Lucio Fulci, nach eigenen Worten ein Film-Terrorist in allen Genres, hatte stets einen eigenen Stil in Optik, Spannung und Effekten, der sich später in seinen Horrorthrillern zur berüchtigten Qualität steigerte und so Fulci zur Marke des geschnittenen und beschlagnahmten Films machte. Auch wenn im Italo-Western der Bodycount allgemein recht hoch war, verlief es meistens doch unblutig ab und beschränkte sich auf die Stürze der Stuntmen. Das war bei Fulci nicht anders, jedoch hatte der Meister schon früh ein Händchen für den plötzlichen Effekt, überraschende Kameraeinstellungen und den härteren Kampf als üblich. Sein erster Beitrag zum Italo-Western wurde von PLAION PICTURES nun auch als Blu-ray & DVD in Amaray-Verpackung veröffentlicht, nachdem vor geraumer Zeit bereits zwei Mediabookvarianten auf den Markt gebracht wurden.

Originaltitel: Le colt cantarono la morte e fu… Tempo die massacro

Regie: Lucio Fulci

Darsteller: Franco Nero, George Hilton, Nino Castelnouvo, Guiseppe Addobbati

Artikel von Kai Kinnert

1866 erhält Django die Nachricht, dass er in seine Heimat in Texas zurückkehren soll. Dort muss er zunächst feststellen, dass die Ranch seiner Familie an die Familie Scott verkauft wurde und sein Bruder Jeff dem Alkohol verfallen ist. Die Scotts entpuppen sich als Herrscher der Stadt, die vom sadistischen Jason „Junior“ Scott und seinen Schergen in Angst und Schrecken versetzt wird. Als Junior erfährt, dass ein Vater auch der von Django ist, erschießt er diesen kurzerhand und verschanzt sich mit seinen Männern auf seiner Ranch. Doch Django hat einen Verbündeten auf seiner Seite und ihre Kugeln werden massenhaft Opfer fordern.

Lucio Fulci war schon in jungen Jahren ein gewiefter Routinier, der von Anfang an die meisten seiner Filme im Griff hatte und immer für einen gewissen Stil in seinen Arbeiten sorgte. Schnell gedreht bedeutete nicht schlampig herunter geschmuddelt, das leistete sich Fulci erst in seinen letzten Filmen. Stets gab es einen Schnitt oder eine Kameraeinstellung mehr als bei der Konkurrenz, dafür verzichtete er auf die epischen Landschaften eines Sergio Leones und gab sich mehr der Zuspitzung der Action an sich hin. Und so beginnt Django – Sein Gesangbuch war der Colt auch nicht in der spanischen Pampa, sondern auf einer Gänseblümchenwiese in der Nähe von Rom, wo  gerade die Menschenjagd mit Hunden beginnt. Scott Junior hetzt die Hunde auf einen armen Arbeiter, der in den Fluss getrieben wird, nur um dort von den Kötern „zerfleischt“ zu werden.

Gemessen an den damaligen Sehgewohnheiten und filmischen Standards, ist das schon mal ein Start nach Maß, der die nette Wiese vergessen lässt. Spannend durch eine längere Kamerafahrt in die Tiefe des Raumes aufgewertet, folgt die Kamera den Hunden und Reitern und gibt der Eröffnung so eine aufwändige Dynamik, die gleichzeitig die Verkommenheit der Antagonisten deutlich macht. Das Blut des Arbeiters fließt in den strömenden Fluss und erreicht so, direkt und indirekt, Django, der in der Anschlussszene an einem Fluss beim Goldwaschen ist und nun zurück zur Ranch gerufen wird. Die Szenerie ist reiner Lucio Fulci und die Hunde ein grobes Symbol für alles Folgende.

Djangos Ankunft in seiner Heimatstadt ist gutes Western-Kino. Trotz des geringen Budgets füllen genügend Details das Bild, überraschend viele Komparsen gibt es auch und ab Minute 15:34 folgt eine schöne Einstellung aus dem Fenster der Schmiede, die in dem Dialog mit dem chinesischen Schmied endet. Unterlegt mit der gelungenen Filmmusik von Lallo Gori, ist das eine gut gefilmte Eröffnung, die mit dem One-Face-Wunder Franco Nero bestens besetzt ist. Ebenso gut besetzt ist George Hilton, der hier sein Debüt gibt und damit auch noch den besten Auftritt in seiner Karriere ablieferte. Charmant verpasste Hilton seiner Rolle einen gewissen Witz, die der eigentliche Held des Streifens ist. Django hätte ohne die launige Saufziege Jeff keine Chance und beide zusammen bilden ein gelungenes Duo, das filmisch bestens funktioniert.

Das straffe Drehbuch von Fernando Di Leo liefert Spannung im 15-Minuten-Takt und Fulci inszeniert diese gekonnt mit einigen Härten. Da gibt es die harte Schlägerei im Saloon mit Jeff, bei der schon mal jemand mit dem Hinterkopf auf einem Kerzenhalter landet, im Gesicht ausgedrückte Zigarren, Wunden durchs Auspeitschen, blutige Treffer und sogar ein Kopfschuss ist on-screen zu bewundern. Und am Ende gibt es etliche Tote, was will man mehr.

Django – Sein Gesangbuch war der Colt ist bis heute einer der richtig guten Italowestern. Franco Nero ist Franco Nero, George Hilton ist top, die Action ist gelungen und die Stimmung in sich geschlossen. Mit wenig Geld wurde hier viel erreicht. Ein bestens gefilmter Klassiker des Genres, der in jede Italo-Western-Sammlung gehört.

Das Bild der Blu-ray ist gut, die Farben sind satt, die analoge Seele des Materials wurde fein restauriert. Der Ton ist gut. Das Mediabook ist schön gestaltet und liefert einige informative Extras. Da gibt es den 40seitigen Buchteil, ein Kurzinterview mit Franco Nero, das Interview 1 mit George Hilton, das zweite Interview mit George Hilton Back Home Someday, ein Audiointerview mit Lucio Fulci, den italienischen Kinotrailer, eine Galerie seltener Artworks und einen Audiokommentar der Deadline-Redakteure. Bei den Einzelveröffentlichungen fällt das Booklet logischerweise weg.

Spannend an den Extras sind die Interviews. Während George Hilton in charmanter Selbstverliebtheit seine eigene Darstellung lobt, fällt Lucio Fulci fluchend über Franco Nero her und bezeichnet ihn als einen dummen Hund, einen Idioten und eingebildeten Volltrottel. Nero ist in seinem Interview hingegen ein Vollprofi und nennt Lucio Fulci nur einen notorischen Lügner, der ständig Geschichten erzählte und Leute beschimpfte – dabei allerdings ein hervorragender Regisseur war, der genau wusste, was er tat. Fantastisch.

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