Lock Up – Überleben ist alles (1989) – Ab sofort Remastered auf DVD, Blu-ray und als Limited Edition (Blu-ray und 4K-Blu-ray) im Handel erhältlich

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Das Timing könnte nicht besser sein. Pünktlich zum neuen RAMBO Abenteuer veröffentlicht STUDIOCANAL einen Stallone-Klassiker in neuer, verbesserter Bildqualität. Weltweit zum ersten Mal kommt der Film als 4K Blu-ray bei uns auf den Markt. Ob sich die Neuanschaffung lohnt und ob der Knastactionfilm mit Donald Sutherland als fiesen Gegenspieler auch heute noch fesseln kann, klären wir in den folgenden Zeilen.

Originaltitel: Lock Up

Regie: John Flynn

Darsteller: Sylvester Stallone, Donald Sutherland, Darlanne Fluegel, John Amos, Frank McRae, Larry Romano

Artikel von Christian Jürs

Frank Leone wurde einst wegen einer Lappalie zu achtzehn Monaten Gefängnis verurteilt. Zwei Wochen vor Ende der Haftstrafe lag sein bester Freund im Sterben, weswegen Frank seinen Gefängnisdirektor Drumgoole (Donald Sutherland) um die Möglichkeit eines Abschiedsbesuches bat. Da dieser ihm den Ausflug verwehrte, floh Leone kurzerhand. Als er gefasst wurde, machte die Presse ihn zum Helden und verteufelte Drumgoole, der dadurch die Karriereleiter nach unten fiel und die Leitung des Schwerverbrecherknasts Gateway aufgebrummt bekam, während Frank zwar fünf weitere Jahre einsitzen musste, jedoch nur in einem Minimumsicherheitsgefängnis.

Jetzt sind es nur noch sechs Monate bis zu seiner Entlassung. Während eines Freigangs plant er mit seiner Lebensgefährtin Melissa (Darlanne Fluegel) bereits die gemeinsame Zukunft. Er ahnt nicht, dass sich in der folgenden Nacht sein Leben von grundauf ändern soll. Denn Drumgoole sinnt auf Rache und lässt Leone in seine Haftanstalt verlegen.

„In Gateway können 6 Monate Knast eine Ewigkeit bedeuten.“

Vorbei ist die Zeit der Privilegien wie Ausgang oder gar Besuchsempfang. Frank muss seine restliche Haftstrafe abgeschnitten von der Außenwelt zwischen Schwerstkriminellen verbringen. Natürlich lässt es Drumgoole nicht dabei auf sich beruhen, sondern hetzt den brutalen Häftlingsanführer Chink Weber (Sonny Landham) auf sein Opfer. Doch Leone lässt sich nicht provozieren und findet Halt in seinen neu gewonnenen Freunden Dallas (Tom Sizemore), Eclipse (Frank McRae) und First Base (Larry Romano). Zwar nehmen die Misshandlungen seitens Chink Weber und einigen sadistischen Wärtern zu, doch Frank ist hart im Nehmen und wird oft in letzter Minute vom strengen, aber gerechten Oberaufseher Captain Meissner (John Amos) gerettet. Doch Drumgoole lässt nicht locker und schon bald gibt es einen Toten in Leones Umfeld zu beklagen…

Der leider 2007 verstorbene Actionroutinier John Flynn übernahm die Regie zu diesem temporeichen Knastactioner mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle. Nicht die schlechteste Wahl, schaffte es Flynn doch selbst mit Steven Seagal einen halbwegs brauchbaren Kracher zu zaubern (Deadly Revenge – Das Brooklyn Massaker). Für Stallone sollte es ein erster Schritt sein, dass damals bei ihm verhasste Rambo – Image abzulegen, da dessen dritter Teil bei Publikum und Kritikern nicht sonderlich gut ankam (versteh´ wer will, alleine der Dialog über blaues Licht ist grandios und schrieb Filmgeschichte). Ein Vorhaben, welches mit den Filmen Oscar – vom Regen in die Traufe und dem unsäglichen Stop! Oder meine Mami schießt! Gott sei gedankt schnell wieder zu Grabe getragen wurde.

Tatsächlich erinnert Frank Leone von seiner Lebensphilosophie her eher an den sensiblen Boxer Rocky Balboa, als an seine Krawallrollen Marke City Cobra. Leone will seinen Frieden und handelt, sobald die Action ausbricht, aus Notwehr. Bis dahin bringt er seinem jungen Mitinsassen First Base Prinzipien über das Leben bei, begleitet von der eher ruhigen Filmmusiik Bill Contis, der bereits die Rocky – Filme musikalisch untermalte. Mit Sicherheit kein Zufall.

Trotzdem geht es in Lock Up nicht gerade zimperlich zu. Der Film trägt in seiner ungekürzten Fassung bis heute tatsächlich das rote 18er Siegel, was in meinen Augen allerdings schon immer ein wenig übertrieben war. Insbesondere im Vergleich zum aktuellen Kracher Rambo – Last Blood wirkt dieser Film hier doch eher zahm, was ihn aber keineswegs schlechter, sondern sogar besser macht, denn Frank Leone ist alles andere als ein Killer. Er ist ein Automechaniker, der ungewollt kriminell wurde und nun bemüht ist, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Ein Racheakt gegen Ende wäre komplett unglaubwürdig gewesen.

Gut, so richtig glaubwürdig ist der ganze Plot natürlich nicht, sondern strotzt vor Logiklücken. Wie gelang es Drumgoole, die Verlegung anzuordnen? Wieso dürfen Schwerverbrecher ohne Aufsicht in einer Autowerkstatt arbeiten, in der sogar Schlüssel zu den Fahrzeuge vorhanden sind? Warum sind die befreundeten Schwerverbrecher Leones allesamt nette Sympathieträger?

Nein, der Film ist nicht annähernd so realistisch gehalten wie etwa Die Verurteilten oder der großartige Flucht von Alcatraz, dafür aber enorm kurzweilig. So kurzweilig, dass man mit Fug und Recht schreiben kann, dass der Film sehr gut gealtert ist und seine gewollte Wirkung auch heute noch nicht verfehlt.

Apropos gut gealtert: Kommen wir zur 4K Aufarbeitung aus dem Hause Studiocanal. Mir lag zur Rezension die normale Blu-ray-Variante vor, welche ich direkt mit der Vorgängerscheibe vergleichen konnte. Dabei kann vor allem das Bild (1,85:1 – 1080p) durch eine deutlich verbesserte Schärfe punkten. Lediglich in dunkleren Passagen ist Filmkorn zu erkennen, was bei einem Film von 1989 aber auch so sein muss. Der Ton in Deutsch, Englisch und Französisch (allesamt DTS-HD Master Audio 5.1) ist glasklar. Im Bonusbereich gibt es die bereits bekannten Features: Ein kurzes Making Of, diverse kurze Interviews mit dem Cast (wobei Stallones Intervew mit einer Laufzeit von 5 Minuten das mit Abstand Längste ist), ein Blick hinter die Kulissen und den Trailer. Alle Extras sind deutsch untertitelt.

Stallone- und anderen Actionfans kann man diese Neuveröffentlichung wahrhaft ans Herz legen. Wer die alte Veröffentlichung besitzt, muss abwägen, ob die Neuanschaffung lohnt. Der Film, der in einem echten, noch in Betrieb befindlichen Gefängnis in New Jersey entstand (was zu einer grandiosen Kulisse führte), ist zwar nicht sonderlich realistisch, dafür aber kurzweilig und spannend. Mit Nebendarstellern wie Donald Sutherland und Tom Sizemore ist der Film zudem perfekt besetzt. Leider fiel mir bei der Recherche auf, dass die hübsche Freundin Stallones Darlanne Fluegel bereits vor zwei Jahren an Alzheimer verstarb. R.i.p.

Trailer:

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