Death Wish – Ein Filmbuch sieht rot (2020) – Ab sofort in jedem gut sortiertem Buchhandel erhältlich

Glaubt Ihr an Jesus? Ja? Nun, ist eigentlich auch scheißegal. Aber würde Jesus Bücher lesen, dieses neue Sachbuch aus dem Hause WUZI, welches sich Intensiv mit der legendären DEATH WISH-Reihe und ihrer Auswirkung auf die darauf folgende Filmlandschaft beschäftigt, würde ganz sicher in seinem Bücherregal stehen. Okay, mit dem fünften Gebot nimmt es der erfolgreiche Architekt Paul Kersey nicht ganz so genau, doch es waren die Anderen, die das erste Blut vergossen haben. Ob Ehefrau, Tochter, Armeefreund, Tochter der neuen Flamme oder die neueste Schnitte im Hause Kersey, sie alle müssen über die Klinge springen, damit Paule sich veranlasst sieht, zur Knarre zu greifen, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Ich habe mir den Wälzer während mehrerer Toilettensitzungen durchgelesen und habe bereits im Vorwort eine Riesenüberraschung erlebt, die jegliche Form von Verstopfung umgehend lockern ließ. Welche dass ist, erfahrt Ihr aber erst im Artikel…

Autoren: Dominik Starck, Florian Wurfbaum, Kevin Zindler, Matthias Bogner, Kristijan Škrobo, Peter Osteried, Christoph N. Kellerbach, Markus Köhler, Thomas Hortian und Clemens Eisenberger

Artikel von Christian Jürs

Als Baujahr 1975 gehörte ich Mitte der Achtzigerjahre zu der Generation, die ihre Medienbildung aus der Videothek um die Ecke heraus bezog. Erstaunlicherweise waren meine Eltern einverstanden, wenn meine Nachhilfelehrer am Nachmittag die Namen Chuck Norris, Clint Eastwood, Arnold Schwarzenegger oder Sylvester Stallone trugen. Lediglich bei Charles Bronson gab es Einschränkungen, denn die Vergewaltigungsthematik der Ein Mann sieht rot – Reihe sollte tatsächlich nicht auf meinem Stundenplan stehen. So durfte ich zunächst nur die Teile 3 und 4, also Der Rächer von New York und Das weiße im Auge, zum Erscheinen auf VHS sichten. Ende der Achtziger, als diese Filme schließlich auf dem Schulhof ein beliebtes Tauschmittel waren, konnten meine Eltern die Sichtung der ersten beiden Teile nicht mehr verhindern.

Natürlich bin ich nicht der einzige Wahnsinnige da draußen, der seine Jugend mit solch´ menschenverachtendem Schmutz vergeudet hat. Die Herren Dominik Starck, Florian Wurfbaum und Kevin Zindler, die ihre jungen Jahre wohl ebenfalls mit dem Sichten jugendgefährdender Videos verbrachten und heute ihr unnützes Wissen ebenfalls in Artikeln, Podcasts und ähnlichem an den Mann bringen, dachten sich nun, es wäre an der Zeit, das ultimative Buch über den guten, alten Paule Kersey zu verfassen. Also wandten sie sich an ein paar weitere Freaks, die ihnen mit Gastartikeln behilflich waren und so entstand Death Wish – Ein Filmbuch sieht rot, welches ich nun in Händen halte, um Euch zu schildern, ob es sich wirklich um das Nonplusultra in Sachen Death Wish handelt.

Ich habe Euch eine Überraschung versprochen und tatsächlich gibt es diese gleich in den ersten Seiten auf die Augen. Hier befindet sich nämlich ein Vorwort von Clemens Eisenberger (aka Playzocker Reviews), jedoch nicht in kreischig und laut, wie von diesem Herrn aus seinen Videos gewohnt, sondern sachlich und klar formuliert. Zocki kann tatsächlich schreiben. Ihr seht mich ebenso überrascht, wie Ihr es vermutlich seid. True story. Er schildert, wie er zu seiner Leidenschaft (Actionfilme, nicht Kreischanfälle) kam. Dabei geriet er allerdings erst spät an die Charles Bronson Filme. Seine Vorliebe für den dritten Teil teile ich übrigens ebenfalls.

Im Anschluss eröffnet Dominik Starck mit seiner Einleitung schließlich das eigentliche Buch. Gleich danach folgt ein Artikel über den Vigilante-Film, geschrieben von Gastautor Thomas Hortian, mit dem ich gerne des Öfteren auf der Hamburger Filmbörse Filmschnack betreibe. Sympathischer Typ, informativer Text – passt. Danach geht Peter Osteried (der nächste Gastautor) zunächst einmal auf Charles Bronson selbst ein. Satte 18 Seiten Kurzbiografie inklusive seiner kompletten Filmografie umfasst sein Artikel. Kristijan Škrobo, den wir kürzlich in unserem Podcast Frei Schnauze begrüßen durften, nennt dann noch 10 Bronson Kracher, die man unbedingt gesehen haben sollte und stellt dessen Look-a-like Robert Bronsky vor.

Auf den 13 folgenden Seiten schildert uns Dominik Starck dann die Ursprünge der Death Wish-Reihe, basierend auf dem Roman von Brian Garfield. Dabei gewährt er uns einen interessanten Blick in das Amerika der frühen siebziger Jahre. Es war die Zeit von Präsident Nixon, dem Watergate Skandal, aber auch die Geburtsstunde des New Hollywood Cinema, eine interessante Ära. Im Gegensatz zur Kinovariante hatte Autor Garfield jedoch etwas anderes im Sinn, denn in seinen Augen ist Vigilantismus keine Lösung. Ein wirklich guter Artikel.

Auf Seite 68 ist es dann endlich soweit: Florian Wurfbaum (Teil 1) und Kevin Zindler (Teil 2 – 5) widmen sich ausgiebig der Kultfilmreihe in ausführlichen Kritiken mit jeder Menge Hintergrundinfos über Cast und Crew. Auch das sechste, in seiner Planungsphase steckengebliebene Sequel Death Wish 6 – The New Vigilante, findet dabei Erwähnung. Im Anschluss folgt natürlich noch eine ausführliche Kritik zum Remake von Eli Roth, in dem Bruce Willis die Hauptrolle übernahm, verfasst von Mr. Booklet, Christoph N. Kellerbach. Diese 66 reich bebilderten Seiten bilden das Kernstück des Buches, sind unterhaltsam und informativ verfasst und decken sich ziemlich genau mit der Meinung, die ich auch zu den Filmen vertrete.

Doch damit ist Death Wish – Ein Filmbuch sieht rot natürlich noch längst nicht am Ende. Es folgt ein Bericht von Markus Köhler, der seine Kindheitserinnerungen aus der  seeligen VHS-Zeit mit uns teilt, ehe sich Matthias Bogner dem Rape and Revenge Genre widmet und Filme wie Last House on the Left oder I spit on your grave damit ebenfalls in diesem Buch abzuhandelt. Besonders interessant empfand ich Dominik Starcks Beitrag über die Rip-Offs und vom Original inspirierten Filme, die seit dem Erfolg von Death Wish den Markt überschwemmen. Ja, auch ein Klassiker wie Taxi Driver gehört dazu, immerhin behandelt er gegen Ende das Thema Selbstjustiz. Der kultige Hobo with a Shotgun mit Rutger Hauer fehlt natürlich auch nicht.

Mit einem Nachwort beenden die drei Hauptautoren Starck, Zindler und Wurfbaum schließlich das Buch, gefolgt von den üblichen Quellenangaben und Danksagungen. Mein Fazit ist, dass mir noch kein besseres Buch zum Thema Death Wish in die Finger kam. Okay, fairerweise muss ich gestehen, dass dies tatsächlich auch mein erstes Buch war (nicht allgemein, sondern zu Death Wish). Ich glaube jedoch nicht, dass sich da draußen ein ausführlicheres und vor allem unterhaltsamer geschriebenes Werk zum guten, alten Paule Kersey finden lässt. Lediglich das kultige Commodore 64 Game von Gremlin hätte ebenfalls noch ein paar Zeilen verdient, da ich dies damals rauf und runter gespielt habe. Als Ausgleich ein kleiner Screenshot:

Und jetzt kauft Euch gefälligst dieses tolle Buch, das viel mehr ist, als nur eine schlichte Klolektüre. Shame on me.

 

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