Die Zombie Chroniken – Night of the Living Dead (1968) – Menschenfresser mit Mini-Budget

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Was hat er denn nun schon wieder vor? Gute Frage, und so folgt prompt die Antwort. Der Sommer ist vorbei! Das ist quasi mein persönlicher Countdown zum kommenden „Hurenween“ Fest, welches wir jedes Jahr zelebrieren. Einmal pro Woche werden wir in die „Zombie Chroniken“ eintauchen, und dabei nicht nur einen Mix aus persönlichen Gedanken und filmischen Fakten erleben können. Es versteckt sich etwas in den Chroniken. Was das ist? Das wird noch nicht verraten…

Artikel von Victor Grytzka

Bildmaterial (c) Splendid Film

Denke ich an meine erste Zombie-Erfahrung zurück, so brüste ich mich zwar immer damit, dass „Woodoo – Schreckensinsel der Zombies“ der Film ist mit dem ich ins Italo-Horror Genre eingestiegen bin, doch mein erster Zombie-Film, das war tatsächlich „Night of the Living Dead“. Im Mai des Jahres 1998 war es. Ich war 13 Jahre alt, und im WDR spielte man zu später Stunde eben diesen Klassiker. Dabei handelte es sich natürlich um die deutsche Kinofassung aus dem Jahre 1971, die um einige Minuten erleichtert worden ist. Seltsamerweise handelte es sich nicht um Zensurschnitte (bis auf eine ganz kurze Szene), sondern  es waren eher Straffungen. Hauptsächlich Handlungsteile / Dialoge mussten der Schere weichen.

Doch diese Zeiten liegen lange zurück. Es ist schon fast schade, dass mittlerweile von jedem Ramsch-Label eine Veröffentlichung auf DVD und BluRay existiert, die in den Grabbelkisten der Händler schon für die Frechheit von einem Euro zu bekommen ist. Doch, jede Münze hat zwei Seiten. Auch ein Euro-Stück. Denn für ein paar Kröten mehr bekommt ihr wirklich gute Veröffentlichungen aus dem Hause Splendid Film. Die Amaray-Variante bekommt man für einen ollen Fünfer, für einen 10er ist sogar ein adrettes Mediabook zu haben. Einfach mal einen Kaffee weniger trinken, sich ein oder zwei Zigarettchen aussparen, und schon hat man was dolles im Regal. Es sind ja auch noch ein paar nette Extras auf der Scheibe, die die „Billigheimer“ sich aussparen. Zudem sie erwähnt, dass sich auf den Grabbelkisten-Bierdeckeln gerne mal die Neusynchronisation versteckt, die eher semi-professionell angehaucht ist, und nicht so recht in die Atmosphäre des Films passen möchte. Für Farb-Fetischisten existiert auch eine colorierte Fassung, von dieser rate ich jedoch ab. Denn diese Version hat garantiert die neue Synchro drauf, und „Night of the Living Dead“ als knallbuntes Bonbon – das kommt der Grundstimmung des Filmes auch nicht gerade entgegen. Kann man gucken, muss man aber nicht unbedingt.

Barbara (Judith O’Dea) wollte doch nur einen kleinen Ausflug machen…

…und damit beginnt das Unheil. Ihr Bruder Johnny (Russell Streiner) witzelt noch, als bei dem Besuch am Familiengrab ein Mann auf die beiden zu stolpert. „Sie kommen um dich zu holen, Barbara!“. Und so soll es dann auch sein. Der Fremde attackiert die verängstigte Frau, und Johnny versucht den Angreifer abzuwehren – ohne Erfolg. In Panik flüchtet die Dame, und endet schließlich in einem verlassenen Haus, während draußen immer mehr aggressive Angreifer auftauchen. Ihr zu Hilfe eilt Ben (Duane Jones), der selbst den Schrecken dieser Wesen am eigenen Leib erfahren musste. Er versucht nun die Sicherheit im Haus aufrecht zu halten, während Barbara in einen Angstzustand abdriftet. Doch sie sind nicht alleine. Im Keller des Hauses hat sich eine Gruppe von Menschen verschanzt, die ebenso vom Schicksal in diese unschöne Lage getrieben wurden. Da wäre die Familie Cooper, bestehend aus Harry (Karl Harman), Helen (Marilyn Eastman) und Töchterchen Karen (Kyra Schon), die von einem dieser Wesen gebissen worden ist, und das junge Paar Tom (Keith Wayne) und Judy (Judith Ridley). Während man in der Außenwelt versucht der Lage Herr zu werden, entwickelt sich innerhalb des Hauses ein eigener Mikrokosmos, in dem es ums nackte Überleben geht. Wären da nicht die Spannungen unter den „Gefangenen“, die insbesondere von Harry Cooper auszugehen scheint…

Ben (Duane Jones) versucht den Überblick zu behalten.

„Night of the Living Dead“ ist auf so vielen Ebenen ein zeitloses Meisterwerk, dass man womöglich ein ganzes Buch schreiben müsste, um die Genialität dieses Films in Worte zu fassen. Dies werde ich, in deutlich verkürzter Form, natürlich auch hier versuchen. Der Film hatte (zu seinem Glück) ein kleines Budget zur Verfügung. Schätzungen zu folge betrugen die Gelder, die George A. Romero verbraten durfte, knapp 114.000 US Dollar. Das war damals so gut wie nichts, und heute ist es sogar noch weniger als das.

Am Ende hat die Knappheit an finanziellen Mitteln dem Film wirklich gut getan. Auf günstigem Schwarz-Weiss Material gedreht, schuf Romero eine dichte Atmosphäre, die klaustrophobischer nicht sein könnte. Man stelle sich das doch einmal vor. Eine Gruppe von Menschen ist gefangen in einem Haus. An sich schon eine unangenehme Situation. Dann kommen noch interne Spannungen dazu, die nicht bloß ein Sicherheitsrisiko sind, sondern zusätzlich für eine noch angespanntere Stimmung sorgen. Dies fängt der Film perfekt ein, und schafft es damit auch, dass man nach kurzer Zeit mit (einigen) der Gruppe mitfiebert. Da schmerzt es schon sehr, wenn ein lieb gewonnener Charakter das Zeitliche segnen muss.

Die Meute wartet auf Frischfleisch…

Auch das stimmungsvolle Spiel mit Licht und Dunkelheit versprüht ein subtiles Gefühl der Angst. Die Dunkelheit scheint zu jedem Zeitpunkt eine ebenso große Bedrohung zu sein, wie es die Untoten sind. Und woher die wohl kommen? Tja, darauf gibt es keine eindeutige Antwort, auch wenn es einen Hinweis auf einen Zwischenfall im All gibt, bei dem Strahlung freigeworden ist. Natürlich vollkommen beabsichtigt von Romero, der seit jeher kritische Ansichten zu gesellschaftlichen Themen in seinen (Zombie) Filmen vertrat. Apropos Kritisch… Es war für die damalige Zeit eher ungewöhnlich, einen Menschen dunkleren Teints als Helden einer Geschichte zu besetzen. Dazu auch noch ein tragischer Held, dessen gesamte Anstrengungen durch eine tolle Dramaturgie zum Finale hin wie eine Faust in die Magengrube einschlagen.

Sowieso ist der gesamte Cast des Films über jeden Zweifel erhaben. Komplett auf Arbeitskollegen und private Bekanntschaften (die teils auch selbst an der Produktion beteiligt waren) griff Romero beim Cast zurück. Nun sollte man meinen, dadurch bekäme das Werk einen faden und amateurhaften Beigeschmack. Doch weit gefehlt. Sehr authentisch kommen die einzelnen Akteure in ihren Rollen rüber, wie ein Mensch wie du und ich, und selbst das an Overacting grenzende Geschrei von Judith O’Dea wirkt überhaupt nicht deplatziert, es nervt trotzdem ein wenig. Dies kann allerdings auch so beabsichtigt gewesen sein, denn auch hier gilt: „Mittendrin, statt nur dabei!“. Ganz toll in der nun kommen Herbstzeit, in der es draußen ungemütlich, grau und finster wird!

Für die damalige Zeit ging es ganz schön herb zu…

Mit diesem Film kann das „Hurenween“ Fest kommen! Sollte an dem Tag der Hexen, Geister und Dämonen auf jeder Party gezeigt werden, und auch jeder Filmfan muss das Ding im Regal stehen haben. Denn selbst wer mit Horror so gar nichts anfangen kann, der wird zumindest die geniale Machart loben können, die übrigens auch einen recht hohen Splatter-Faktor aufweisen kann. In der damaligen Zeit auch nicht üblich. Kurz gesagt: Eine Revolution für ein Genre, das erst viele Jahre später, erneut losgetreten von George A. Romero, einen wahren Boom erleben sollte. Doch dazu später mehr in einem weiteren Teil der Zombie-Chroniken…

Wenn ich den Trailer so betrachte, fällt ein gelungener Mix aus „frischem Wind“ und „Oldschool“ auf.

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