I Spit on Your Grave: Deja Vu (2019) – ab sofort als Mediabook (Blu-Ray+DVD) erhältlich!

1978 ließ Regisseur und Autor Meir Zarchi seinen “Rape & Revenge”-Exploiter I SPIT ON YOUR GRAVE von der Leine und schuf damit eine filmische Kontroverse, die zum verrufenen Klassikers des Grindhouse-Kinos avancierte. 40 Jahre und ein Remake, inklusive zwei Nachzügler, später, legt der gar nicht mal so produktive Filmemacher mit I SPIT ON YOUR GRAVE: DEJA VU (2019) ein offizielles Sequel zum Original nach. Ob der Streifen, in dem auch die damalige Hauptdarstellerin Camille Keaton zu sehen ist, für ähnlichen Diskussionsstoff sorgen wird, erfahrt ihr in unserer Kritik, denn der Film ist seit Kurzem exklusiv als Mediabook im Handel erhältlich!

Originaltitel: I Spit on Your Grave: Deja Vu

Drehbuch & Regie: Meir Zarchi

Darsteller: Jamie Bernadette, Camille Keaton, Maria Olsen, Jim Tavaré, Jonathan Peacy, Jeremy Ferdman…

Artikel von Christopher Feldmann

Das “Rape & Revenge“-Genre bedarf eigentlich keiner weiteren Erklärung, die Bezeichnung dürfte wahrscheinlich aussagekräftig genug sein. Die Initialzündung dieser Spielart lieferte der gar nicht mal so unbekannte Wes Craven mit seinem Debüt-Film THE LAST HOUSE ON THE LEFT (1972), der damals auf schockierend nüchterne Art und Weise den Leidensweg eines jungen Mädchens nachzeichnete. Doch waren es am Ende die trauernden Eltern, die das Gesetz selbst in die Hand nahmen, um ihre Tochter grausam zu rächen. Craven gelang mit seinem Low-Budget-Film ein Achtungserfolg und stachelte einige Trittbrettfahrer an, die sich bei diversen Motiven bedienten. Besonders im Exploitationfilm der 1970er Jahre wurde dieses Thema häufig verwendet, zumeist angereichert mit noch mehr Sex und entsprechend auch mehr Gewalt. Der Regisseur, Autor und Produzent Meir Zarchi lieferte schließlich mit I SPIT ON YOUR GRAVE (1978) DEN Klassiker dieses kontroversen Genres und sorgte für hitzige Diskussionen. Kann man es noch als Unterhaltung bezeichnen, wenn ein Film über eine halbe Stunde die Vergewaltigung einer Frau “zelebriert”? Ein Punkt über den gerne mal gestritten wird, denn während viele Kritiker den Streifen als “Schund” oder “spekulatives Machwerk” abwatschen, verteidigen Fans oftmals die feministischen Töne, denn immerhin rächt sich die geschundene Protagonistin grausam an ihren Peinigern, den degenerierten, misogynen Männern. Die Wahrheit liegt vielleicht irgendwo dazwischen.

I SPIT ON YOUR GRAVE gehört auch heute noch zu den Titeln, die hierzulande ein Dasein auf der Liste der beschlagnahmten Filme fristen und genießt einen gewissen Kult-Status unter Genre-Fans und Grindhouse-Gourmets, weshalb im Jahr 2010 auch ein gleichnamiges Remake entstand, dass in Sachen Gewaltdarstellung sogar noch härter geraten ist und, wie auch die Fortsetzung aus dem Jahr 2013, von den Behörden einkassiert wurde. Lediglich der abschließende Teil der Remake-Trilogie aus dem Jahr 2015 hatte es etwas leichter. Während diese Filme zum Renner im Heimkino avancierten, sah sich der Original-Regisseur wohl bestätigt, sein eigenes Süppchen zu kochen. Unter dem Titel I SPIT ON YOUR GRAVE: DEJA VU (2019) hat dieser ein eigenes Sequel produziert, welches an das 40 Jahre alte Original anknüpft. Ob das wirklich nötig war, darf gerne bezweifelt werden, vielleicht wäre die Filmwelt auch ein besserer Ort, wenn er von diesem Vorhaben abgesehen hätte.

Handlung:
Vor 40 Jahren musste Jennifer Hills (Camille Keaton) ein Martyrium durchleiden, als sie von vier Männern auf dem Lande brutal misshandelt, vergewaltigt und zum sterben zurückgelassen wurde. Sie nahm das Gesetz schließlich selbst in die Hand und tötete ihre Peiniger auf grausame Art und Weise. Nachdem sie vor Gericht freigesprochen wurde, schrieb sie ihre Erlebnisse in einem Buch nieder, der zum Bestseller wurde und ist seitdem als Coach für Vergewaltigungsopfer tätig. Doch die Verwandten der Täter sind noch immer auf Rache aus und so kommt es schließlich, dass Jennifer, mitsamt Tochter Christy (Jamie Bernadette) entführt wird, damit die geschundene Frau ihrer gerechten Strafe zugeführt wird.

Ich spare mir an dieser Stelle jegliches Urteil zum Original, der nicht zu unrecht einen umstrittenen Ruf genießt. I SPIT ON YOUR GRAVE war noch nie ein Film, der mich besonders gereizt hat, da ich quälend langen Vergewaltigunsszenen nicht sonderlich viel abgewinnen kann. Ein Film, den ich gesehen habe aber nicht unbedingt nochmal sehen muss. Auf die Fortsetzung trifft das ebenfalls zu, auch die muss ich nicht nochmal sehen und ich bereue sogar, sie überhaupt gesehen zu haben.

DEJA VU frühstückt die klassischen Motive des “Rape & Revenge“-Genres ab, was keine Kritik ist, sind die Grenzen dieses Themas ohnehin eng gesetzt. Was Meir Zarchi hier allerdings auffährt, ist schonungslos mieses Laientheater der übelsten Sorte. Schon die Story weißt einige, kaum zu ignorierende Ungereimtheiten auf. Soll ich allen ernstes glauben, dass sich durchgeknallte, nach Rache dürstende Hinterwäldler 40 Jahre Zeit lassen, um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen? Eher nicht. Das Ding mit der Zeit ist ebenso eine Sache für sich, denn hier will das so gar nicht passen. Sämtliche Figuren, mit Ausnahme von Jennifer Hills, sind definitiv zu jung, um in die Handlung zu passen. Da hilft es auch nicht, knapp über 40 jährige auf billige Art und Weise etwas älter zu schminken, es wirkt durch die Bank unglaubwürdig. Das ist aber nicht das einzige Problem dieses Films, denn Meir Zarchi, der auch hier wieder für das Drehbuch verantwortlich war, walzt seine “Story” auf quälende 148 Minuten aus, wofür es in keinster Weise eine Rechtfertigung gibt. Eigentlich gibt der Plot maximal 90 Minuten her aber Zarchi reizt Szenen bis zum Maximum und darüber hinaus aus. Gut, dass hat er damals auch schon getan aber immerhin waren das die Exploitation-Elemente. Hier sind es belanglose Dialoge und miese Schauspielleistungen, die in die ewige Länge gezogen werden.

Dieser Umstand sorgt für bitteres Stirnrunzeln und quälende Langeweile, denn so hart und spekulativ wie das Original oder das 2010er Remake ist das Sequel bei Weitem nicht. Gore gibt es kaum und auch die obligatorische Vergewaltigung, die im Genre ja zum guten Ton gehört, sind alles andere als interessant oder gar kontrovers. Von einer Fortsetzung zu einem berüchtigten “Video Nasty” hätte ich mehr Garstigkeit und Mut erhofft, als diese laue Luftnummer, die nicht nur kolossal schlecht aufgezogen ist, sondern auch stinkend langweilig bis peinlich daherkommt.

Das liegt in erster Linie an der Besetzung. DEJA VU wartet größtenteils mit Darstellern auf, die anscheinend aus der Zweitbesetzung eines Volkstheaters vom Dorf entnommen worden sind. Gerade die Antagonisten sind augenscheinlich absolute Luftnummern, die dermaßen overacten, dass dem Zuschauer Augen und Ohren bluten. Vor allem Maria Olsen, die als Witwe eines Täters von damals auftritt, ist unerträglich und sieht aus, als hätte sich Madame Medusa aus dem Disney-Klassiker BERNARD UND BIANCA (1977) im Hinterland niedergelassen und 40 Jahre Crack konsumiert. Die restlichen Knallchargen sind alberne Abziehbilder von generationsübergreifendem Inzest und spielen auch dementsprechend. Ganz nett ist, dass Camille Keaton noch einmal in die Rolle der Jennifer Hills schlüpft, auch wenn sie nicht wirklich lange im Film ist. Die eigentliche Hauptrolle spielt Jamie Bernadette, eine semi-talentierte Darstellerin, die ein angesagtes Model verkörpert, dafür aber augenscheinlich schon 15 Jahre zu alt ist. Inszenatorisch ist DEJA VU nicht weniger uninteressant. Billig auf Digitalfilm hingerotzt, filmt Zarchi seine Szenen ohne Gespür für Atmosphäre ab. Während das Original immerhin noch unangenehm ist, lässt das Sequel jegliche Emotionalität vermissen.

Nameless Media hat, in Zusammenarbeit mit Tiberius Film, den Streifen nun exklusiv im Mediabook veröffentlicht. Bild- und Ton sind, gemessen an der Produktion, sauber, Freunde von Extras werden allerdings enttäuscht. Bis auf ein Booklet und Trailer ist die Edition eher mager und wer ungefähr weiß, welche Preise bei einem Label wie Nameless Media (die aber auch immer wieder tolle Veröffentlichungen auf den Markt bringen) verlangt werden, sollte um diesen Streifen wahrscheinlich einen Bogen machen. I SPIT ON YOUR GRAVE: DEJA VU ist kein Mediabook wert!

Fazit:
I SPIT ON YOUR GRAVE: DEJA VU (2019) ist das Sequel auf das keiner gewartet hat. Mit einer quälenden Langatmigkeit, spult Regisseur Meir Zarchi seine spannungsarme dilettantisch geschriebene und furchtbar gespielte “Rape & Revenge“-Fantasie in viel zu langen 148 Minuten ab. Ein Film, den man weiträumig umfahren sollte!

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