Nachdem der dritte Teil erneut ein Kassenschlager war (36 Mio. Einspiel bei 4 Mio. Kosten), blieb Paramount nichts anderes übrig, als noch ein Sequel zu produzieren, worüber die Herren im Vorstand nicht zu 100% glücklich waren. Zwar lockte die Kohle, da die Reihe aber bei den Kritikern meist als Dreck bezeichnet wurde, wollte das Studio aus Imagegründen eher Abstand halten vom Herrn Voorhees. Anspruchsloser Horror Marke Jason gehörte halt noch nicht zum guten Ton eines Majorstudios. Deshalb wurden diesmal auch nur noch 1,8 Mio Dollar locker gemacht, für den wirklich, wirklich, wirklich letzten Auftritt des Kultkillers. Und so wurde aus Teil 4 „Das letzte Kapitel“, in dem Jason und die Filmreihe endgültig zu Grabe getragen werden sollten. Daraus wurde aber nichts, denn selbst in der neuen Box von PARAMOUNT HOME ENTERTAINMENT GERMANY ist hier erst Halbzeit.

Originaltitel: Friday the 13th: The Final Chapter

Regie: Joseph Zito

Darsteller: Corey Feldman, Kimberley Beck, Joan Freeman, Crispin Glover, Peter Barton, Judie Aronson, Barbara Howard

Artikel von Christian Jürs

Nach dem Paramount-Logo beginnt der Film mit einem kleinen, sehr unterhaltsamen Rückblick auf die Vorgängerteile in Trailerform. Dieser kommt flott geschnitten daher und verbreitet sofort die notwendige Atmosphäre. Gleich danach kommt Jasons leicht lädierte Hockeymaske angeflogen in die mit roten Lettern „Friday the 13th“ eingeblendet wurde. Die herbeisausenden Worte „The Final Chapter“ lassen diese dann mit einem Rumms explodieren. Ein geiler Einstieg, gefolgt von… weißen Lettern auf schwarzem Grund. Immerhin, auch hier gibt es wieder die coole Musik von Harry Manfredini auf die Ohren.

Und was erblickt man denn da? Zwei durchaus interessante Namen befinden sich im Cast. Zum Einen haben wir Corey Feldman, der in jungen Jahren in zahlreichen guten Filmen zu sehen war. Stand by me, The lost boys und Goonies dürften so ziemlich jedem hier ein Begriff sein. Highlight der Besetzung ist aber zweifelsohne Crispin Glover. Richtig gelesen, Teil 4 ist nicht „The Final Chapter“, sondern „George McFly vs Jason“ (just kidding).

Der Film beginnt dann am Abend nach dem Massaker des dritten Teils direkt am Tatort (und somit haben wir den ersten Freitag der 13. Film, der gar nicht an einem Freitag dem 13. spielt). Während die Polizei den Ort des Geschehens absucht, wird Jason tot auf einer Krankenbahre abtransportiert (Klar, der ist bestimmt tot… glaub ich aufs Wort). Sehr löblich hierbei ist, dass diese Szene tatsächlich am Originaldrehort von Teil 3 aufgenommen wurde.

Weiter geht’s ins Krankenhaus. Dort begegnen wir einer Krankenschwester (Lisa Freeman) und einen kranken Pfleger (Bruce Mahler) (Ja, der Typ ist krank, er schaut sich Aerobicise, ein harmloses Frauenfitnessfilmchen zum aufgeilen an). Beide verüben einen Sexversuch neben der Leiche Jason Voorhees´ (das ist jetzt wirklich krank).

Soviel unchristliches Verhalten muss bestraft werden. Der vermeintlich tote Jason (Ted White) straft beide mit von der MPAA gestrafften Morden. Ja, auch dieser Teil hatte es nicht leicht bei Amerikas Sittenwächtern. Beinahe jeder Mord musste getrimmt werden, um eine Freigabe zu erhalten. Trotzdem war das Gezeigte noch so hart, dass in der alten, deutschen Fassung nochmals zugelangt wurde… und zwar kräftig. Jawoll, an Freitag der 13. Teil 4 – Das letzte Kapitel wurde in der BRD eine Radikalentschlackung vorgenommen, die den Film auf ein FSK 12 Niveau herabsetzte. Trotzdem vergab die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft das rote 18er Logo. Der Film wurde kurz darauf lächerlicherweise indiziert und sogar obendrauf noch beschlagnahmt. Mittlerweile ist der Film von sämtlichen bösen Listen gestrichen und erhielt ungeschnitten erneut seinen FSK 18 Stempel.

Der Film ließ zwar vor der Veröffentlichung ordentlich Federn, gehört aber auch in dieser Version noch zu den härtesten Teilen des Franchise. Die echten Unratedszenen sind mittlerweile aufgetaucht, jedoch nicht in den Film integriert und auch nicht im Bonusmaterial der hier besprochenen Veröffentlichung zu finden. Der Traum von einer vollständigen Unratedfassung ist aber noch nicht ausgeträumt.

Aber zurück zur Handlung: Im Mittelpunkt der Handlung steht diesmal die Familie Jarvis, bestehend aus Mrs Jarvis (Joan Freeman) , ihrer erwachsenen Tochter Trish (Kimberley Beck) und dem etwa zwölfjährigen Tommy (Corey Feldman). Ein Vater ist nicht im Haus – Eheprobleme halt. Mama Jarvis vermietet ein Ferienhaus am Crystal Lake (oder wohnt sie einfach nur neben einem Ferienhaus? So richtig klar wird das nicht). Jawoll, Crystal Lake, da wo das Wasser noch blutrot schimmert. Wer kann dieser Idylle schon widerstehen? Ich buch sofort ein Zimmer. Nach kurzer Einführung der Jarvis-Family (Mama und Tochter joggen / Tommy spielt Segas Zaxxon und trägt selbstgebastelte Horrormasken die aussehen, als seien sie von Tom Savini entworfen – komisch, oder?) füllt sich der Cast mit einer Wagenladung von sechs Teeniecharakteren, die Mrs Jarvis (?) Ferienhaus gemietet haben.  Wie immer in Slasherfilmen besitzen alle Insassen des Autos die üblichen Hormonstauprobleme. Aber, und ich fasse es kaum dies schreiben zu können, es macht Spaß diesen Figuren zuzuschauen. Jawoll, Teil 4 schafft es interessante und vor allem sympathische Figuren mit Ecken und Kanten zu präsentieren.

Da wäre zum einen die schüchterne Sara (Barbara Howard), die mit Doug (Peter Barton) eine jugendfreie Beziehung führt und diesen Zustand gerne ändern würde. Sie traut sich aber nicht den ersten Schritt zu machen. Sara ist supersympathisch und man wünscht ihr quasi den Part des Final Girls. Ob sie das Rennen macht? Die interessantesten Charaktere sind allerdings Ted (Lawrence Monoson) und Jimmy (Crispin Glover). Letztgenannter wurde von seiner Freundin verlassen und erhält von Ted allerlei Tipps in Beziehungsfragen. Und das ist wirklich witzig und unterhaltsam. Beide Figuren sind echte Spaßvögel, wobei Ted vordergründig den Clown gibt, während Jimmy durch die Spielart Glovers zum Schenkelklopfer mutiert. Insbesondere hervorzuheben ist eine Tanzeinlage, die Crispin Glover wild umherzappelnd zeigt. Diese stand nicht etwa im Drehbuch unter “albern tanzen”. Es handelte sich tatsächlich um seinen ganz eigenen Tanzstil.

Das letzte Pärchen im Bunde besteht aus Samantha (Judie Aronson) und Paul (Alan Hayes). Sie die Marke Dummchen, deren erster großer Dialog herrlich dämlich ist. Ich zitiere das Highlight: „Paul sagt, dass ich im Bett spitze bin. Und das ist es, worauf´s ankommt.“ Jawoll! Endlich mal eine Frau, die weiß, was sich gehört. Während Samantha also das Dummchen darstellt, gibt Paul das beinahe Arschloch, welches bei der erstbesten Gelegenheit mit einer anderen flirtet. Dieser Urlaubsflirt erscheint in Form einer der beiden Zwillingsschwestern Tina und Terri (Camilla und Carey More), die sich zum Cast gesellen, damit Jason auch ordentlich zu tun hat. Doch bevor diese sich dazugesellen dürfen, rammt Jason einer Anhalterin (Bonnie Hellman) ein Messer durch den Hals. Wohl, um dem Zuschauer zu zeigen, dass Jason sich auf dem Weg zum Crystal Lake befindet. In dieser Szene wird Jason übrigens von Tom Savini verkörpert, der nach dem Originalfilm erstmals wieder für die Effekte verantwortlich war… und das sieht man.

Zu guter letzt schleicht auch noch Rob (Erich Anderson) in der Gegend herum. Er ist der Bruder eines der Opfer aus Freitag der 13. Teil 2 – Jason kehrt zurück und sinnt auf Rache. Wieso nur er auf die Idee kommt, dass Jason, nachdem er aus der Leichenkammer abgehauen ist, wieder zum Crystal Lake zurückkehrt, ist mir schleierhaft. Von Polizei ist weit und breit jedenfalls nichts zu sehen.

Zunächst läuft alles wie ein normaler Urlaub für die jungen Leute ab. Am zweiten Tag wird erstmal nackt im See gebadet (natürlich spielt einer der Teens mal wieder „Toter Mann“ bzw in diesem Falle „Tote Frau“), es fließt Alkohol, Gras wird geraucht…. und dann wird gebumst. Zeit für Jason wieder Anstand und Moral zu predigen mitsamt Hack- und Stichwerkzeug, auch wenn mittlerweile Sonntag der 15. sein dürfte…

Regisseur Joseph Zito (Invasion USA) soll sich am Set als ziemliches Arschloch geoutet haben. So verlangte Darstellerin Judie Aronson zwischen den Takes in einem See nach einem Handtuch um sich abzutrocknen, welches Zito ihr verweigerte. Klingt erstmal nicht so schlimm. Man bedenke aber, dass der Dreh wie üblich in den kalten Wintermonaten stattfand, um einen Kinostart im Sommer zu gewährleisten. Jasondarsteller Ted White sprang sofort für die Rechte der Schauspielerin ein und überwarf sich regelmäßig mit Zito, was darin mündete, dass White seinen Namen aus den Credits streichen lies.

Freitag der 13. Teil 4 – Das letzte Kapitel ist, allen Produktionsbedingungen zum Trotz, ein wirklich cooles Sequel geworden, dass Vollgas gibt und damit sogar den Erstling um Längen toppt. Sieht man (mal wieder) von einem eigenartigen Finale ab (“Erkennst Du mich, Jason?”), so bekommt man hier einen typischen Teeniehorrorfilm aus den 80ern serviert, dessen altbekannte Zutaten tatsächlich schmecken. Für mich eines der absoluten Highlights der Reihe.

Die Bildqualität (1,78:1 / 1080p) ist, aufgrund eines neuen 4K-Masters, sehr gut. Auch der Ton ist gewohnt gut (Englisch DTS-HD Audio Master 5.1 / Deutsch DTS-HS Audio Master 2.0). In den damals in Deutschland geschnittenen Szenen gibt es auf unserer Tonspur ein paar kleine Tonsprünge, die aber zu verschmerzen sind. Im Bonusbereich gibt es 2 Audiokommentare, eine handvoll Featurettes und den Originaltrailer.

Außerdem in der 8 Movie Collection enthalten:

Freitag der 13.

Freitag der 13. Teil 2 – Jason kehrt zurück

Freitag der 13. Teil 3 – Und wieder ist Freitag der 13.

Freitag der 13. Teil 5 – Ein neuer Anfang

Freitag der 13. Teil 6 – Jason lebt

Freitag der 13. Teil 7 – Jason im Blutrausch

Freitag der 13. Teil 8 – Todesfalle Manhattan

8 Sammelkarten

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