Rambo: Last Blood (2019) – Ab sofort im Kino

Scheiß auf die AVENGERS. Der einzig wahre Superheld ist zurück. Der Mann, der mit blauem Licht und Schlamm in der Fresse eine ganze russische Armee den Erdboden gleichgemacht, einem Kleinstadtsheriff das Leben zur Hölle und so ziemlich alle burmesischen Soldaten zu Steak Tartar verarbeitet hat, ist zurück um Chili con carne aus den Mitgliedern eines mexikanischen Kartells zuzubereiten. Ob dabei etwas Schmackhaftes herauskam und wie sich die deutsche Synchronfassung schlägt, erfahrt Ihr im Artikel.

Regie: Adrian Grünberg

Darsteller: Sylvester Stallone, Paz Vega, Yvette Monreal, Louis Mandylor, Óscar Jaenada, Sheila Shah, Sergio Peris-Mencheta

Artikel von Christian Jürs

Eigentlich war mit John  Rambo im Jahr 2008 die Geschichte des ehemaligen Vietnamveteranen, der nur etwas Anerkennung für seine Dienste auf dem Weg heimwärts erfahren wollte, auserzählt. Am Ende des grimmigen und ultrabrutalen Reißers kehrt der Kriegsheld zur Farm seines Vaters zurück, während uns das Rambo-Thema akustisch in den Abspann geleitet. Ursprünglich hatte Stallone allerdings, anstelle der burmesischen Schlachtplatte, die Geschichte eines jungen, mexikanischen Mädchens, welches von fiesen Kartellbossen zwecks Zwangsprostitution entführt wurde und nun von John J. gerettet werden muss, ent- und wieder verworfen. Genau diese Geschichte ist es, die der mittlerweile 73 jährige Actionhaudegen uns, nach jahrelangem Zögern, nun doch noch präsentiert.

Seit einigen Jahren ist John J. Rambo (Sylvester Stallone) nun mittlerweile heimgekehrt auf die Farm seines Vaters, die er nach dessen Tod alleine führt. Lediglich seine Haushälterin Maria (Adriana Barraza) und deren Enkelin Gabrielle (Yvette Monreal) leben mit ihm zusammen. John, der immer noch unter seinen Kriegstraumata leidet und diese nur mit Medikamenten in den Griff bekommt, findet Halt in seiner Rolle als Ziehvater der jungen Dame. Er erlaubt ihr sogar, im verwinkelten Tunnelsystem, welches er unter der Farm angelegt hat, ihren Geburtstag mit Freunden zu verbringen.

Mehr und mehr kommt der gezeichnete Kriegsheld zur Ruhe und findet wieder einen Platz in der Gesellschaft. Doch dann meldet sich Gabrielles ehemalige Freundin Jezel (Fenessa Pineda) mit der Nachricht, sie habe den lange verschollenen Vater (Marco de la O) der jungen Dame gefunden. Trotz einiger Bedenken von John macht sich sie sich mit dem Auto auf nach Mexiko, wo sie bereits an der Tür von ihm mit den Worten, dass er seine Tochter nie gewollt habe, abgewiesen wird. Zur Aufmunterung schleppt Jezel ihre Freundin in einen nahegelegenen Nachtclub, von wo aus Gabrielle spurlos verschwindet. Als John davon erfährt, macht er sich sofort auf, um die junge Dame zu finden. Schnell kommt er auf die Spur des Kartells der Brüder Victor (Óscar Jaenada) und Hugo Martinez (Sergio Peris-Mencheta), die Gabrielle unter Drogen gesetzt und zur Prostitution gezwungen haben. Das hätten sie lieber bleiben lassen sollen…

Wie nicht anders zu erwarten war bei einem Rambo-Sequel, hagelte es die obligatorischen Verrisse seitens des Feuilleton. Doch diesmal gab es auch aus den Fanlagern Gemecker. Stallone würde wegen seiner kurzen Haare nicht mehr wie Rambo wirken, sondern wie sein Kollege Barney Ross von den Expendables. Ganz ehrlich, dass ist totaler Blödsinn. Rambo lebt nun wieder in der Zivilisation, da kann er sich auch mal die Haare schneiden lassen und muss nicht wie ein Althippie herumlaufen. Parallelen zu seiner Figur des Rocky Balboa sind hier eher vorhanden, denn Rambo ist eher altersweise geworden und die Ziehvaterrolle erinnert schon ein klein wenig an seine Performance in den Creed Filmen.

Ein weiterer Kritikpunkt sei das fehlende Rambo-Feeling, da im Film weder Hubschrauber, Boote, noch irgendwelche bösen Soldaten auftauchen. Korrekt, in Rambo – Last Blood wird eine gänzlich andere Geschichte erzählt, aber mal ehrlich, soll ein 73jähriger nochmal raus in den Dschungel oder sich mit irgendeinem Kleinstadtsheriff anlegen, weil er auf der Suche nach etwas zu essen ist? Nein, man beschreitet neue Wege, was für ein Publikum, welches die immer gleichen Marvel-Geschichten schon über zwanzig mal mit Begeisterung geschaut hat, schwer nachzuvollziehen ist.

Gerne liest man auch den Witz, Liam Neeson habe angerufen, er will sein Drehbuch für Taken 4 zurück haben. Nun, tatsächlich gibt es gewisse Parallelen zu Neesons spaßigem Actioneinstand, doch sollte man nicht vergessen, dass die Geschichte von Rambo: Last Blood bereits für den 2008 entstandenen John Rambo herhalten sollte, dem selben Jahr, in dem 96 Hours auch erst auf die Leinwände gebracht wurde. Inszeniert könnten beide Filme jedoch nicht unterschiedlicher sein. Das Taken-Franchise ist wesentlich schneller und massentauglicher in Szene gesetzt und Neeson wirkt eher wie ein Jack Bauer, den man losgelöst vom Politplot einer 24-Staffel agieren lässt, während Regisseur Grünberg (Get the Gringo) eher den deprimierenden und grimmigen Grundton des letzten Wolverine-Abenteuers Logan trifft, halt nur ohne die Comicelemente.

Lustig ist der wirklich erbärmliche Kritikpunkt, Rambo handele im Sinne von Donald Trump, da er ein schlechtes Bild auf Mexiko werfe und deren Einwohner im Sinne der Gerechtigkeit massakriere. Das ist natürlich vollkommender Schwachsinn, zumal Rambo zusammen mit einer mexikanischen Haushältierin und deren Enkelin wohnt und diese auch noch zu retten versucht. Lediglich das Kartell kommt logischerweise schlecht weg, nicht die Einwohner des Nachbarlandes. Auch wird gerne vergessen, dass Rambo gar kein “Weißer” ist, sondern deutsch-indianischer Abstammung, aber sowas übersehen die Kritiker gerne.

Natürlich erfindet der Film das Rad nicht neu und auf ein lakonisches Alterswerk im Stile von Clint Eastwoods Erbarmungslos braucht man auch nicht zu hoffen, dafür ist die ganze Geschichte natürlich zu einfach gehalten. So dient das ganze “ich schlucke Antidepressiva um meine Kriegsgreuel zu vergessen” lediglich einem plakativen Wegwurf der Tablettendose, wenn John die Hutschnur platzt und er auf Rache sinnt. Getreu dem Motto “Du hast mir das Herz herausgerissen, jetzt reiß ich Dir Deines raus!”, welches wörtlich zu nehmen ist. Auch die Figur der Reporterin Carmen Delgado (Paz Vega) fungiert lediglich als Stichwortgeberin und ist letztlich überflüssig.

Es liegt sicher an der Erwartungshaltung, wie man den Film empfindet. Wer keine allzu komplexe Story erwartet und statt Dauer-Krach-Bumm mit einer ruhig und auch ein wenig deprimierend erzählten Rachegeschichte etwas anfangen kann, der wird sich hier heimisch fühlen. Die Action explodiert übrigens erst kurz vor Ende, kommt dann aber nicht weniger brachial daher wie beim Vorgängerfilm.

Die deutsche Fassung, die von Universum Film vertrieben wird, hat, im Gegensatz zum Vorgänger, bei der FSK-Prüfung seine Eier behalten, weswegen John J. Rambo vollkommen ungekürzt mit FSK 18 Freigabe seine Feinde massakrieren darf. Ob die Folgeprüfung für den Heimkinomarkt ebenso gnädig ausfällt, bleibt abzuwarten.

Kommen wir final auf die Synchro zu sprechen. Erneut leiht Jürgen Prochnow dem Star sein Organ, wie schon in Creed 2 oder, vor vielen Jahren, in Rocky, Rocky 2, F.I.S.T. und Vorhof zum Paradies. Es braucht wieder ein paar Filmminuten, um sich an die neue, alte Stimme zu gewöhnen, aber dann ist man voll drin. Prochnow macht das hervorragend mit seiner kratzigen Stimme, auch wenn er einen Meister wie Thomas Danneberg sicherlich niemals ganz ersetzen kann. Nützt aber nix, Danneberg ist in krankheitsbedingter Zwangsrente und ich bin äußerst zufrieden mit der Alternative.

Liebe Actionfans, gebt diesem Oldschoolstreifen eine Chance und kauft Euch eine Kinokarte, damit auch weiterhin harte, grimmige Streifen wie dieser hier produziert werden. Opa Stallone hat´s noch drauf und wirkt keine Spur gebrechlich. Vielleicht kommt er dann ja nochmal wieder.

Trailer:

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