Die Klapperschlange (1981) – ab 28. November als Blu-Ray oder DVD in der “John Carpenter Collector’s Edition” erhältlich!

“Call me Snake!”. Wenn jemand dem dystopischen Science-Fiction-Genre seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt hat, war es wohl John Carpenter, der mit DIE KLAPPERSCHLANGE (1981) einen stilbildenden Klassiker abgeliefert hat, der sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut und zurecht zu den besten Werken des Regisseurs gezählt wird. Daher wundert es nicht, dass STUDIOCANAL den Kult-Film ebenfalls als Teil der hauseigenen “John Carpenter Collector’s Edition” auserkoren hat. Kurz vor Veröffentlichung werfen wir nochmal einen Blick auf diese 1980er-Perle!

Originaltitel: Escape from New York

Drehbuch: John Carpenter, Nick Castle
Regie: John Carpenter

Darsteller: Kurt Russell, Ernest Borgnine, Lee van Cleef, Isaac Hayes, Donald Pleasence, Adrienne Barbeau, Harry Dean Stanton, Tom Atkins…

Artikel von Christopher Feldmann

Nach seinen Erfolgen mit HALLOWEEN (1978) und THE FOG – NEBEL DES GRAUENS (1980) dürstete es Regisseur, Autor und Musiker John Carpenter wohl nach neuen Impulsen in seiner noch jungen Karriere. Filme wie MAD MAX (1979), der ein apokalyptisches Australien als Setting verwendet, waren in aller Munde und auch Carpenter selbst erkannte den Reiz, eine Geschichte in einer düsteren Zukunft zu erzählen. Durch den vorherigen Erfolg an den Kinokassen, war es ihm möglich, mit stattlichem Budget, einen Film zu drehen, der eben genau in diese Kerbe schlägt und auf einem Drehbuch fußt, welches der Filmemacher bereits in den 1970ern mit seinem Buddy Nick Castle geschrieben hat. In seiner Dramaturgie unterscheidet sich DIE KLAPPERSCHLANGE (1981) dabei gar nicht groß von den ganzen anderen Zukunfts-Reißern dieses Jahrzehnts, die aus Italien oder den Philippinen stammen und meist in irgendwelchen Kiesgruben gedreht wurden. Doch anders als der B-Schlonz gehört Carpenters düstere Zukunfts-Mission zu den wohl ambitioniertesten und auch zeitlosesten Beiträgen dieser Ära.

Handlung:
Wir schreiben das Jahr 1997. Die NATO befindet sich im Konflikt mit anderen Weltmächten und der Atomkrieg scheint nicht mehr weit entfernt zu sein. Aufgrund der hohen Kriminalitätsrate, wurde ganz New York zu einem riesigen Gefängnis umfunktioniert, in dem es keine Regeln gibt. Gefangene werden dort sich selbst überlassen, es gibt keine Wärter und jeder Fluchtversuch wird tödlich bestraft. Über die Jahre hat sich in den Tiefen der ehemaligen Metropole eine eigene Subkultur entwickelt. Als ein antiimperialistisches Selbstmordkommando die Air Force One übernimmt, kann sich der Präsident der Vereinigten Staaten (Donald Pleasence) mit einer Rettungskapsel retten, die mitten im Herzen New Yorks landet. Um das Staatsoberhaupt zu retten, schickt Einsatzleiter Bob Hauk (Lee van Cleef) den verurteilten Ex-Soldaten Snake Plissken (Kurt Russell) hinter die Mauern, um eine Rettungsaktion durchzuführen, als Gegenleistung winkt die Straffreiheit. Um dem unnahbaren Plissken einen nötigen Anreiz zu geben, injiziert man ihm Sprengkapseln in die Blutbahn, die binnen 22 Stunden explodieren. Snake hat nicht viel Zeit und begibt sich unweigerlich auf die Suche nach dem Präsidenten, der sich mittlerweile in der Gewalt von Bandenchef Duke (Isaac Hayes) befindet. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt!

DIE KLAPPERSCHLANGE (ein eher unsinniger Titel, wenn man bedenkt, dass Plisskens Tattoo eine Kobra darstellt) ist einer dieser Filme, die nicht zu altern scheinen. Auch fast 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung hat der finstere Reißer kaum Staub angesetzt und angesichts aktueller politischer Entwicklungen, ist die Thematik sogar immer noch beängstigend aktuell. Das macht den Film auch heute noch extrem sehenswert, inhaltlich, sowie filmisch.

Carpenter zeichnet eine Dystopie, die nachhaltig zu einer Art Blaupause für ähnlich gelagerte Filme werden sollte. Man könnte soweit gehen und DIE KLAPPERSCHLANGE als Vorläufer des Cyperpunk-Genres bezeichnen, finden sich doch hier schon gewisse Elemente. Die Geschichte ist dabei eher Mittel zum Zweck. Snake Plissken, die wohl coolste Sau des Planeten, soll den Präsidenten retten und hat dafür nur einen limitierten Zeitraum zur Verfügung. Carpenter bedient sich bei einfachsten Mitteln, um seine Story möglichst spannend zu halten. Plissken ist der Anti-Held, quasi der Max Rockatansky New Yorks, nur eben mit mehr Charisma. Viel interessanter als die eigentliche Rettung eines zugegeben unsympathischen Staatsoberhaupts, ist die Welt, die der Film etabliert. New York ist ein Moloch, in dem der Abschaum der Menschheit mit gewöhnlichen Straftätern zusammengepfercht wird. Die Gefangenen sind sich selbst überlassen, es gibt keine Regeln und keine Kontrolle. In New York hat sich eine eigene Gesellschaft, fast schon eine eigene Zivilisation gebildet, gezeichnet von Gewalt und Kannibalismus, denn die abgeworfenen Lebensmittel der Regierung sind knapp. Selbst ein altes Broadway-Theater bietet Programm, in dem spartanisch musiziert und gesungen wird. Das Ganze ist umgeben von verlassenen Häuserschluchten und Müll an jeder Ecke. New York selbst wirkt wie ein apokalyptisches Ödland.

Hier lässt Carpenter seine Hauptfigur, stilecht mit Augenklappe und Wumme unter dem Arm, auf verschiedene Personen treffen, die ihm mal mehr und mal weniger wohl gesonnen sind. Fast schon frei von großer Aufregung und polterndem Getöse, streift Plissken durch die Nacht, begleitet von dem grandiosen Synthie-Score. Carpenter setzt weniger auf toughe Action, sondern mehr auf Stimmung und Atmosphäre. Die Dialoge sind spärlich, tiefe Charakterstudien gibt es nicht. Stattdessen konzentriert man sich auf die Wirkung und das Unwohlsein, dass mit der hervorragenden Inszenierung erzeugt. Selbst Plissken, der eigentlich prädestiniert einen klassischen Action-Helden ist, scheint ungewöhnlich apathisch zu Werke zu gehen. Ihn interessiert die Welt nicht mehr, er macht einfach nur seinen Job. Hier hat der Film einige Schwächen auszugleichen, denn Carpenter scheint sich auch nicht sonderlich für ein Eintauchen in diese urbane Unwirklichkeit zu interessieren. Statt die Figuren und ihre Lebensweisen zu ergründen oder die Tiefen dieser eigenen Kultur zu erforschen, geht man hier recht straight von A nach B. Das macht immer noch viel Spaß, letztendlich werden die Möglichkeiten aber nicht vollends ausgeschöpft.

Dafür sorgt John Carpenter mit seinem hervorragenden Handwerk wieder für zeitlose Bilder. Fast jede Einstellung wirkt wie ein düsteres Gemälde, dass man sich zuhause an die Wand hängen könnte. Wie in seinen vorherigen Werken, arbeitet der Regisseur mit Licht und Schatten, deutet gewisse Geschehnisse nur an, lässt Figuren zwischen Feuer und Dunkelheit vorbeihuschen und sorgt somit für eine durchgängig beklemmende Atmosphäre. Man sollte keinen dicken Actionfilm erwarten, denn obwohl der Streifen auch ein paar aktionsbetonte Szenen bietet, ist er doch eher ruhig erzählt. Das Set-Design ist überragend gut und die zahlreichen Matte-Paintings wirken zu keiner Zeit veraltet. DIE KLAPPERSCHLANGE sieht immer noch verdammt frisch aus und ist angesichts seiner zahlreichen praktischen Effekte absolut beeindruckend. Dazu gesellt sich noch der wieder einmal famose Score, den Carpenter gemeinsam mit Alan Howarth komponiert hat. Der elektronische Stil und die zahlreichen Synthie-Klänge fügen sich perfekt in das Setting ein, das Main-Theme bleibt dabei zusätzlich im Ohr kleben.

Die Besetzung besteht aus zahlreichen bekannten Gesichtern und Carpenter-Spezis, die sich hier wieder einmal die Ehre geben. Kurt Russell gibt mit unvergleichbarer Coolness den toughen Anti-Helden, der zur Ikone des Genres wurde. Es war Russells zweite Zusammenarbeit mit dem Regisseur, stand er doch schon bei dem Fernsehprojekt ELVIS (1980) für ihn vor der Kamera. Es folgten noch weitere Zusammenarbeiten. Dazu gesellen sich prominente Namen wie Ernest Borgnine, Italo-Western-Legende Lee van Cleef, sowie Charakterdarsteller Harry Dean Stanton und Soul-Gott Isaac Hayes als Bösewicht. Donald Pleasence, der bereits in HALLOWEEN (1978) als Dr. Loomis für Carpenter spielte, darf den Präsidenten spielen, während mit Tom Atkins, Charles Cyphers und Adrienne Barbeau weitere Personen aus dem Carpenter-Dunstkreis mit von der Partie sind. Letztere war zu der Zeit mit dem Regisseur verheiratet. Wer in der Originalversion ganz genau hinhört, erkennt auch die Stimme von Jamie Lee Curtis, die das Voice-Over zu Beginn spricht.

Für die Veröffentlichung in der “John Carpenter Collector’s Edition” hat man mit aller Wahrscheinlichkeit auf das Master der 2016er Blu-Ray aus dem Hause Constantin Film zurückgegriffen. Diese stellt die bis dato beste Veröffentlichung dar und begeistert mit einem knackigen, kontrastreichen Bild, in dem die nächtliche Stimmung sehr gut zur Geltung kommt. Auch der 5.1-Ton kann sich hören lassen, kommt er doch durchgängig satt und dynamisch daher. Auf der Blu-Ray gibt es noch einiges an Bonusmaterial, wie etwa Audiokommentare, Interviews, ein Featurette über die visuellen Effekte und die Filmmusik, sowie Trailer und die Original-Eröffnungssequenz.

Im Jahr 1996 entstand mit FLUCHT AUS L.A. eine Fortsetzung, welche eigentlich mehr ein Remake darstellt, nur das die Handlung nach Los Angeles verlegt wurde. John Carpenter führte wieder Regie, Kurt Russell war abermals als Snake Plissken in der Hauptrolle zu sehen. Der Film konnte zu keiner Zeit an den Erfolg und die Qualität des Originals heranreichen.

Fazit:
John Carpenters DIE KLAPPERSCHLANGE (1981) ist einer der Klassiker des dystopischen Sci-Fi-Kinos und prägte das Genre in den 1980ern nachhaltig. Zwischen grandiosen visuellen Effekten und stimmungvollen Bildern, tigert Kurt Russell cool as Hell durch das verkommene New York. Das ist großartig in Szene gesetztes Genre-Kino, welches in keiner Sammlung fehlen sollte!

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