The Suckling (1990) – Ab 26. November 2020 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich

Nachdem “The Suckling” bereits 2016 eine 2K-Abtastung vom US-Label VINEGEAR SYNDROME bekommen hat, erscheint er nun auch hierzulande auf Blu-ray von DIGIDREAMS in der CLASSIC CULT EDITION. Damit schließt sich eine weitere Lücke, denn bislang war der Streifen hier nur auf VHS erhältlich, welche um einige Minuten Handlung gekürzt ist. Ich erinnere mich noch, wie ich den Film Anfang der 90er mit einem Kumpel gesehen habe und wir beide kaum glauben konnten, was uns da an Trash aufgetischt wurde. Die deutsche Billig-Synchro rundete das Paket dann noch richtig ab. Auf jeden Fall hat der Film einen gewissen Eindruck hinterlassen und ich war schon am überlegen, mir die VHS von “The Suckling” wieder zu besorgen, da ich den Film mal wieder sehen wollte. Da kommt die Veröffentlichung von DIGIDREAMS wie gerufen.

 

Regie: Francis Teri

Darsteller: Frank Rivera, Lisa Petruno, Marie Michaels, Janet Sovey, Gerald Preger

Artikel von Holger Braasch

Ende der 80er, Anfang der 90er hatte das Horrorgenre keinen leichten Stand. Durch die Gewaltvideo-Debatte bekam es schnell wieder einen schlechten Ruf und wurde gerne für die vermeintliche Verrohung unserer Jugend verantwortlich gemacht. Der Trend ging immer mehr zum Teenie-Horror, der Humor- und Fantasy-Anteil nahm zu, während auf Sleaze und blutige Effekte eher verzichtet wurde. So wurde das Genre immer mehr auf Jugendliche zugeschnitten – ironischerweise. Da lacht Freddy Krüger und dem Old School-Exploitation-Fan blutete das Herz. Doch es gab immer noch Filmemacher, die gegen den Strom schwimmen wollten und ihre kleinen bösen Filmchen drehten. Zwar passten auch Exploitation-Legenden, wie Frank Henenlotter oder John Waters sich dem neuen Zeitgeist an, doch unter der scheinbar glatten Oberfläche hatten ihre Filme immer noch etwas subversives und wildes. VHS war zu jener Zeit der absolute Renner und ein mögliches Videothekensterben hätte sich wohl niemand träumen lassen. Junge wilde Low Budget-Filmer drehten ihre Filme vorwiegend für den Videomarkt, wo man sich einiges mehr erlauben konnte, als bei größeren Kinoproduktionen. Denn in der Regel(!) waren Videotheken ohnehin nur für Erwachsene zugänglich. Schräge Horror-Trash-Streifen, wie Hobgoblins (1988), Atomic Reporter (1990), Dark Side Of The Moon (1990) oder The Boneyard (1991) fanden auf Video ihr Publikum und liefen sogar verhältnismäßig gut. So auch Francis Teris schmuddeliger The Suckling (1990).

Es beginnt schon recht unappetitlich in einem versifften Bordell, wo gerade eine illegale Abtreibung durchgeführt wird. Die Schmuddel-Ärzte entsorgen den Fötus kurzerhand im Lokus und der Zufall will es, dass sich in der Nähe des Hauses auch noch eine Giftmülldeponie befindet, wo der toxische Schmadder unentdeckt in die Kanalisation tropft. Befinden wir uns womöglich im guten alten Tromaville? Jedenfalls bekommt unser Fötus in der Kanalisation ordentlich Kraftnahrung für sein späteres Wachstum – und das ist immens! Und sein Erinnerungsvermögen ist auch beachtlich, denn er findet schnell wieder zu der Bordell-Klinik zurück und will sich nun für den unschönen Abgang rächen. Dort haben es sich gerade ein paar schmierige Typen mit den Nutten richtig gemütlich gemacht, als plötzlich sämtliche Ausgänge versperrt sind. In einer Nacht- und Nebelaktion hat der Monster-Fötus die komplette Kaschemme in eine Art Kokon eingesponnen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich der Kokon jedoch als ein Haufen alter Gardinen, die jemand mit roter Farbe bekleckert und zum Trocknen aufgehängt hat. Wer versucht, aus dem Haus zu flüchten, wird in Windeseile von dem rasenden Monsterbaby, welches inzwischen aussieht wie ein mutierter Gremlin mit Fangzähnen, zur Strecke gebracht. Über das Verhalten aller Beteiligten kann man sich dann so richtig die Haare raufen. Als größter Unsympath erweist sich Axel, der Sohn von einer der älteren Puffdamen, der gerade frisch aus dem Knast entlassen wurde – und offensichtlich schnell wieder dorthin möchte. “Du kannst Blödsinn nicht erkennen, weil du selbst zu blöd bist!” weist ihn eine der Nutten zurecht, als es ihr zur bunt wird. Und obwohl man gar nicht so schlecht dasteht, was Waffen zur Verteidigung angeht (man hat sogar eine Schusswaffe), sind die Eingeschlossenen irgendwie nicht in der Lage, diese auch richtig einzusetzen. Also, wenn ein wütendes Gremlin-Baby zähnefletschend auf mich zu rennt, warte ich bestimmt nicht, bis es mir ins Gesicht springt, sondern schieße schon vorher.

Richtig skurril wird es allerdings am Ende, wenn das Mutanten-Baby plötzlich in die Gebärmutter einer Überlebenden krabbelt. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, findet sich die Bedauernswerte später in einer Gummizelle wieder – umgeben von sabbernden Irren und notgeilen Pflegern. Vom Regen in die Traufe, kann man da wohl sagen. Was für ein Schluss – nach so viel Schmuddelei möchte man erst mal duschen. Jedenfalls hat mich The Suckling, trotz mancher Längen, sehr gut unterhalten und ich kann mir gut vorstellen, dass er mal in der SchleFaZ-Reihe auf Tele 5 gewürdigt wird. Die deutsche Video-Fassung von New Vision war erstaunlicherweise nur um einige Handlungsszenen gekürzt, enthielt aber alle Gore- und Splatter-Einlagen. Das war für damalige Verhältnisse schon ziemlich gewagt, zumal das Ganze auch noch recht dreckig rüber kommt. Schauspielerisch darf man hier nicht viel erwarten und auch die Inszenierung ist recht holprig. Die Effektarbeit ist allerdings bisweilen verblüffend, wenn man den mutierten Fötus in Aktion sieht. Bei den meisten dieser Aufnahmen wurde einfach jemand in ein Kostüm gesteckt, aber es gibt auch animierte Puppentricks und sogar richtig schön altmodische Stop Motion-Effekte. Ein gewisser Craig Lindberg verdiente sich hier seine ersten Sporen und ist mittlerweile ein vielbeschäftigter Make-up Artist bei Großproduktionen. Dean Mercil arbeitete unter anderem an den Effekten von Critters 3 (1991), Critters 4 (1992), sowie Buffy: Im Bann der Dämonen (1997) mit. Ralph Cordero war bei Combat Shock (1984) und Flesh-Eating Mothers (1988) an den Make-up-Effekten beteiligt.

Gedreht wurde The Suckling auf 16mm, was gerade bei der Blu-ray gut zu erkennen ist. Das Bild ist ziemlich grobkörnig, was bei den Stop Motion-Sequenzen noch stärker auffällt. Leider ließ man es sich nicht nehmen, das Bild auf 16:9 zu maskieren, was dem Bildaufbau nicht unbedingt zuträglich ist. Teilweise sieht man, dass oben und unten etwas abgeschnitten wurde. In Punkto Bildqualität hat man aber wohl das Beste aus dem Material herausgeholt. Als Bonus ist auch die deutsche Videofassung mit an Bord, die mit 1,33:1 zwar das volle Bild zeigt, aber natürlich längst nicht so gut in der Qualität ist. Der deutsche Ton ist übrigens gleich zweimal enthalten. So kann man wählen, ob man ihn gefiltert, oder ungefiltert hören möchte. Ich habe mir beide Varianten angehört und gebe ganz klar der ungefilterten Tonspur den Vorzug. Es rauscht zwar deutlich, aber dafür bekommt man auch das volle Klangspektrum (welches ohnehin schon ziemlich mager ist) zu hören. Von Rauschfiltern etc. halte ich grundsätzlich nicht viel, da immer auch Klangdetails verloren gehen, die zu hören sein sollten. Gerade MGM hat bei älteren Backprogramm-Titeln schon viel Schaden angerichtet, indem sie Tonspuren mit Rauschfiltern vergewaltigt hat. Und auch bei Digidreams klingt das Ergebnis sehr dumpf – da ist mir das Rauschen wesentlich lieber.

Im Bonusmaterial finden sich außerdem der Originaltrailer, eine Bildergalerie, eine Artwork-Galerie und ein Video von den Video Kannibalen, die The Suckling auf ihrem Kanal ein Special widmeten. Leider hat sich beim Authoring ein Fehler eingeschlichen – und zwar bei den Extras. So ist bei der Videofassung, dem Trailer und beim Video Kannibalen-Special ein fieses Halbbildflimmern zu sehen, welches entsteht, wenn die Halbbilddominanz falsch eingestellt wurde. Ob auch die DVD betroffen ist, kann ich nicht sagen. Mir lag ein fertiges Exemplar der Blu-ray-Veröffentlichung vor.

Trailer:

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