Die Freizeitparksaison neigt sich dem Ende. Nach einem holprigen-, lockdownbedingten Start, kamen Vergnügungssüchtige deutschlandweit schließlich doch noch dazu, ihre Nerven ordentlich zu kitzeln. Mir war es mit meiner Familie vergönnt, die letzten Tage im Heide Park Resort in Soltau zu verbringen, wo gerade die zweiwöchige Halloweenzeit zum Saisonfinale startete. Ob´s ein Gruselspaß für jung und alt geworden ist, schildere ich Euch in diesem Erlebnisbericht.

Heide Park Resort in 29614 Soltau

Halloweenfest vom 15. – 31. Oktober 2021 – Freitags, samstags und am 31. Oktober bis 22 Uhr geöffnet

Artikel von Christian Jürs

Als Nordlicht ist der Hansa Park in Sierksdorf an der Ostsee normalerweise mein Ort für Nervenkitzel und Adrenalinschübe. Mit einer Entfernung von 30km ein schnell anreisbares Vergnügen, dem ich mit Frau und Kindern seit Jahren dank Jahreskartenoption von April bis Oktober beiwohne. Hin und wieder aber, sofern der Geldbeutel es zulässt, führt uns die Reise auch mal zum Hamburger Dom oder eben in den Heide Park in Soltau. Ein günstiges Familienangebot lockte uns nun in den Herbstferien für zwei Tage samt Übernachtung in den deutlich größeren Vergnügungspark. Zum Vergleich: Während der Hansa Park mit einer Fläche von 457.300 m² auskommen muss, misst seine Konkurrenz aus Soltau satte 850.000 m² und bietet damit natürlich auch deutlich mehr Attraktionen. Doch ist Masse auch gleichbedeutend mit Klasse?

Bei unserer Anreise am Freitag den 15. Oktober 2021 machte sich in den Gesichtern meiner Familie zunächst eine Enttäuschung breit. Der Grund: Das Wetter war mehr als bescheiden. Es schüttete wie aus Eimern und mit ca. 10 Grad Celsius in den Morgenstunden war auch nicht unbedingt meine Wohlfühltemperatur erreicht. Ein typisch, nordischer Herbsttag halt. Gegen kurz vor 11 Uhr erreichten wir den Parkplatz des Heide Park Abenteuerhotels, der für Übernachtungsgäste erfreulicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt wird (im Gegensatz zu Tagesgästen, die auf dem normalen Parkplatz schonmal 6,00 € hinlegen dürfen). Jacken also aus dem Kofferraum geholt und hinein ins Hotel, welches derzeit übrigens, ebenso wie der Park, keiner Covid-Testpflicht unterliegt (wär´ mir eh wurscht, da wir alle unseren “Shot” bereits innehaben). Dort überreichte uns eine freundliche Empfangsmitarbeiterin unsere Eintrittskarten, mit denen wir jederzeit den Park betreten und verlassen durften, sowie die Zimmerkarten, mit dem Hinweis, dass diese erst ab 16 Uhr bezugsfertig seien. Scheiß drauf, wer will schon ins Zimmer, wenn die Achterbahnen rufen?

Als Hotelgast hat man übrigens einen separaten Parkeingang, der quasi auf der gegenüberliegenden Seite zum Haupteingang liegt. Außerdem darf man bereits eine halbe Stunde vor offizieller Öffnung hinein ins Getümmel, um sich schonmal umzuschauen. Für uns natürlich an diesem Tag keine Option, da die Uhr bereits 11 schlug und den Hotelgästen bereits gegen halb 10 Uhr morgens der Zugang gewährt wird. Machte aber nix, denn aufgrund des immer noch andauernden Regens waren eh nur wenige Personen unterwegs. Verpasst haben wir dementsprechend noch nichts.

Direkt neben dem Eingang befindet sich der Käpt’ns Törn, eine kleine, beschauliche Rundbootfahrt, die langsam an die langsam an ein paar Blumenbeeten vorbeiführt. Nix aufregendes, aber ein netter Einstieg, zumal die Boote überdacht sind. Apropos Einstieg, der Eingang liegt leider sehr versteckt, was anfangs zu Verwirrungen führte. Ein etwas gelangweilter, junger Mann saß mit Decke auf dem Schoß da und wartete auf die wenigen Fahrgäste. Eine Wartezeit ist hier nicht gegeben, die meisten Boote waren leer.

Nach diesem beschaulichen Start ließ der Regen so langsam nach und wir schlenderten weiter. Direkt neben der kleinen Bahn wurde für die kleinen Gäste, extra für die Halloweenzeit, ein Zauberwald aufgebaut, der von außen einen niedlichen Eindruck macht. Näheres kann ich hierzu leider nicht erleutern, da sich meine Brut bereits im MCU-fähigen Alter befindet. Wenige Meter weiter dann befindet sich eine Open Air Bühne, auf der, aufgrund gelockerter Bestimmungen, tatsächlich wieder einmal täglich eine kleine Show mit dem Titel Movie Maker aufgeführt wird. Diese findet derzeit gegen 16 Uhr statt. Gleich dahinter geht es, im Themenbereich Transsylvanien, mit einer Flut von Achterbahnen für Adrenalienjunkies weiter. Der Weg dahin wurde, passend zur Halloweensaison, mit allerlei Jahrmarktsbuden bestückt, wo diverse Schausteller die Gelegenheit haben, ihre Leckereien und Kunsthandwerke zu veräußern. Auch Kinderschminken wird angeboten. Sehr nett ist, dass alle Buden einen mittelalterlichen Touch verpasst bekommen haben.

Insgesamt fällt auf, dass der Heide Park sehr viel Wert auf Optik legt, wenn es um die Halloweendekoration geht. Überall sind kleine Friedhöfe in die Beete eingebaut worden und der gesamte Park wurde mit Horrorskeletten und Kürbissen (teils elektronisch mit Gesichtern, die Horrorsongs zum Besten geben), sowie diversen anderen Gruselgestalten ausgestattet. Auch viele Besucher kamen in Kostümierung, so dass bereits am frühen Tag echtes Halloweenfeeling aufkam. Da wir zu diesem Zeitpunkt immer noch auf überdachte Fahrgeschäfte angewiesen waren, folgte eine Rundfahrt mit der Monorail-Bahn, die einen Teil des Geländes überfährt.

Gegen Mittag brach dann der Himmel auf und so wurde aus dem anfangs verregneten Tag doch noch ein schöner Herbsttag. Da das morgentliche Mistwetter wohl viele potenzielle Besucher fernhielt, konnten wir ausgiebig die Fahrattraktionen nutzen, meist mit einer Wartezeit von gerade einmal 5 Minuten. Ob Bobbahn, Big Loop oder Desert Race, überall ging es ohne Probleme hinein. Lediglich der Ghostbusters Ride und Collossus waren zeitweise ausgefallen, liefen aber im Laufe des Tages wieder.

Helikoptereltern, die sich nun Sorgen machen, dass ihre lieben Kleinsten einen Schaden durch allzuviel Horror bekommen könnten, denen sei entwarnend gesagt, dass alles recht harmlos und jugendfrei gestaltet ist. Wer sich über diesen Hinweis wundert, dem sei gesagt, dass mir solche Elternexemplare bereits zuhauf begegnet sind. Brrrrr. Jedenfalls waren überall glückliche Kleinkinder unterwegs, die staunend die Dekoration bewunderten. Wie bereits erwähnt, gibt es zusätzlich einen Zauberwald und auch im Peppa Pig Land waren die lustigen Schweine als Hexen verkleidet und verzauberten den Nachwuchs. Eltern, die sich in diesem Bereich allerdings längerfristig aufhalten mussten, tun mir im Nachhinein leid, denn die lustige Schweinemelodie, die in diesem Bereich abgespielt wurde, ging mir bereits nach wenigen Minuten auf den Sender. Psychische Schäden nicht ausgeschlossen.

Apropos Musik, beinahe überall im Park war eine Halloween-Freizeitparkmusik zu hören, die irgendwie klang, als würden die reitenden Leichen einen Kindergeburtstag feiern. Eine Melodie, die mich noch in den Schlaf verfolgte. So langsam verblasst die Melodie aber glücklicherweise in meinem Kopf.

Um 18 Uhr war es dann Zeit für ein echtes Highlight. Obscuria, ein Horrorparkour, der für 4,50 € pro Person extra gebucht werden kann. Die Kids mussten allerdings leider draußen bleiben, denn Zutritt wird nur Jugendlichen ab 16 Jahren gewährt. Macht aber nix, die lieben Kleinen haben sich mit mehrfachem Mountain-Rafting die Zeit locker vertrieben.

Um es vorweg zu nehmen, Obscuria ist die Extrakohle absolut wert – jeden Cent. Allerdings empfehle ich, erst gegen 19 Uhr einen Rundgang zu buchen, damit es richtig dunkel ist. Aber auch um 18 Uhr, zur Dämmerungszeit, kommt das Horrorfeeling durchaus beim Publikum an. Hochmotivierte Schauspieler mit fies geschminkten Gesichtern sorgen für wohligen Grusel. Eine halbe Stunde muss man für den Spaß einplanen, die Wartezeit beschränkt sich, aufgrund der Vorabbuchung, auf wenige Minuten. Zu finden ist die Durchgehgeisterbahn direkt gegenüber der Westernstadt.

Ab 19 Uhr erstrahlt der Park dann in ungewohnten, bunten Lichtern. Insbesondere der Bereich der Achterbahnen ist sehenswert. Aber auch die Holzachterbahn Collossus, bei der man neuerdings gegen Ende durch das Maul eines feuerspuckenden Monsters fährt, hat in der Dunkelheit eine ganz besondere Wirkung. Zu dieser Zeit füllt sich der Park übrigens ein wenig, da vergünstigte Abendtickets angeboten werden. An besagtem Freitag war die Personenzahl jedoch überschaubar. Auch eine Fahrt in das Maul der beleuchteten Krake war innerhalb von gut 5 Minuten Wartezeit an diesem Abend möglich.

Erfreut konnten wir feststellen, dass die Qualität des angebotenen Essens im Park sich seit unserem letzten Besuch deutlich gesteigert hat. Ob Pizza, indische Spezialitäten, Bratwurst oder Hot Dogs, nirgends gab es Grund zur Klage. Uns schmeckte von den vom Park angebotenen Lebensmitteln das Röstfleisch mit Pommes, welches am Collossos Grill angeboten wird, richtig gut. Eine üppige Portion, optional für 8,50 € ohne- oder wahlweise für 9,50 € mit kleinem Getränk, lag preislich im annehmbaren Bereich.

Apropos Essen: Die Jahrmarktstände, die zur Halloweenzeit im Bereich der Krake aufgebaut wurden, sollten unbedingt frequentiert werden. Ob Honigbier oder mit Schokolade überzogene Fruchtspieße, alles war sehr lecker. Unser absolutes Highlight: Der Stand, an dem Couscous herzhaft oder süß angeboten wurde, hatte außerdem ein sensationelles Knoblauchbrot im Sortiment. Dieses ist mit 5 € zwar kein Schnäppchen, wird aber auf Wunsch üppig belegt mit Knoblauchsoße, eingelegtem Knoblauch, gedünsteten Zwiebeln, Mais, Peperoni, Oliven, etc. Die rote, scharfe Soße ist mit absoluter Vorsicht zu genießen (der freundliche Verkäufer sprach unseren Kindern gegenüber glücklicherweise ein Verbot diesbezüglich aus), schmeckt aber saugeil. Allerdings brannte mein Mundraum noch gut eine Stunde später…. fragt nicht nach dem Toilettengang am Folgetag.

Mit einer doppelten Fahrt in der Big Loop Achterbahn (aufgrund des geringen Andrangs durften wir sitzen bleiben), endete unser Tag im Park und wir zogen uns ins wunderschöne Piratenhotelzimmer zurück, welches mit einem Doppel- und einem Etagenbett ausgestattet ist und eine tolle Regendusche im Badezimmer bietet. Noch kurz ins TV gezappt, dann endete auch unser Tag Nummer eins.

Am nächsten Morgen ging es dann um 9 Uhr morgens in den großen Frühstückssaal, wo kein kulinarischer Wunsch offen blieb. Ob Brötchen, Eier (gekocht, Rühr- oder Spiegelei), Speck, Pancakes, Aufschnitt, Käse, Müsli, gebackene Bohnen,… es gab einfach alles, was ein gutes Frühstück ausmacht. Der Kaffee war schmackhaft, lediglich der Saft aus dem Automaten schmeckte ein wenig wässrig, löschte aber immerhin den Durst. Im Anschluss räumten wir unser Hotelzimmer (es muss bis 10 Uhr morgens ausgecheckt werden) und verfrachteten unser Hab und Gut im PKW, ehe wir unseren zweiten, finalen Parktag antraten.

Am Samstag blieb der Regen glücklicherweise aus, Sonne gab es aber diesmal leider nicht, wodurch die Temperaturen ein wenig kühler ausfielen. Aufgrund des trockenen Wetters und des Wochenendtags war an diesem Samstag jedoch bereits zur Parköffnung eine deutlich höhere Besucherzahl unterwegs. Aus diesem Grund blieben größere Bahnen für uns auch weitestgehend außen vor. Für eine Fahrt im Desert Race, dem Ghostbusters 5D Ride, ein paar Runden Mountain-Rafting und eine Fahrt in der Bobbahn war trotzdem Zeit. Letztere Fahrt zog sich leider, da die Bahn, kurz bevor wir einsteigen konnten, kurzzeitig stillgelegt wurde. Ein technischer Defekt war die Ursache, der unsere Wartezeit von 30 auf ca. 60 Minuten erhöhte. Da Sicherheit aber vorgeht, blieben die Besucher allesamt ruhig und warteten geduldig. Und es lohnt sich hier zu warten – das Ding ist der Hammer.

Um die Mittagszeit platzte der Park dann aus allen Nähten. Selbst an den Fressbuden musste man sich hier und da auf eine halbe Stunde Wartezeit einrichten. Grund genug, nur noch kleinere Bahnen am Nachmittag zu betreten. Nach einem sehr leckeren Eis an der Big Loop und der eingangs erwähnten, wirklich tollen Open Air Show mit dem Namen Movie Maker, bei der das Publikum teilweise mit einbezogen wurde, war dann um 16:30 Uhr Zeit für die Heimreise. Glücklich, aber ziemlich fertig von gut 1 1/2 Tagen Heide Park, ging es Richtung Heimat.

Alles in allem kann ich die Halloweentage in diesem Freizeitpark wirklich jedem ans Herz legen, empfehle allerdings, den Heide Park bereits, sofern zeitlich möglich, am Freitag zu besuchen, da an den Wochenendtagen mit extrem langen Wartezeiten zu rechnen ist und an den normalen Wochentagen der Park bereits am frühen Abend schließt. Alles ist sehr liebevoll gestaltet, der Jahrmarkt eine Wucht und für die großen Gruselfans ist Obscuria ein echter Horror-Spaß. Wir werden nächstes Jahr erneut hinfahren. Es lohnt sich.

Zum Anschluss noch ein Dankeschön an Kollege Victor Grytzka für die Bearbeitung des Titelbilds.

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