Airport (1970) – ab sofort als Blu-Ray in der “Airport-Edition” erhältlich!

Bringen sie ihre Sitze in eine aufrechte Position, schnallen sie sich an und klappen sie ihre Tische hoch, denn wir wagen vier ereignisreiche Flugrunden mit den Top-Stars Hollywoods. Mit der “Airport-Edition” beglückt Koch Films alle Freunde des klassischen Katastrophenfilms, denn das Label hat alle vier Filme der legendären AIRPORT-Reihe in eine schicke Blu-Ray Box gepackt. Grund genug, die vor Prominenz strotzenden Streifen noch einmal zu sichten. Den Anfang macht der selbstredend der Erstling aus dem Jahr 1970. Guten Flug!

Originaltitel: Airport

Drehbuch: George Seaton; nach dem gleichnamigen Roman von Arthur Hailey
Regie: George Seaton

Darsteller: Burt Lancaster, Dean Martin, Jean Seberg, Jacqueline Bisset, Helen Hayes, George Kennedy, Van Heflin, Maureen Stapleton, Barry Nelson…

Artikel von Christopher Feldmann

Das Genre des Katastrophenfilms hat eine lange Geschichte, erschien doch der erste Film, der den klassischen Strukturen dieser Art folgt, bereits im Jahr 1936 unter dem Titel SAN FRANCISCO. Die erste große Welle brach aber erst in 1950ern über die Zuschauer herein, als die Studios, als Konkurrenz zum Fernsehen, auf großes Spektakel setzte, was nicht selten durch Elemente aus den Genres Science-Fiction und Horror ergänzt wurde. Das eigentliche Jahrzehnt des Katastrophenfilms waren aber die 1970er Jahre. Während sich das New Hollywood darauf einschoss, das desillusionierte Lebensgefühl einer verunsicherten Gesellschaft zu thematisieren, konterten die Major-Studios mit möglichst aufwendigen Spektakeln, in denen es viele Effekte und noch mehr Stars zu sehen gab. Nicht umsonst erlangten diese Filme dadurch Bekanntheit, dass sie mit einer renommierten Besetzung punkten konnten. AIRPORT (1970) gilt gemeinhin als die Mutter des Katastrophenfilms. Dabei setzt die Romanverfilmung (die Vorlage von Arthur Hailey war ein absoluter Bestseller, gar nicht mal so sehr auf blanke Effekthascherei, sondern präsentiert dem Zuschauer fast schon eine Charakterstudie, die sich im Dunstkreis eines bevorstehend Flugunglücks bewegt.

Handlung:
Während der Lincoln International Airport von einem schweren Schneesturm heimgesucht wird, ist Flughafendirektor Mel Bakersfeld (Burt Lancaster) damit beschäftigt, den Betrieb so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Sehr zum Leidwesen seiner, sich vernachlässigt fühlenden, Frau Cindy (Dana Wynter), die ernsthaft eine Scheidung in Erwägung zieht. In der Zwischenzeit wird der Flug  TGA-707 Richtung Rom vorbereitet, den die Piloten Vernon Demerest (Dean Martin) und Anson Harris (Barry Nelson) fliegen werden. Was die Verantwortlichen nicht wissen: Ein von Selbstmordabsichten geplagter Passagier (Van Heflin) besteigt ebenfalls die Maschine und hat vor sein Leben durch eine eingeschmuggelte Bombe zu beenden. Während seine Frau (Maureen Stapleton) das Flughafenpersonal und Bakersfeld in Kenntnis setzt, ereignen sich an Bord der Maschine dramatische Szenen.

Auch wenn es bereits zuvor Katastrophenfilme in den Kinos zu sehen gab, gilt AIRPORT als DER Klassiker dieses Genres und war stilbildend für spätere Produktionen. Dabei ist es durchaus möglich, dass der Film die einen oder anderen Erwartungen durchaus untergraben könnte. Während andere Vertreter mehr und mehr das Spektakel in den Vordergrund setzten und dies, neben den imposanten Besetzungen, gezielt für das Marketing nutzten, ist der, von George Seaton inszenierte Film, deutlich geerdeter und charakterorientierter als so manche Kollegen, die in den Folgejahren entstanden. Das liegt vor allem an der Tatsache, dass es sich hier um eine Romanverfilmung handelt, dessen Vorlage ihr Augenmerk größtenteils auf die Figuren und deren persönliche Probleme legt. Diese Elemente finden auch im Film ihren Platz und sind um das drohende Unglück herum angesiedelt, wenn auch dieses den Höhepunkt von AIRPORT darstellt.

Wir beschäftigen uns als Zuschauer zum Beispiel natürlich mit dem Flughafendirektor Mel, der praktisch seine ganze Zeit mit seiner Arbeit verbringt, was ihn letztendlich die Ehe kosten könnte. Auch innere Zerrissenheit von TGA-Public-Relations-Chefin Tanya wird beleuchtet, die ein anderes lukratives Angebot in Aussicht hat aber doch starke Gefühle für Mel hegt, der diese nicht wirklich erwidert. Mels Schwager, der Pilot Vernon, hingegen hat eine heimliche Affäre mit der Flugbegleiterin Gwen, die auch noch ein Kind von ihm erwartet. Das sind nur einige der kleinen Dramen, die sich im Film abspielen und durch die verhängnisvollen Ereignisse im Flugzeug noch mehr Gewicht bekommen. AIRPORT ist über weite Strecken mehr ein Drama, als ein waschechter Katastrophenfilm, was ihn aber dadurch nicht schlechter macht. Im Endeffekt wahrscheinlich sogar besser.

Und trotzdem geizt der Film nicht mit Spannung, denn diese wird über die Laufzeit hinweg konsequent aufgebaut. Wenn wir den Passagier Guerrero kennen lernen, wissen wir als Zuschauer genau, was er vor hat. Damit sind wir den Figuren weit voraus, was den Suspense in bester Hitchcock-Manier bis auf die Spitze treibt und sich letztendlich entlädt. Trotz kleiner Längen kann der mittlerweile 50 Jahre alte Film auf dieser Ebene noch vollends überzeugen. Lediglich zwei kleine Handlungsstränge wurden für die Adaption gekürzt, ansonsten hielt man sich recht eng an den zu Grunde liegenden Roman.

Auch in Sachen Staraufgebot war AIRPORT wegweisend, da nachfolgende Produktionen, wie auch die AIRPORT-“Sequels”, immer mehr auf ein möglichst hochkarätiges Ensemble setzten. Schon hier geben sich Hollywood-Ikonen wie Burt Lancaster, Jean Seberg, Dean Martin, Jacqueline Bisset und George Kennedy die Ehre, ein Cast, für den man damals noch ins Kino gerannt ist. Sie alle spielen ihre Rollen mit Bravour und beweisen, dass ihr Statuts absolut gerechtfertigt ist. Auch in Sachen Inszenierung kann der Film immer noch überzeugen. Auch wenn an manchen Darstellungen etwas der Zahn der Zeit genagt hat, die Miniaturen und Flugzeug-Szenen sind immer noch gute alte Hollywood-Schule, die immer noch ihren Glanz hat. Man muss sich eben nur in Sachen Dramaturgie etwas mehr auf den Film einlassen und darf keinen Actionfilm erwarten, denn AIRPORT bricht auf wohlige Weise mit heutigen Sehgewohnheiten. So etwas war damals ein Blockbuster und wurde seiner Zeit sogar für zehn Oscars nominiert, von denen allerdings nur Helen Hayes eine Trphäe als beste Nebendarstellerin mit nach Hause nehmen durfte. Zehn Jahre später wurde das Ganze auch in dem Comedy-Klassiker DIE UNGLAUBLICHE REISE IN EINEM VERRÜCKTEN FLUGZEUG (1980) gekonnt auf die Schippe genommen.

Koch Films hat dem Meilenstein, mitsamt Nachfolgern, nun eine schöne Blu-Ray-Edition spendiert, die alle vier AIRPORT-Filme in einer Collection und in frischem HD vereint. Bild- und Ton sind, wie von Koch gewohnt, erste Sahne, im Bonusmaterial finden sich hingegen Trailer, Super 8-Fassung und eine Bildergalerie.

Fazit:
AIRPORT (1970) ist klassisches Hollywood-Kino mit Staraufgebot, welches nicht zur bloßen Effekthascherei verkommt, sondern ein starkes Drama erzählt, dass mit vielen starken Momenten punktet und von tollen Schauspielern dargeboten wird. Der Film gilt zurecht als Klassiker und ist stilbildend für ein ganzes Genre. Ein Film, den man als Filmfan eigentlich gesehen haben sollte.

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