Äh…ja. Was soll man sagen. Vielleicht, dass der Film ein Revenge Drama ist, in dem Johnny Messner die Hauptrolle gibt und Seagal nur eine Nebenrolle spielt. Natürlich war das Ego seiner Lordschaft so groß, dass Seagal als erstes im Abspann genannt wird, und das, obwohl er nur wenig Screentime hat und davon auch noch die meiste Zeit im Sitzen spielt. Mal wieder. Steven Seagal ist zum Meister des Aussitzens geworden und gönnt dem Zuschauer nur noch selten gekonnte Momente der Kampfkunst. Dafür müsste man ja auch Aufstehen. Die spannende Frage ist also: wird sich Steven Segal bewegen und wenn ja…warum? KOCH FILMS bringt das neuste Spektakel des sprechenden Barts nun für den deutschen Markt heraus.

Regie: James Cullen Bressack

Darsteller: Johnny Messner, Zack Ward, DMX, Steven Seagal, Bill Cobbs

Artikel von Kai Kinnert

Der ausgebrannte Ex-Cop Frank Wilson begibt sich auf die Suche nach einem eiskalten Killer, nachdem sein Sohn Chance bei einem Einbruch getötet wurde. Die Spur führt den von Visionen seines toten Kindes geplagten Vater zum psychopathischen Desmond, dem Spross des Gangsterbosses Adair Packard. Wird der ermittelnde Detective Ray Munce noch rechtzeitig ein Blutbad verhindern können?

Der Film beginnt mit einem träge inszenierten Überfall. Desmond und sein Handlanger dringen in ein Lagerhaus ein und rauben einen Batzen Mafiageld von irgendeinem Fatzke. Ihr Fluchtwagenfahrer Chance Wilson soll danach auf die Knete aufpassen. Das geht natürlich schief, denn als Desmond im späteren Verlauf die Kohle bei Chance abholen will, ist diese verschwunden und Chance wird von Desmond erschossen. Augen auf bei der Berufswahl also.

Gleich nach dem lahmen Überfall hat Steven Seagal seinen Auftritt. Gehend. Der Meister wandelt in seiner Villa durch eine Horde feiernder Jugendlicher und wundert sich. Was machen die Kids hier? Das fragt sich auch der Zuschauer, denn es stellt sich nur wenige Minuten später heraus, dass ein Nachbarsjunge in der Villa des Gangsters seine Abschlussfeier gegeben hat. Obwohl Seagal in dieser Villa wohnt, scheint er nicht mitbekommen zu haben, dass gut 100 Kids in seiner Bude eine Party geben. Die muss ja auch jemand ins Haus gelassen haben, aber Schwamm drüber. Wahrscheinlich war er zu sehr mit seiner Schießübungen im Keller beschäftigt, in der Seagal aus nächster Nähe das Magazin seiner Knarre in die Mitte einer Zielscheibe ballert. Leider blinzelt er bei jedem Schuß. Das mag jetzt kleinlich klingen, aber wer sich als dicken Hirsch an der Knarre inszeniert, sollte bei einem Schuß nicht blinzelt, denn der Blick eines echten Schützen ist immer klar. Wie dem auch sei, Seagal trifft auch mit Blinzeln ins Schwarze und es ergibt sich nach dem letzten Schuss ein niedlicher Dialog mit seinem Assistenten, der am Schießstand im Hintergrund steht.

Boss…”

“Ja? Was für Neuigkeiten hast du?”

“Ich hab ´ne neue Lieferantin, glaub ich..kannst du sie heute noch treffen?”

“Ah..ich..äh..muss erst noch mein Haus aufräumen, nachdem dieser Nachbarsjunge

Chaos angerichtet hat. Ich würde sie lieber morgen treffen.”

“Ich arrangiere das für dich.”

“Cool.”

“Ok.”

“Ok.”

Er muss sein Haus aufräumen? Um mehr geht es in dieser Szene nicht. Steven Seagal will also persönlich abwaschen, aufsaugen und das Klo putzen…bevor irgendeine Drogenlieferantin das Haus betritt? Das ist ja mal neu. Aber Steven ist hier eben ein besonderer Typ, er ist mal so ganz anders als in seinen letzten Filmen, ein ordentlicher Kerl eben, der zudem noch einige Vater-Sohn-Gespräche über den Mord an Chance Wilson führen wird. Und da wären wir wieder beim Sitzen.

Dies ist einer der wenigen Filme, in denen Steven Seagal nicht gedoubelt wurde. Das kam die letzten 20 Jahre nicht mehr vor. Das mag allerdings auch daran liegen, dass Seagal in diesem Streifen lediglich 18 Schuss abgibt (davon 13 auf die Zielscheibe) und sich nur ein kleineres Handgemenge mit Johnny Messner leistet, mehr nicht. Obwohl…so ganz ohne Trick ging es dann doch nicht. Als Seagal zum Ende hin, stehend, mit vier flotten Schüssen vier Typen umlegt, mussten die Schüsse digital an die Knarre montiert werden, da Steven den Abzug nicht schnell genug drücken konnte. Den Rest seiner Spielzeit sitzt Seagal an irgendwelchen Tischen herum und hat absurde Dialoge mit seinem beknacktem Sohn, der einfach nicht auf seinen Vater hören will.

Die eigentliche Handlung dreht sich um den Ex-Cop Frank Wilson (Johnny Messner), der den Tod seines Sohnes rächen will und schon bald auf die Spur von Desmond kommt. Dabei vertraut er auf seinen ehemaligen Kollegen DMX, der hier alt und müde das Abziehbildchen eines Detectives gibt und in die Sache verstrickt ist. Und so gehört dann auch die Action Johnny Messner. Das Schlagen und Schießen in Beyond the Law geht übersichtlich 3:1 an den Ex-Cop.

Regisseur James Cullen Bressack zieht hier eine ganze lahme, zähe und uninspirierte Nummer durch, der Film will zu keinem Zeitpunkt aus dem Quark kommen. Die wenige Action entsteht allenfalls im Schnitt und wurde schlecht inszeniert. Das ist alles wurstig gemacht und atmet den Spirit günstig hingeschlunzter Videoproduktionen, in denen es weder Talent noch Liebe zum Medium Film zu entdecken gibt. Dabei hätte man aus diesem Quatsch durchaus was machen können, ein dreckiges Revenge Drama eben, in dem zwei Väter für ihr eigenes Versagen als Elternteil einen hohen Preis zu zahlen haben. Johnny Messner hätte sich mehr in den Abgrund der Rache schmeißen müssen, um im Drama glaubwürdig zu funktionieren. Mehr Death Sentence (2007) eben, wo sich die Rache durch Kevin Bacon frißt und es keine Erlösung gibt.

Doch niemand erkannte das Potential der Grundidee und so wurde aus dem eckigen Ansatz ein dödelig lahmer Streifen, der die Action nicht beherrscht und keinen Mut hatte, ein schmerzhaftes Revenge Drama zu werden, in dem Messner als sterbender Vater mit stoppelig abrasierten Haaren das Finale mit Seagal sucht.

Beyond the Law ist zäh und ohne Timing, selten gut gespielt und stimmungslos inszeniert worden. Der Streifen wäre gerne differenzierter, scheitert aber am Unvermögen der Regie aus dem schwachen Drehbuch auch etwas zu machen. Bester Mann am Set ist übrigens Bill Cobbs, ein Routinier mit Präsenz und Format. Der hätte mal den Rächer geben sollen, das wäre ein Kniff gewesen.

Das Bild der Blu-ray ist gut und der Ton ebenso. Als Extras gibt es Trailer.

Trailer:

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