Nur noch 72 Stunden (1968) – Ab sofort auf Blu-ray im Handel erhältlich

1968 drehte Don Siegel zwei Polizeifilme in New York. Der eine ist der vorliegende Old-School-Polizei-Thriller mit Richard Widmark, dem bei der Verhaftung der Bösewicht die Knarre entwendet und entkommt, in dem anderen Streifen muss Clint Eastwood nach New York und ebenso einen entflohenen Kriminellen dingfest machen. Eastwood wird dabei allerdings nicht die Kanone geklaut, aber beide Cops tragen Hut. Obwohl COOGAN´S BLUFF der lässigere Film ist, ist der Minimal-Plot von NUR NOCH 72 STUNDEN genau der richtige Stoff für den Meister der übersichtlichen Inszenierung. Don Siegel, neben Sergio Leone filmischer Mentor von Clint Eastwood, brauchte keine komplizierten Ideen, um knackige Krimis mit ökonomischen und effektiven Einstellungen zu drehen. Die frische Veröffentlichung von KOCH FILMS ist ein guter Anlass, sich erneut ins alte New York der 1960er zu begeben.

Originaltitel: Madigan

Regie: Don Siegel

Darsteller: Richard Widmark, Henry Fonda, Inger Stevens, Harry Guardino

Artikel von Kai Kinnert

Für die beiden New Yorker Cops Dan Madigan (Richard Widmark) und Rocco Bennaro (Harry Guardino) ist es eigentlich nur eine Routineverhaftung. Doch als der rückfällig gewordene Schwerverbrecher Benesch (Inger Stevens) ihnen bei seiner Flucht die Dienstwaffen abnimmt, beginnt für die Detectives ein 72-stündiger Spießrutenlauf. Denn die von Commissioner Russell (Henry Fonda) gesetzte Frist zur Ergreifung des Täters ist nicht ihr einziges Problem: Auch Korruptionsvorwürfe, Eheprobleme und der Alkohol sorgen dafür, dass die Polizeiarbeit zum Martyrium wird.

Don Siegel hatte einfach einen Blick für die Großstadt. Die Eröffnung des Films lässt New York wunderbar analog aussehen. Braungrau in der Farbgebung der Aufnahmen, umrahmt die Architektur der Stadt die Handlung. Dampf, Licht, Straßen und Hinterhöfe setzen den passenden Hintergrund für die Fahndung nach dem Verbrecher. Die Detectives tragen Anzug und Hut, sind knurrig und zeitweise auch mal abgelenkt, was Madigans Schicksal werden wird. Siegel hat sein Thema fest im Griff und entwickelt Nur noch 72 Stunden zu einem, für die damalige Zeit, actionreichen, harten Polizeithriller in passender Umgebung.

Richard Widmark vergeigt die Verhaftung von Benesch, weil er im falschen Augenblick die Freundin von Benesch anglotzt, immerhin hatte man beide gerade im Bett überrascht. Schon ist Widmark entwaffnet und Benesch entkommt mit einer Polizeiwaffe in den Großstadtdschungel. In den folgenden 72 Stunden muß Madigan, auf Druck seines Commissioners, wieder dingfest machen, zumal sich Benesch noch weiter bewaffnet hat.

So entwickelt sich aus einer marginalen Handlung, zwar gerahmt durch kleinere Nebenschauplätze wie Eheprobleme oder Korruption, ein strammer kleiner Großstadt-Krimi der alten Schule. Don Siegel bindet die Stadt in die Handlung mit ein, verschafft Madigan so einen passenden Rahmen und lässt New York Bestandteil der Handlung werden. Diese Art des optisch geschlossenen Inszenierungsstils hat Don Siegel in vielen seiner Filme. Im folgenden Coogans großer Bluff war es wieder New York, mit anderen Bildern in einer anderen Farbgebung, später San Francisco mit Dirty Harry und danach die Flucht von Alcatraz. Für Don Siegel ist die Umgebung nicht nur reine Kulisse, sondern Bestandteil der Handlung und Sinnbild für Entwicklungen.

Die Jagd auf den Verbrecher findet ein passendes Ende. Mit dem Vorläufer späterer S.W.A.T. Teams rückt ein Großaufgebot an Polizisten auf und umstellt das Gebäude, in dem sich Benesch mit einer Geisel verschanzt hat. Erstaunlich, wie viele Cops einen Hut wie Richard Widmark zur damaligen Zeit getragen haben. Am Ende kommt es zur Schießerei im geschlossenen Raum, Holz splittert, Kugeln fliegen, eine Frau schreit.

Don Siegel verstand sein Handwerk. Nur noch 72 Stunden ist ein kompakter Großstadtkrimi, mit einigen Nebenschauplätzen und einem konsequenten Finale, dass die passende Katharsis für den Plot darstellt. Wer das alte Kino der 1960er mag, findet in Don Siegels Krimi eine schmackhafte und formal gekonnte Ergänzung für seine Sammlung. Und im Anschluss am Besten gleich Coogans großer Bluff hinterher, fertig wäre das New-York-Sandwich.

Das Bild der BD ist satt und sauber restauriert, der Ton ist gut. Als Extras gibt es die deutsche Super-8-Fassung und Trailer.

Trailer:

Zurück zur Startseite

 

 

 

 

 

Diesen Artikel auf Facebook teilen