Dollman vs. Demonic Toys (1993) – Ab sofort in der Reihe “Full Moon Classic Selection” als Nr. 6 auf Blu-ray im Handel erhältlich

Recycling ist, in Zeiten von plastikverschmutzten Weltmeeren, wichtiger denn je. Das hat auch Charles Band mit seiner FULL MOON Schmiede erkannt und zauberte daher ein Crossover aus seinen Werken DOLLMAN, DEMONIC TOYS und BAD CHANNELS. Angereichert mit neu gedrehten Szenen schuf er so ein ganz neues Meisterwerk des Direct-to-Video-Horrors. Doch vorsicht, wer seine Freunde zu einem gemeinsamen Videoabend einlädt und nur diesen Film parat hat, dessen Bude ist ganz schnell wieder leer. Die Laufzeit des Film-Potpourries beträgt nämlich lediglich eine gute Stunde. Positiv daran ist, dass die Freundin somit kaum Gelegenheit mehr zum Einschlafen vor der Glotze hat und einem After-Film-Beischlaf nichts im Wege stehen dürfte. Danke hierfür, WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH.

Alter Videotitel: Tod im Spielzeugland

Regie: Charles Band

Darsteller: Tim Thomerson, Tracy Scoggins, Melissa Behr, R.C. Bates

Artikel von Christian Jürs

Wie eingangs erwähnt, offenbart der Blick aufs Backcover die gnadenlose Laufzeit von 64 Minuten, full uncut versteht sich. Es ist zwar schon spät (ca. 23 Uhr) und morgen um 8 Uhr ist Dienstbeginn, aber bis Mitternacht halte ich ganz sicher durch. Also Scheibe aus der Hülle gepult, eine Fritz Cola zur einschlafverhindernden Koffeinaufnahme geöffnet und rein damit in die Playsi (also die Blu-ray, um Himmels Willen nicht die Cola). Nach dem Wicked Vision– und Full Moon-Logo geht´s direkt ins Hauptmenü ohne nervige Zwangstrailer. Das wünsche ich mir auch mal, wenn ich eine Scheibe aus dem Hause Disney einlege. Also flugs auf Filmstart gedrückt und einen Schluck aus der Flasche genommen. Es gilt schließlich, keine Zeit zu verlieren, bevor die bleiernde Müdigkeit doch noch einsetzt.

Gleich zu Beginn überrascht der Film mit einer Vorspannsequenz, die volle 4 Minuten in Anspruch nimmt. Unterlegt mit farblich verfremdeten Bildern aus den Vorgängerfilmen, laufen die Credits mit John Carpenter-Fonts (die sofort an dessen ungleich besseren Werke erinnern) gemächlich über den Bildschirm. Irgendwie ermüdent, also noch ein Schluck Cola in den Rachen gekippt. Dann endlich beginnt der Hauptfilm. Doch auch jetzt gibt es erstmal einen kleinen Rückblick auf den Zwergencop Brick Bardo (Tim Thomerson) mit Szenen aus dem im letzten Jahr von uns besprochenen Dollman – Der Space Cop. Der ist, hier noch einmal kurz erklärt, ein auf der Erde gestrandeter Weltraum-Cop, dessen Körpergröße durch ein Missgeschick auf die einer He-Man-Figur dezimiert wurde. Seine damalige Wegbegleiterin Debi Alejandro, die einst von Kamala Lopez verkörpert wurde, fehlte in den Anfangscredits und taucht daher auch nur kurz im Stock-Footage des Vorgängers auf. Nein, Brick ist einsam und allein und da ein Mann seinen Saft irgendwann mal rauslassen muss, sucht er die ebenfalls auf Barbiepuppengröße geschrumpfte Krankenschwester Ginger (Melissa Behr) auf. Diese wurde einst von einem Außerirdischen geschrumpft. Am Ende ihres Auftritts in Bad Channels, der zur Videothekenzeit bei uns als Cosmo veröffentlicht wurde, wurde sie zwar wieder als geheilt und normalgroß in die Menschenwelt entlassen, aber so eine Kleinigkeit interessiert Maestro Charles Band einen feuchten Kehricht, weswegen die meist knapp bekleidete Schönheit nun wieder im Miniaturformat ihr dasein fristet. Ich hab auch nix dagegen, denn gegen den in die Jahre gekommenen Thomerson hilft nur ein freier Blick auf die blonde Bettgesellin des smarten Zwergencops. Mir fällt lediglich auf, dass ihr Outfit ausschaut, wie eines meiner Geschirrhandtücher. Doch irgendwie passt das, lebt sie doch in einer Küche wo ein Keks für sie mehr als eine Hauptmahlzeit darstellt. Es ist laut Alexa ca. 23:15 Uhr, als beide in der Kiste landen. Leider mit weniger nudity seitens Frau Behr als erhofft. Shame on you, Mr. Band.

Vielleicht besteht ja noch Hoffnung, etwas mehr weibliche Rundungen in meinem Late Night Movie zu erhaschen, denn Tracy Scoggins steht ja auch noch ganz vorne mit im Cast und darf ihre Rolle aus dem Demonic Toys Film wiederholen. Hier wie dort spielt sie die Polizistin Judith Gray, die nur mit Mühe und Not den Kampf gegen die Killerspielzeuge gewinnen konnte, nachdem sie ihren Partner und Begatter bereits bei einem Undercovereinsatz verlor. Ihre Vorgeschichte bekommen wir natürlich in einer verwirrenden Rückblickmontage serviert, was Ehrensache für Herrn Band ist, um wieder etwas Laufzeit gut zu machen. Judith ahnt, dass die dämonischen Spielzeuge zurückkehren werden und schleicht daher durch ein Spielzeuglager. Natürlich soll sie recht behalten, denn zeitgleich dringt ein Penner in selbiges Lager ein und hat nichts besseres zu tun, als auf einem Kinderdreirad Kreise zwischen den Regalen zu ziehen. Dabei stellt sich der Mann recht ungeschickt an und kippt hilflos zur Seite. Was bei Kleinkindern zu minimalen Prellungen und ein bisschen weinen führen würde, sind die Verletzungen des Penners wesentlich schwerer, ja, sogar tödlich. Irgendwie (ich frag mich, “wie denn bitte?”) ist der Mann auf seinen Kopf gefallen und blutet sogleich geschätzte 40 Liter Kunstblut aus, die sogleich anfangen, grün zu blitzen und die Spielzeugbande zurück in die Welt der Full Moon Filme holen. Die Cola ist mittlerweile leer und mein Gehirn wünscht sich, bei all dem Unfug schnell einschlafen zu können, doch Koffein sagt “nein”.

Bei den Spielzeugen ist ein Neuzugang festzustellen, nämlich die an G.I. Joe angelehnte Puppe Zombietoid, die mit ihrem Kinskiblick ein Muss für jedes Kinderzimmer darstellt. Dafür glänzt der Grizzly Teddy durch Abwesenheit. Unsere tapfere Polizistin versucht jedenfalls, die kleine Bande des Schreckens aufzuhalten, die durch einen Lüftungsschacht zu entkommen versucht. Doch auch ihre gefühlt zwanzig Schüsse in selbigen Schacht können die Killerpuppen nicht stoppen. Was läge da näher, als bei Brick und Ginger Hilfe zu suchen? Nun, wahrscheinlich eine ganze Menge, aber dann hätten wir kein Crossover. So machen sich die Helden gemeinsam auf die Jagd, die in nunmehr ca. 30 Minuten bereits Geschichte sein wird…

Gleich vorweg, Tracy Scoggins, die in ihrer Filmographie so einige Erotikthriller verzeichnen kann, bleibt durchweg hochgeschlossen angezogen. Ein lautes “Buuuh” dafür in Richtung von Charles Band. Insgesamt fällt der Film, der einst als Tod im Spielzeugland bei CIC Video erschien, ziemlich jugendfrei aus. Kein Arsch, kein Tittchen und auch kein bisschen Splatter erwartet den Genrefan. Das wäre alles halb so wild, wenn wenigstens Witz oder Spannung vorhanden wären. Doch die lahmen Witzchen aus dem Mund des Miniaturcops und von Hauptkiller Baby Oopsie-Daisy (!!!) fallen dermaßen flach aus, dass wohl kaum ein Mundwinkel auf der heimischen Couch nach oben zucken dürfte. Spannend ist die Puppenhatz auch nicht, sondern ein ganz müder Schmarrn.

Schade eigentlich, denn alle drei Vorbilderfilme hatten ihren Charme. Insbesondere Bad Channels wusste mir zu gefallen, wurde bislang jedoch leider noch nicht in der Full Moon Classic Selection veröffentlicht. Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, bleibe ich da erstmal zuversichtlich. Dollman vs. Demonic Toys ist jedenfalls ganz dreistes Abkassieren von Charles Band, da nur ca. 40 Minuten an Neumaterial verwendet wurden. Dass der Abspann natürlich ebenfalls episch lang ausfällt, brauche ich wohl nicht erwähnen.

Die Blu-ray von Wicked Vision ist, wie bislang bei allen Filmen dieser Reihe, hingegen über jeden Zweifel erhaben. Bild und Ton bieten die bestmögliche Qualität (das Bild der 90er Full Moon Schinken ist immer etwas schmierig). In Sachen Extras punktet die Scheibe mit folgendem: ein Wendecover mit Original-Artwork, ein Audiokommentar mit Darsteller Tim Thomerson und Regisseur Charles Band, die dazugehörige Original Videozone Episode, ungekürztes „Hinter den Kulissen“-Material aus den Full-Moon-Archiven und den Originaltrailer.

Sammler der Full Moon Classic Selection kommen nicht um den Kauf herum. Alle anderen sollten vielleicht eher zu einem anderen Teil der Reihe (Mein Tipp: Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes) greifen.

Trailer:

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