The Beach House – Am Strand hört dich niemand schreien! (2019) – ab 22. Oktober im Kino!

Da die großen Blockbuster weiter auf sich warten lassen, müssen sich eiserne Kinofans weiter mit eher kleineren Produktionen auf der großen Leinwand begnügen. Gerade im Oktober läuft deshalb der ein oder andere Horrorstreifen in den Lichtspielhäusern, den man ansonsten direkt im Heimkino ausfindig machen müsste. THE BEACH HOUSE – AM STRAND HÖRT DICH NIEMAND SCHREIEN (2019) ist einer dieser Filme, der von Koch Films nun einen Kino-Release spendiert bekommt. Ob sich das Ticket auch lohnt, erfahrt Ihr in unserer Kritik!

Originaltitel: The Beach House

Drehbuch & Regie: Jeffrey A. Brown

Darsteller: Liana Liberato, Noah Le Gros, Jake Weber, Maryann Nagel, Michael Brumfield…

Artikel von Christopher Feldmann

H.P. Lovecraft ist wahrscheinlich einer der einflussreichsten Autoren des phantastischen Horrors und besitzt ein Cult-Following, welches mindestens auf einer Ebene mit Stephen King rangiert, wobei man darauf hinweisen sollte, dass Lovecraft der Vorreiter war, an dem sich so ziemlich jeder Horror-Autor des 20. Jahrhunderts orientierte. Diverse Genre-Filme beziehen sich deshalb zu gern auf das Werk des US-Amerikaners, zuletzt verfilmte Richard Stanley mit COLOR OUT OF SPACE (2019) eine seiner bekanntesten Erzählungen. Auch THE BEACH HOUSE – AM STRAND HÖRT DICH NIEMAND SCHREIEN (2019) wird mit dem renommierten Namen des Schriftstellers beworben, auch wenn keine seiner Geschichten der Handlung zu Grunde liegt. Viel mehr handelt es sich bei dem Regie-Debüt von Autor und Regisseur Jeffrey A. Brown um einen Horrorfilm, der eine klare Hommage an das Werk Lovecrafts darstellt. Und auch wenn der Streifen das Genre nicht neu erfindet, bekommen Horrorfans hier einen netten Slow Burner geboten, der mit einer knackigen Laufzeit und gelungenem Spannungsaufbau überzeugen kann.

Handlung:
Randalls (Noah Le Gros) Vater hat ein Strandhaus – klar, dass er es sich nicht nehmen lässt, mit seiner Freundin Emily (Liana Liberato) dort ein romantisches Wochenende zu verbringen. Der Ort ist perfekt, schließlich wohnen keine Nachbarn in unmittelbarer Nähe! Aber schon kurz nach ihrer Ankunft befürchten sie, nicht allein im Haus zu sein. Es stellt sich heraus, dass die Turners, ein befreundetes Paar von Randalls Vater, sich schon vor dem jungen Pärchen im Haus einquartiert haben. Doch die Vier machen sich nichts daraus. Sie verstehen sich trotz des Altersunterschieds gut und beschließen, die Zeit einfach gemeinsam im Haus zu verbringen. Es kommt zu einem verhängnisvollen Abend, an dem eine Menge Alkohol fließt. Das Ergebnis gibt es für die Beteiligten am nächsten Tag zu sehen: Das Wasser schmeckt nicht normal, die Turners verhalten sich merkwürdig und was zur Hölle sind das für schleimige Kokons am Strand? Hat es etwas mit dem merkwürdigen Nebel zu tun, der am Abend über das Land zog?

Der Eingangs erwähnte COLOR OUT OF SPACE (2019) lässt sich gut mit THE BEACH HOUSE (2019) vergleichen, erzählen beide Filme doch eine sehr ähnliche Story. Eine bestimmte Anzahl von Personen werden an einem abgelegenen Ort von einer nicht greifbaren Macht, einer Art Virus, heimgesucht, die bedrohliche Ausmaße annimmt. Während in dem Film von Richard Stanley ein einmal mehr von der Leine gelassener Nicolas Cage mitsamt Familie von einer kosmischen Substanz befallen wird und langsam aber sicher der Wahnsinn Einzug hält, lässt Jeffrey A. Brown in seinem Werk deutlich ruhiger und minimalistischer angehen.

Statt lautem Gepolter und aberwitzigem Body-Horror, konzentriert sich THE BEACH HOUSE mehr auf seine vier Protagonisten, die ihre freie Zeit in einem idyllisch gelegenen Strandhaus verbringen. So beschäftigen wir uns die erste Hälfte des Films mit den Motivationen und Persönlichkeiten der beiden Paare, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zwar ist die Bedrohung stets präsent und sorgt für eine leichte brodelnde Spannung, vor allem immer dann wenn fließendes Wasser gezeigt wird, doch Brown hebt sich seine Schocks auf, was dem Ganzen nur bedingt dienlich ist. Die erste Hälfte ist relativ geschwätzig und auch wenn hier interessante Ansätze zu finden sind und Dynamik zwischen den Figuren entsteht, kommt das Kammerspiel nie über das Mittelmaß hinaus, wirken die Figuren doch letztendlich zu glatt und oft klischeebehaftet.

Noah Le Gros beispielsweise bleibt durchgängig blass und wirkt obendrein auch noch unsympathisch, eben wie der klassische Jock, den man eigentlich nicht mögen sollte. Auch das Spiel von Le Gros ist eher hölzern und er bleibt die uninteressanteste Person in dem sowieso schon spärlich besetzten Film. Dieses Manko muss Liana Liberato ausbügeln, die es schafft, deutlich mehr Akzente zu setzen und besonders in der zweiten Hälfte zu Hochform aufläuft. Es ist nur schade, dass das Drehbuch ihr wenig Gelegenheiten gibt, wirklich zu glänzen. So steht es letztendlich auch um Jake Weber und Maryann Nagel, die zwar beide den emotionalen Anker der Geschichte darstellen aber auch etwas farblos bleiben.

Erst in der zweiten Hälfte trumpft THE BEACH HOUSE auf und zelebriert ein spannendes und unangenehmes Gefüge, welches Jeffrey A. Brown mit wenigen Mitteln zu transportieren vermag. Wer hier schleimigen Exzess und den puren Wahnsinn erwartet wie es in COLOR OUT OF SPACE der Fall war, dürfte aber enttäuscht werden. THE BEACH HOUSE ist ein Slow Burner, der seine Spannung aus der Atmosphäre bezieht und mit seiner bedrohlichen Stille für Gänsehaut sorgt. Zwar bekommen gierige Horrorfans auch hier etwas Gematsche und schleimige Tatsachen geboten, diese halten sich aber in Grenzen und sind eher spärlich gesät. Auch das Tondesign und die suggestive Musik sorgen stetig dafür, dass die Spannungsschraube weiter angezogen wird. Es werden zwar keine neuen Ideen geboten, jedoch wird hier bekanntes Material kompetent in Szene gesetzt.

Fazit:
Mit THE BEACH HOUSE – AM STRAND HÖRT DICH NIEMAND SCHREIEN (2019) beschert uns Koch Films neues Horrorfutter passend zur Jahreszeit. Der, von H.P. Lovecraft, inspirierte Film punktet mit suggestiver Spannung und kompetentem Unbehagen, bleibt aber auf der Charakterebene etwas flach. Gorehounds werden vermutlich enttäuscht sein, Fans von ordentlichem Spannungskino werden an dem Streifen durchaus ihre Freude haben.

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