Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt! (2020) – Ab sofort im Kino

Der als Außenreporter Albrecht von Humboldt in der ZDF Heute Show auftretende Schauspieler Alexander Schubert muss einen Narren an der staubtrockenen, schwedischen Komödie “Kops” gefressen haben, denn genau dessen Story lieh er sich für sein Regiedebut, welches jetzt im Verleih von TELEPOOL in unseren Kinos startet, aus. Darin versucht eine Gruppe Kleinstadtbullen die Schließung ihres Reviers zu verhindern, indem sie durch eigens verursachte Delikte die Verbrechensquote in die Höhe schnellen lassen, was sie nach ihrer Logik unverzichtbar macht. Ob sich der verschrobene Humor der Schweden erfolgreich in unsere Gefilde übertragen ließ, erfahrt Ihr nun in unserer Kritik oder direkt im Kinosaal.

Drehbuch und Regie: Alexander Schubert

Darsteller: Erkan Acar, Sina Tkotsch, Adrian Topol, Sanne Schnapp, Bjarne Mädel

Artikel von Christian Jürs

Eine Kleinstadt in Nordrhein Westphalen. Hier wohnt der herzensgute Junggeselle Deniz (Erkan Acar). Ein unbeholfener Datingversuch in seinem Stammlokal geht allerdings gewaltig in die Hose, als er auf die Frage nach seinem Migrationshintergrund wie selbstverständlich mit “Deutsch” antwortet. Kurze Zeit später kommt er mit der hübschen Tina (Sina Tkotsch) ins Gespräch. Die Konversation verläuft hoffnungsvoller, als er jedoch auf die Frage nach seinem Beruf erwähnt, dass er bei der örtlichen Polizei arbeitet, entschwindet auch die zweite Dame geschwind aus seinem Leben.

Es soll aber nicht lange dauern, bis die Zwei erneut aufeinandertreffen. Doch so hat sich Deniz das Wiedersehen nicht vorgestellt. Tina entpuppt sich nämlich als Polizistin einer höhergestellten Behörde, die die Zweckmäßigkeit der Provinzpolizeidienststelle prüfen soll. Stellt sich, wie bereits vermutet, heraus, dass auf dem Revier neben einer ruhigen Kugel keine weitere Bewegung stattfindet, empfiehlt Tina die Schließung der Station. Für Deniz und seine Kollegen Rocky (Adrian Topol), Netti (Susanne Schnapp) und Hagen (Alexander Hörbe) – Letztere sind ein Ehepaar -, sowie den alten Dienststellenleiter Rainer (Alexander von Glenck) wäre es das berufliche Aus. Dann aber hat Deniz die rettende Idee: Durch die Selbstinszenierung diverser Straftaten soll die Ermittlungsarbeit ansteigen und die Wache somit unentbehrlich werden. Als Handlanger für die Verbrechen soll ihnen der Obdachlose Klaus (Bjarne Mädel) behilflich sein. Eigentlich eine raffinierte Idee, doch Tina ist nicht auf den Kopf gefallen und wittert schnell den Fake hinter der stark ansteigenden Kriminalitätsrate…

Die schrullige Schwedenkomödie Kops aus dem Jahr 2003 war in so ziemlich jeder Geheimtipp-Ecke von gutsortierten Videotheken zu finden, ehe diese das Zeitliche segneten. Siebzehn Jahre später wagte Alexander Schubert eine hiesige Neuauflage. Dabei kopierte er nicht einfach die Handlung, sondern änderte diese entsprechend  deutscher Eigenheiten und zeitgemäßer Themen ab. Dies hat zur Folge, dass Dinge wie MeToo, Alltagsrassismus und Political Correctness Einzug gehalten haben in die einst so lakonisch-trocken erzählte Originalgeschichte. Hin- und wieder gelingt dies auch recht spaßig, wenn zum Beispiel Netti erwähnt, dass sie sich nicht als Frau unterdrückt oder belästigt fühle, wenn sie den Kollegen den Kaffee kocht oder ihr Mann Hagen ihr gelegentlich auf den Hintern starrt. “Ich habe das eigentlich recht gerne.” Auch wirkt der Cast um Erkan Acar (Schneeflöckchen), der auch als Produzent fungierte, frisch und unverbraucht. Für zusätzlichen Spaß sorgen der immer brilliante Bjarne Mädel und ein Großteil der Heute Show Comedians, die sich hier in Kleinstrollen ein Stelldichein geben (inklusive Schubert himself).

Leider sind damit die positiven Worte zu Faking Bullshit auch schon aufgebraucht, denn das lose Remake von Kops kann dem Original leider in keinster Weise das Wasser reichen. Es fängt schon bei der Inszenierung an, die zwar mit ihren vielen Luftaufnahmen stolz präsentiert, dass eine Kameradrohne am Set vorhanden war, was allerdings heute nichts Besonderes mehr darstellt. Ansonsten gibt es Bilder, wie wir sie in jeder beliebigen ZDF Produktion, die dort um 20.15 Uhr reihenweise auf uns losgelassen werden, zu sehen bekommen. Die kurzen, ironisch gemeinten Actionmomente, die Nebencharakter Rocky bestreiten darf, sind zudem äußerst unbeholfen gefilmt. Schade, war Adrian Topol doch bereits sechs Mal deutscher Meister in verschiedenen Kampfsportarten. Das Drehbuch entpuppt sich leider auch als schwach und seinem Vorbild in jeder Hinsicht unterlegen. Die Gags sind meist bieder und zünden nach anfänglichen Schmunzlern mit zunehmender Laufzeit immer seltener. Die aufgesetzt wirkende Sozialkritik hilft da auch wenig. Einzig als die Frage der vor dem beruflichen Abgrund stehenden Beamten nach der Höhe des Hartz IV Satzes aufkommt und der obdachlose Klaus mit einem “Kannst vergessen!” antwortet, muss man schmunzelnd zustimmen. Dass der Film sich zudem nicht traut, die fingierte Kindesentführung des Originalfilms zu wiederholen und stattdessen eine hanebüchen an den Haaren herbeigezogene Kunstraubnummer abzieht, gibt weitere Abzüge in der B-Note.

Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt! ist ein Film auf TV-Niveau. Wem das reicht, der kann natürlich eine Kinokarte lösen um die Filmemacher zu unterstützen. Für alle anderen gilt, auf den Heimkinostart oder auf die TV-Ausstrahlung warten. Dort ist der Film wesentlich besser aufgehoben.

Trailer:

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