Late Night – Die Show ihres Lebens (2019) – ab 09. Januar als Blu-Ray, DVD & VoD erhältlich!

Dass Frauen es in einer von Männern dominierten Branche nicht gerade leicht haben, ist auch heutzutage keine Seltenheit. Dass aber auch die weibliche Zunft in diesem Zusammenhang nicht fehlerfrei ist, erörtert Nisha Ganatra mit ihrer bissigen Komödie LATE NIGHT – DIE SHOW IHRES LEBENS (2019) auf kluge und erstaunlich unterhaltsame Weise. Universal veröffentlicht den Film mit Emma Thompson als narzisstische Moderatorin nun im Heimkino, was uns eine dicke Empfehlung wert ist.

Originaltitel: Late Night

Drehbuch: Mindy Kaling
Regie: Nisha Ganatra

Darsteller: Emma Thompson, Mindy Kaling, Hugh Dancy, John Lithgow, Reid Scott, Denis O’Hare…

Artikel von Christopher Feldmann

Wenn man im aktuellen Late Night-Showgeschäft nach weiblichen Stärken sucht, wird das Ergebnis relativ dünn ausfallen. Während Hosts wie Jimmy Fallon, Jimmy Kimmel, Steven Colbert oder Conan O’Brien für beliebtes Abendprogramm sorgen, Weltstars in ihren Sendungen zum Stelldichein begrüßen und damit hohen Zuschauerzuspruch einfahren, sind Frauen in dieser Zunft chronisch unterbesetzt. Sind Frauen wirklich schlechtere Moderatorinnen und weniger lustig als Männer? Mit nichten! Drehbuchautorin und Schauspielerin Mindy Kaling räumt mit dieser Behauptung auf und diskutiert dabei auf ganz charmante Art und Weise das aktuelle Zeitgeschehen rund um MeToo, Diversität und toxisches Arbeitsklima. LATE NIGHT (2019) ist eine herrlich erfrischende Komödie, die gekonnt das Showgeschäft aufs Korn nimmt und dabei erstaunlich smarte Aussagen trifft. In meinen Augen, eine der besten Feel Good-Filme des vergangenen Kinojahres.

Handlung:
Katherine Newbury (Emma Thompson) ist eine preisgekrönte Late Night-Moderatorin, die es geschafft hat, sich in den letzten 20 Jahren gegen ihre männlichen Kollegen zu behaupten und mit qualitativen Beiträgen und bissigem Humor einen Namen zu machen. Allerdings befindet sich die allabendliche Show seit ein paar Jahren im Fall. Die Quoten gehen immer mehr zurück, was vor allem an Katherines Unfähigkeit liegt, sich dem Mainstream anzupassen und auch mal “nur” leichte Unterhaltung zu machen, weshalb ihr nun die Absetzung droht. Da die herrische, narzisstische und gnadenlos selbstsichere Moderatorin ihre Show um jeden Preis behalten will und sich gleichzeitig den Vorwurf gefallen lassen muss, ihr Autoren-Team würde nur aus weißen Männern bestehen, sieht sie sich gezwungen eine Frau einzustellen, möglichst mit einem etnischen Hintergrund. Da kommt die indische Fabrikarbeiterin Molly (Mindy Kaling) gerade recht. Sie bringt frischen Wind in das angestaubte Konzept und hält Katherine den Spiegel vor. Somit erkennt die, sonst mit allen Wassern gewaschene, TV-Ikone langsam, dass sie in all den Jahren genau zu Dem geworden ist, gegen das sie in all den Jahren eigentlich angekämpft hat.

LATE NIGHT wandelt irgendwo auf den Spuren von DER TEUFEL TRÄGT PRADA (2005). In beiden Filmen dreht sich die Handlung um eine eisige, unnahbare Chefin, die von einem jungen Protege Menschlichkeit vermittelt bekommt. Während das Meryl Streep-Vehikel in der Modebranche angesiedelt ist, fokussiert sich die spritzige Komödie von Nisha Ganatra auf das, von Männern dominierte, Showgeschäft. Katherine Newbury bewegt sich ungefähr zwischen Miranda Priestly und Ellen DeGeneres und wird als über den Dingen stehende Show-Women dargestellt, die in all den Jahren selbst in die Rolle geschlüpft ist, die eigentlich immer kritisiert wird. Die, eines klassischen Mannes. So feuert Katherine einen Mitarbeiter, der um eine Gehaltserhöhung bittet (und vergleicht dessen Verlangen nach mehr Geld für seine Familie mit der Sucht eines Drogenabhängigen) und lehnt es generell ab, sich die Namen ihrer Autoren zu merken, weshalb sie diese auch einfach durchnummeriert, wenn sie mal alle paar Jahre persönlichen Kontakt mit ihnen hat.

Dem gegenüber steht Molly, eine indisch stämmige Fabrikarbeiterin, die den Job als Comedy-Autorin nur bekommt, weil sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und deshalb von ihren männlichen Kollegen kritisiert wird. LATE NIGHT dreht die bewehrten Elemente der Geschlechterkomödie um und ersetzt den männlichen Part einfach durch eine weiße Frau gehobenen Alters. Der Film ist Satire und Feel Good-Komödie zugleich, liefert gute Denkanstöße und unterhält dabei auf ganzer Linie. Das ist schon mehr, als die meisten Filme dieses Genres sonst so leisten. Die Handlung verläuft dabei in erwartbaren Bahnen, was vermutlich so das einzige ist, was ich zu kritisieren habe, denn vorneherein ist natürlich klar, wie der Film endet, beziehungsweise enden muss. Auch wenn manche Kritiker bemängeln, dass LATE NIGHT durchaus etwas bissiger und fieser hätte sein können, mochte ich den leichten Ton der Geschichte. Mindy Kalings Drehbuch baut nie zu viel Schwere auf, sondern erweist sich als äußerst leichtfüßig und harmonisch, bietet nebenbei aber auch tolle, knackige Dialoge und einen guten Sinn für Wortwitz. Denn die Comedy resultiert aus den schlagfertigen und spielfreudigen Schauspielern und nicht aus plumpen Witzen und abgelutschtem Slapstick.

Allein Emma Thompson ist schon eine Sichtung dieses Film wert. Als Grand Dame des Late Night-Geschäfts rockt die britische Schauspielerin absolut die Hütte. Mit sarkastischen, narzisstischen und bissigen Sprüchen sorgt sie für die meisten Lacher, bleibt aber in ruhigen Momenten immer noch warmherzig genug, um sympathisch zu wirken. Ihre Figur ist wohl die ambivalenteste von allen. Zwar ist Katherine eine selbstbewusste Frau, genießt aber ihre persönliche Domäne über ihre Kollegen, weshalb sie keine Frauen mag. Mindy Kaling liefert als Sonnenschein Molly, die Schwung in die angestaubte Bude bringt, eine herzallerliebste Performance ab und überzeugt durch ihre warme Ausstrahlung. Des weiteren sind Nebenrollen noch mit Hugh Dancy und Reid Scott besetzt, die für einen amüsanten und auch smarten Twist in Sachen Romantik sorgen. Schauspiel-Veteran John Lithgow ist ebenfalls in der Rolle von Katherines Ehemann dabei und eher für die gefühlvollen Momente zuständig.

Das Interessante an LATE NIGHT ist nicht nur die funktionierende Ebene einer leichtfüßigen Show-Komödie, deren Rom-Com Elemente erfreulicherweise im Hintergrund bleiben, sondern die Aussagen, die in Bezug auf die Feminismus-Debatte getroffen werden. Katherine Newbury ist zwar eine Frau, hat sich aber nie mit Frauen solidarisiert, da sie zu sehr damit beschäftigt war, ihre Karriere in einer von Männern bevölkerten Branche voranzutreiben. Sie ist genau zu dem geworden, was sie in ihren Anfangstagen kritisiert hat und hält sich immer noch für eine Feministin, in dem sie Spitzen über US-amerikanische Politiker in ihrem Stand-Up-Monolog zum Besten gibt. Erst Molly zeigt ihr, dass sie nicht nur moderner und publikumsorientierter arbeiten muss, sondern auch über die Dinge reden soll, über die nur sie reden kann. Kalings Skript befürwortet Frauen in hohen Positionen, gleichberechtigt, legt aber auch den Finger in die Wunde, um zu zeigen, dass man auch als Frau etwas leisten muss, um sich Relevanz zu verschaffen. Es reicht eben nicht nur einer Minderheit anzugehören. Das lässt sie auch ihre Figur Molly spüren, als diese von einem Kollegen in den Senkel gestellt wird, der ihr sagt, dass es schön für sie als Frau ist, den Job bekommen zu haben, jetzt aber auch zeigen muss, dass sie ihn verdient. Für solche Aussagen bin ich anno 2020 sehr dankbar.

Die Blu-Ray aus dem Hause Universal hat neben dem Film noch etwas Bonusmaterial zu bieten. Zusätzlich zu dem Trailer, gibt es noch zwei Featurettes, unter anderem über weibliche Comedians, und ein Making-Of.

Fazit:
Nisha Ganatras leichtfüßige, wie auch angenehm bissige Komödie LATE NIGHT (2019) ist eines der ganz großen Highlights des vergangenen Kinojahres, was aber nur die Wenigsten wirklich wahrgenommen haben. Der Film liefert smarte Denkanstöße zur Feminismus-Debatte, kokettiert mit MeToo und nimmt dabei auf unterhaltsame Art und Weise das Show-Geschäft aufs Korn. Auch Abseits des Subtexts funktioniert das Ganze als gut geschriebene, launige und vor allem leichtfüßige Feel Good-Comedy, die zwar nach erwartbarem Muster verläuft aber prächtig unterhält. Klare Kaufempfehlung!

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