams schrieb Filmgeschichte mit seinem schlichten Horrorsound. Doch nach dem Start von DER WEISSE HAI 3 fangen dem Filmfan sofort die Ohren an zu bluten. Denn anstelle von Williams Kultmusik ertönt der neue Soundtrack von Komponist Alan Parker, welcher, samt akustischem Wasserblubbern, eher an Frezeitparkuntermalung, als an einen Horrorfilm erinnert. Tatsächlich hat dieser Wahn- einen Sinn, denn, wie wir in wenigen Sekunden erfahren werden, spielt die Handlung des zweiten Hai-Sequels tatsächlich in einem Freizeitpark, nämlich in Seaworld.

Doch zunächst betrachten wir wie gewohnt die Welt aus der Sicht des Hais. Während dieser im ersten Teil zu Beginn die arme Chrissie Watkins verspeiste und im Sequel gleich zwei Taucher auf einmal auf seiner Speisekarte standen, gibt es im dritten Teil, ganz im Sinne einer Steigerung….einen halben Fisch. Wtf? Dessen vordere Hälfte treibt nun vor den Augen des Publikums (wir haben hier einen 3D Film und das will man unmissverständlich klar machen). Das titelgebende JAWS 3 kommt dann auch in Kieferoptik sogleich auf den Zuschauer zugeflogen (3D, Baby) und bekam in der alten VHS Fassung ein lapidares HAI 3 als Untertitel verpasst.

Danach wird aufgetaucht und wir erblicken das Wasserballet von Seaworld. Doch der Hai hält sich zurück. Anscheinend war ein halber Fisch genug zum Frühstück. Dafür lernen wir kurz darauf unsere Hauptdarsteller kennen und treffen dabei auf einen alten Bekannten. Mike Brody (Dennis Quaid), der ältere Sohn von Chief Brody, ist der Hauptverantwortliche für die Arbeitsabläufe im Unterwasserpark von Calvin Bouchard (Louis Gossett Jr.). Dr. Kathryn Morgan (Bess Armstrong), die Freundin von Mike, arbeitet als Trainerin für Killerwale und Delphine, die so süße Namen wie Cyndi und Sandy tragen. Die Angestellten haben alle Hände voll zu tun, denn Seaworld steht kurz vor der großen Eröffnung.

Natürlich wird für diesen feierlichen Anlass auch die Prominenz geladen. Diese erscheint in Form des arroganten Tierjägers und -fotographen Phillip FitzRoyce (Simon MacCorkindale) mitsamt seines Assistenten Jack Tate (P.H. Moriarty), der einen schmucken Tom Selleck Gedächtnisschnauzer trägt. Auch Mikes Bruder Sean (John Putch) lässt sich dieses Ereignis nicht entgehen, obwohl er, wie einst sein Vater, nach den Ereignissen des Vorgängerfilms, an Aquaphobie leidet. Trotzdem lohnt sich der Besuch für ihn, da er an seinem ersten Abend in der nahegelegenen Kneipe die hübsche Wasserballetnixe Kelly Ann Bukowski (Lea Thompson) kennenlernt, der es sogar gelingt, den jungen Burschen seine Wasserscheue vergessen zu machen, um im Teich zu knutschen. Wer könnte es ihm verübeln? Höchstens George McFly.

Der Abend läuft allerdings nicht für jedermann so richtig rund. Neben zwei schlauchbootfahrenden Muschelschmugglern wird auch Seaworld-Mitarbeiter Shelby Overman (Harry Grant) bei einem abendlichen Tauchgang, bei dem er eines der Unterwassertore reparieren muss, zum Haifutter. Denn der weiße Hai gelangte durch eben dieses Tor in die unschuldige Welt von Seaworld. Immerhin bietet sein Tod Anlass für einen weiteren 3D Effekt in Form eines im Wasser treibenden Arms (sieht aber doof aus) .

Da Overman des öfteren „auf Tour“ ging und verschwand, wird er lediglich von seiner Freundin Liz (Liz Morris), die abends in der besagten Kneipe jobbt, vermisst. Einer Eröffnung des Parks steht also nichts im Wege. Doch dann geschieht es. Mike und Kathryn werden bei einem Routinetauchgang von einem weißen Hai angegriffen, der eigentlich nicht in die Anlage gehört. Dieser entpuppt sich als Jungtier, den Mr. FitzRoyce gerne, von der Kamera begleitet, vor die Flinte bekommen möchte. Doch Kathryn hat eine bessere Idee: Warum nicht lieber das Tier einfangen und in Seaworld großziehen? Ihr Boss, Clavin Bouchard, ist begeistert von der Idee und tatsächlich gelingt es, das Tier zu betäuben und in einem Becken zu pflegen.

Am Tag der Eröffnung wird dann der Fisch, ohne Absprache mit Dr. Morgan, dem Publikum präsentiert. Doch soviel Rummel verkraftet der kleine Hai (Dim Dim DimDimDim Dim) nicht und verendet vor dem zahlenden Publikum. Das macht seine Mami, die sich natürlich ebenfalls im Park befindet (hat irgendwer geglaubt, dass Shelby Overman und die zwei Taucher tatsächlich vom Babyhai gefressen wurde?), sauer und sie eröffnet die Jagd auf die Parkbesucher…

3D war in den frühen Achtzigerjahren, ebenso wie vor ungefähr 10 Jahren, der heiße Scheiß auf der Kinoleinwand. ALLES FLIEGT DIR UM DIE OHREN (1981), AMYTIVILLE 3D (1983), DER KILLERPARASIT (1982) und auch Kultkiller Jason in UND WIEDER IST FREITAG DER 13. (1982) beherrschten das Event Kino für einen kurzen Zeitraum. Dabei war man, im Gegensatz zu dem langweilig hochgerenderten Quatsch den man heute für jeden Blockbuster erstellt, damals auf den Pop-Out Effekt aus um das Publikum zu begeistern. Und so schwimmen hier und da mehr schlecht als recht reinkopierte U-Boote, Gliedmaßen oder auch ein albernes Haigebiss vor den Augen des Zuschauers umher. Die Rechnung der Produzenten ging dabei zunächst auch auf. Satte 13,4 Mio Dollar spülte das mit 20 Mio budgetierte Sequel am Startwochende zurück in die Kassen. Danach ebbte der Hype jedoch wieder ab  und so wurden es weltweit nur knapp 88 Mio Dollar Einspiel.

Doch woran lag das plötzliche Desinteresse am zweiten Sequel? Nun, das hat mehrere Gründe. So waren die Effekte beispielsweise eher als lachhaft zu bezeichnen und ein deutlicher Abstieg gegenüber den beiden Vorgängern. Schaut man sich das Bild direkt hier drüber an, sieht der Hai ein wenig wie ein Penis mit Vorhaut aus. Höhepunkt der mies reinkopierten 3D Effekte ist der Hai, der unbeweglich wie ein U-Boot gegen Ende auf die Kamera zuschwimmt. Ein schrecklich lachhafter Effekt, auch für 1983.

Doch nicht nur die miesen Effekte waren schuld an der Misere, die den Film aktuell mit 3,6 von 10 Punkten bei der IMDb wegkommen lässt. Verantwortlich war auch Regisseur Joe Alves, der zuvor als Second Unit Director bei den beiden Vorgängern tätig war und hier seinen Ein- und zugleich Ausstand als Regisseur feierte. Talent wird halt belohnt. Insbesondere das Finale, in dem (vorsicht Spoiler) Dennis Quaid den Hai erlegen darf, hat er mal so richtig in den Sand gesetzt. Während Roy Scheider in den beiden Vorgängern mit einem coolen Spruch auf den Lippen den Bösewicht erlegen durfte, bleibt Quaid stumm. Gut, eigentlich ist es verständlich, spielt die Szene doch unter Wasser. Aber der gefressene Taucher mit der Granate in der Hand, der aus dem Maul des Hais herausragt, war schon eine höchst alberne Nummer. Zumal der Hai eh jeden Moment an dem großen Brocken ersticken dürfte. Quaid honorierte den Film später in einem Interview, in dem er nach JAWS 3D gefragt wurde lapidar mit den Worten „I was in Jaws what??“.

Roy Scheider witterte den Braten und unterschrieb fix, um einer Anfrage nach einem erneuten Auftritt als Chief Brody zu entgehen, für den Actionreißer DAS FLIEGENDE AUGE. Definitiv die bessere Wahl. Dabei war die Idee, den Hai in einem Unterwasserfreizeitpark Amok zu laufen, gar nicht einmal schlecht (ein früheres Konzept sah vor, dass der Hai sich in einen kleinen See verirrt). Leider verstanden es die Drehbuchautoren (u.a. Carl Gottlieb, der auch an den beiden Vorgängern schrieb) und auch Regisseur Alves nicht, aus dieser Ausgangssituation etwas halbwegs Spannendes zu kreieren. Die Gäste des Parks geraten zwar bei einem müden Angriff im Selbststeuerbootbecken, bei dem lediglich Lea Thompson ein Happen aus dem Oberschenkel geknabbert wird, sowie bei einem Leck in einem der Unterwassertunnel, in Gefahr. Doch so wild ist auch die Nummer nicht. Das Wasser steigt zwar etwas mehr als Hüfthoch an, doch Suspense oder das Gefühl, dass hier in letzter Sekunde ein rettender Eingriff vorgenommen wird, darf man nicht erwarten. Lediglich ein paar dicke Touris, die jammernd im Wasser stehen. Unter Spielberg wäre das wohl anders gewesen.

Apropos Spielberg: Dieser entpuppte sich als Spielverderber, denn die Produzenten der beiden Vorgänger Zanuck und Brown planten eigentlich einen Spoof-Film als Fortsetzung. JAWS 3, PEOPLE 0 sollte der Titel lauten (ein Gag, den die SHARKNADO-Macher später aufgriffen). In dieser sollte Peter Benchley, Autor des Originalromans, am Anfang in seinem Pool von einem Hai gefressen werden. Außerdem sollte Bo Derek nackt auftreten (womit der Film alleine schon besser gewesen wäre als dieser Mist) und außerdem noch Aliens in Haikostümen. Als Regisseur war niemand geringeres als Joe Dante vorgesehen. Doch Spielberg drohte, nachdem er von dem Projekt erfuhr, seinen Vertrag bei Universal zu beenden. Stattdessen verließen David Brown und Richard D. Zanuck schließlich Universal und das Projekt war gestorben.

Kommen wir nun zu den deutschen Veröffentlichungen des Sequels. Zur VHS Zeit selbstverständlich, wie damals üblich, im bildschirmfüllenden 4:3 Format veröffentlicht, gab es ansonsten an der Tape-Version nichts auszusetzen. Die Ausstrahlung im ARD Fernsehen von anno dazumal konnte zwar mit einer besseren Qualität punkten, musste jedoch Federn lassen. Dies geschah dank des blutigen Abgangs Shelby Overmans und seiner entstellten, von allerlei Getier zerfressenen Leiche. Man fühlte sich nicht instande, den ab 16 Jahren freigegebenen Film zu später Stunde unzensiert zu versenden. Dabei ist sein Leichnam ziemlich interessant. Immerhin hat Mama Hai es fertig gebracht, ihn teilweise zu häuten und einen Augapfel aus seinem Gesicht zu beißen. Nicht schlecht für ein Tier, dass laut Aussage der Hauptfiguren 10 Meter groß sei (in Teil eins waren es gerade einmal 7 Meter). Die späteren TV-Ausstrahlungen waren allerdings uncut.

Mit den Auswertungen auf Scheibe in Deutsche Land ist es mal wieder so eine Sache. Die DVD, die als erstes auf den Markt kam, besticht zwar durch eine ordentliche Bildqualität, der deutsche Ton ist jedoch abermals für die Tonne. Hier und da ist er schlichtweg zu dumpf, was zum Inhalt aber irgendwie passt. Außerdem liegt der Ton nur in Mono vor, obwohl der Film in Stereo gedreht wurde. Als Bonus bekommt man nur die Originaltrailer zu den 3 Sequels. Die Blu-ray kommt nur geringfügig besser weg. Der Ton ist, entgegen mancher Quellen, ebenfalls nur in Mono vorhanden. Die Bildqualität nervt zudem mit leichten Farbüberlappungen, die dem alten 3D Verfahren (welches noch mit rot/blau Filterbrillen geschaut werden musste) geschuldet sind. Apropos 3D: Eine angepasste Version für das heutige Heimkino in 3D wurde lieblos ins Bonusmaterial auf die gleiche Scheibe gequetscht (immerhin gibt es Bonus) und bereitet nach wenigen Minuten Kopfschmerzen und Augenkrebs. Ein Fest der Doppelkonturen. Absolut unerträglich.

Ein Film wie ein Verkehrsunfall. Man will es einfach nicht wahrhaben, kann aber auch nicht wegschauen und irgendwie bereitet der Trash dann auch noch Spaß. Dies liegt vor allem am Cast, der mit Quaid, Gossett Jr, MacCorkindale und der jungen Lea Thompson in ihrem ersten Filmauftritt durchaus sehenswert ist. Müll ist der Film trotzdem, aber einer, den ich nicht übers Herz bringe, zu entsorgen.

Trailer:

Zur Kritik „Der weiße Hai“

Zur Kritik „Der weiße Hai 2“

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