Medienhuren Sommer – Sleepaway Camp 3: Teenage Wasteland (1989)

Auch im August ist bekanntlich noch Sommer angesagt, was bedeutet, dass wir noch genug Zeit haben, um unserem hauseigenen Special noch etwas Futter zu geben. Während Kollege Jürs mit weißen Haien in schlechtem 3D um die Häuser zieht, halte ich dagegen und schicke die gute Angela in ihre dritte Amtszeit als Verfechterin der Sitten in beschaulichen Sommercamps. Mit SLEEPAWAY CAMP 3: TEENAGE WASTELAND (1989) betrachten wir nun den nächsten Eintrag im Schnetzel-Franchise, der hoffentlich genauso unterhaltsam ist, wie sein Vorgänger!

Originaltitel: Sleepaway Camp 3: Teenage Wasteland; alt. Nightmare Vacation III; in Deutschland: Camp des Grauens 3

Drehbuch: Fritz Gordon
Regie: Michael A. Simpson

Darsteller: Pamela Springsteen, Tracy Griffith, Michael J. Pollard, Mark Oliver, Haynes Brooke, Sandra Dorsey…

Artikel von Christopher Feldmann

Angela is Back! Mit diesem Statement warb man anno 1989 für das zweite Sequel zu Robert Hiltziks Kult-Slasher SLEEPAWAY CAMP (1983), welches in Deutschland unter dem Titel CAMP DES GRAUENS erschien. Dabei hat man schon mit dem Sprung zu Teil 2 die Fahrtrichtung der Reihe entscheidend geändert. Verkörperte im ersten Film noch Felissa Rose den Killer mit der Geschlechtsbezeichnung “Divers”, übernahm danach Pamela Springsteen, die Schwester vom ollen Bruce, das Ruder und meuchelte fröhlich verhaltensauffällige Teenager, die sich lieber mit ausschweifendem Beischlaf und dem Konsum von Drogen beschäftigten, anstatt die Feriencamp-Kultur zu respektieren. Nach dem eher handzahmen Original, kam SLEEPAWAY CAMP 2: UNHAPPY CAMPERS (1988) als spaßige Slashersause mit viel Ironie und Meta-Humor um die Ecke und wusste gut zu unterhalten. Das sahen die, in Videotheken-Kost erprobten Macher ähnlich, weshalb Teil 3 auch folgerichtig direkt an seinen Vorgänger anknüpft. Und auch wenn TEENAGE WASTELAND ein unterhaltsamer B-Slasher geworden ist, hinkt er dem zweiten Meuchel-Marathon Angelas doch etwas hinterher. Dafür kann man sich mit der Tatsache trösten, dass man hier ganz große Kacke serviert bekommt, die schon wieder so doof ist, dass man es genießen kann.

Inhalt:
Nachdem die Serienmörderin Angela Baker (Pamela Springsteen) vor einem Jahr in Camp “Rolling Hills” ein Blutbad hinterlassen hat, wird die Anlage nun unter dem Namen “New Horizons” für ein soziales Experiment neu eröffnet. Hier sollen Jugendliche unterschiedlicher Gesellschaftsschichten aufeinander zugehen und Zeit miteinander verbringen. Nur hat keiner gemerkt, dass die gute Angela heimlich den Platz einer Teilnehmerin eingenommen hat. Während die Belegschaft aufgeteilt in drei Gruppen die Wälder erkundet, macht sich Angie ans blutige Werk.

Meine Erwartungen waren an Teil 3 waren, gemessen am flotten und spaßigen zweiten Teil, entsprechend hoch und ja, SLEEPAWAY CAMP 3 beginnt schon mal verheißungsvoll bescheuert. Wir sehen eine junge Dame namens Maria, die früh morgens in ihrem Zimmer erwacht und von ihrer Assi-Mutter aus dem Off angeblögt wird, nur weil sie die anmaßende Frage stellt, ob sie denn jemand zum Bus für das Feriencamp fahren könnte. Diese Szene hat keine große Relevanz, abgesehen davon, dass Maria mal kurz ihre Möpse frontal in die Kamera halten darf. Auf dem Weg zum Bus wird sie auch prompt von einem Müllwagen umgebrettert, dessen Fahrer sich als die fröhliche Angela entpuppt. Warum es keinen Passanten interessiert, dass ein Mädchen auf offener Straße vor einem Müllwagen flieht, vergessen wir mal an dieser Stelle, denn bei einem Low-Budget-Slasher aus dem Jahr 1989 ist Meckern bezüglich der Logik doch eher unangebracht. Zurück zum Wesentlichen: Angela zieht sich die Klamotten über und nimmt den Platz des Mädels ein, dass jetzt im Müll vermodert, setzt sich in den Bus und wir sehen “ANGELA IS BACK!” großgeschrieben an einer Wand. Zu klassischem Hard Rock Geschrupp setzten die Credits ein und wir springen ins Camp “New Horizons”, dass verdächtig nach dem Camp aus dem Vorgänger aussieht (warum, erzähl ich euch später).

Die Leiter von “New Horizons”, Lustgreis Herman und Wuchtbrumme Lilly, haben sich etwas ganz besonderes ausgedacht. Ein Camp für alle sozialen Schichten. Hier treffen reiche Schnösel-Kids aus gutem Hause auf asoziale Teenager aus dem sozialen Brennpunkt, mit Vorlieben für Gangs, Drogen und unflätige Ausdrücke. An dieser Stelle fällt es schwer, diesen Drehbuchkniff von Autor Fritz Gordon zu akzeptieren, ist das Ganze doch ziemlich dämlich. Mal ganz ehrlich, wer glaubt, dass es funktioniert, wenn man zwei Extreme dazu nötigt, zusammen zu campen? Ich nicht. Zumal ich mir nicht vorstellen kann, dass unterprivilegierte Punks und Gang-Kids freiwillig ein Feriencamp besuchen und Eltern ihre behüteten Sprösslinge mit den eben Genannten zum lauschigen Zelten schicken würden. Naja, das Drehbuch will es so und wir müssen dem wohl oder übel Folge leisten. Immerhin keimt in mir immer noch die Hoffnung, herrlichen doofen Slasher-Spaß zu schauen und herrlich doof erfüllt der Streifen schon mal.

Vor Ort bemerkt natürlich niemand, dass sich hinter der Personalie Maria, die crazy Killerin Angela verbirgt. Die gibt einer schmierigen Reporterin, die über das soziale Experiment berichten soll, prompt ein, aus diversen Chemikalien zusammengemischtes, Pulver zum schniefen, was die Dame auch direkt annimmt und in ihrem Wagen krepiert. Danach werden drei Gruppen gebildet und als dritter Leiter trudelt noch Officer Barney ein, dessen Sohn im zweiten Teil sein Leben lassen musste, was immerhin etwas Zündstoff erahnen lässt. Getrennt voneinander, gehen die Parteien auf Erkundungsausflug in die Wälder, es wird gezeltet und gegrillt und natürlich auch gefickt. Denn Onkel Herman entpuppt sich schnell als alter Lustmolch, der gerne junge Hühner vernascht. Natürlich fackelt Angela nicht lang und bereitet dem Knatter-Opa, mitsamt Gespielin, ein frühes Lebensende. Im Anschluss daran folgt eigentlich “Business as usual” und Angie meuchelt sich unbeschwert durch die Teilnehmer des Ausflugs, garniert mit zynischen One-Linern, etwas halbgaren Splatter-Effekten, hohem Bodycount und ziemlich dämlichen Dialogen, die perfekt zu den ganzen Arschloch-Figuren passen, die sich hier so tummeln. Lediglich die beiden Turteltauben Marcia und Tony besitzen einen Anflug von Sympathie, was schnell darauf schließen lässt, dass wir sie auch am Ende noch sehen werden.

Achja, SLEEPAWAY CAMP 3 (1989) ist so eine Sache. Irgendwie war das Ganze schon ziemlich doofer Mist aber auf eine gewisse Weise hat mich der dritte Teil der Wegschlaf-Reihe doch unterhalten. Fritz Gordon, der auch den Vorgänger schrieb, muss wirklich Spaß dabei gehabt haben, irgendwelche Szenen aneinanderzureihen, um zum nächsten Kill zu kommen, denn mehr hat dieser Wald und Wiesen-Slasher auf narrativer Ebene nicht zu bieten, waren die Produktionsumstände doch alles andere als hochwertig. Der Film wurde nämlich Back-to-Back mit Teil 2 im Jahr 1987 gedreht, im YMCA (It’s Fun to stay at the…) youth camp in Waco, Georgia. Anscheinend war Regisseur Michael A. Simpson mit UNHAPPY CAMPERS früher fertig als erwartet und hat das Setting, mitsamt der letzten hundert US-Dollar genutzt, um noch schnell ein Sequel zu drehen. Das nicht viele Ressourcen vorhanden waren, spürt man an allen Ecken und Enden des Streifens, wirkt er doch wesentlich billiger als sein Vorgänger. Die Sparmaßnahmen zwangen die Macher offenbar auch, nach kurzer Zeit die Campanlage zu verlassen, um den Rest einfach im Wald zu filmen. Ehrlich gesagt, wirkt auch das Drehbuch, als wäre es um den Sparkurs herumgeschustert wurden.

Auch inszenatorisch hat SLEEPAWAY CAMP 3 im groben Vergleich einige Federn gelassen und wirkt oft ziemlich hingeschludert. UNHAPPY CAMPERS hatte immerhin noch die ein oder andere atmosphärische Szene zu bieten, welche im dritten Ableger nicht zu finden sind, vor allem weil der ganze Film zu 90% am Tag spielt und so zu keinem Zeitpunkt Spannung oder ähnliches aufkommt. Man könnte meinen, das Ding wurde an einem Nachmittag abgedreht. Das macht sich auch in der Güte der Special-Effects bemerkbar, die teilweise arg durchschaubar und lächerlich daherkommen. Nichts desto trotz kann man an der Kreativität Spaß haben, mit der Angela zu Werke geht. Gliedmaßen werden abgerissen, Köpfe werden mit der Axt und mit dem Rasenmäher abgetrennt, Körper werden in Brand gesetzt und sogar von der altmodischen Schusswaffe macht Angie Gebrauch. Eigentlich wollte man in Sachen Kills noch etwas in die Vollen gehen, das Budget erlaubte dies aber nicht. Insgesamt dürfen 16 Personen ihr Leben lassen, was für die MPAA Grund genug war, den Streifen drastisch kürzen zu lassen, was in einer R-Rated Fassung mündete, die eigentlich jeglichen Spaß vermissen lässt. Die Unrated-Version hingegen ist da schon deutlich zeigefreudiger.

Und auch ein paar kleine Referenzen hat der Film zu bieten. So darf Angela die Hockey-Maske aus dem See ziehen, welche in Teil 2 zu sehen war, worauf ihr verliebter Kollege anmerkt, dass heute Samstag der 14. sei. Zudem sind die Charaktere nach Figuren aus WEST SIDE STORY (1961) und THE BRADY BUNCH (1969-1974) benannt. Auch Rückblenden zu Teil 2 sind natürlich vorhanden und Angela darf auch nochmal ihren Knaller-Hit “I’m a happy Camper” zum Besten geben. Dieser wird von Pamela Springsteen wieder mit Hingabe vorgetragen und auch ihre Performance als Angela macht wieder sichtlich Spaß. Der Rest der Besetzung besteht zum größten Teil aus Nullgesichtern, wie das in diesem Genre so üblich ist. Tracy Griffith, unser Final Girl, und ihr Leinwand-Lover Mark Oliver bandelten während der Dreharbeiten auch im realen Leben miteinander an, was aber lediglich eine Halbwertszeit von ein paar Wochen hatte. Ansonsten gehört noch Michael J. Pollard als Herman zum Cast, den Action-Fans vielleicht noch als Waffenexperte Owen aus TANGO & CASH (1989) kennen.

Damit hätten wir auch den dritten Teil meines Sommerspecials abgearbeitet und wahrscheinlich das Beste hinter uns gelassen. Ich glaube ich liege richtig in der Annahme, dass es von nun an nur noch schlechter werden kann.

Fazit:
SLEEPAWAY CAMP 3: TEENAGE WASTELAND (1989) hat nicht das Tempo, den Witz und den unverblümten Spaß wie sein Vorgänger zu bieten. Man hat hier eine klassische Schnellschuss-Produktion vor sich, die lediglich gemacht wurde, weil man noch ein paar Tage das Set zur Verfügung hatte und das Budget noch einen günstigen Wald und Wiesen-Slasher hergab. Das merkt man dem Film durchaus an, wirkt das Drehbuch doch gemäß den Bedingungen zusammengeschustert, die Effekte mäßiger und die Darsteller noch untalentierter. In jeder Hinsicht ein Rückschritt, auch wenn man mit diesem trashigen Streifen durchaus seinen Spaß haben kann.

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Zur Kritik “Sleepaway Camp”

Zur Kritik “Sleepaway Camp 2: Unhappy Campers”

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