Ihr sucht noch das passende Geschenk für das alljährliche Schrottwichteln? Dann hat DTV-Wanderarbeiter Bruce Willis genau den richtigen Knaller im Gepäck, erschien doch kürzlich über Eurovideo ein weiterer Gassenhauer aus der umtriebigen E.F.O.-Schmiede, in dem der Altstar wieder mal durch das Verweigern jeglichen Schauspiels begeistern darf, im hiesigen Heimkino. Ob KILLING FIELD (2021) tatsächlich noch echte Qualitäten zu bieten hat oder direkt auf den Boden der kaufhauseigenen DVD-Schütte gehört, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: Survive the Game

Drehbuch: Ross Peacock

Regisseur: James Cullen Bressack

Darsteller: Chad Michael Murray, Swen Temmel, Bruce Willis, Michael Sirow, Kate Katzman, Sean Kanan…

Artikel von Christopher Feldmann

Egal, wie man es auch dreht und wendet, Bruce Willis gehört einfach zu Weihnachten wie die leckere Sauce zur Festtagsgans. Es gibt vermutlich nicht wenige Filmfans, die nach dem Schmaus die Blu-ray/DVD von STIRB LANGSAM (1988) aus dem heimischen Regal fischen und zum tausendsten Mal dabei zusehen wie sich John McClane durch den Nakatomi Tower kämpft. Dass es sich hierbei um einen der besten Actionfilme aller Zeiten und gleichzeitig um einen der coolsten Weihnachtsfilme handelt, steht natürlich nicht zur Diskussion. Betrachtet man allerdings den gegenwärtigen Output der Kinolegende, wird dem geneigten Fan ganz schnell schwarz vor Augen. Die Zeiten, in denen Willis noch für gute Unterhaltung und teilweise ambitionierte Filme stand, sind lange vorbei, stattdessen erscheint alle paar Wochen der nächste Grabbeltischheuler aus irgendwelchen dubiosen Paket-Deals, mit denen Bruce seine Seele weiter schamlos an geldgeile Ramschproduzenten verkauft. KILLING FIELD (2021) ist der mittlerweile sechste Low-Budget-Actionthriller mit der Schweinebacke, der dieses Jahr hierzulande erschienen ist. Und weil Brucy Baby ein Mann der Beständigkeit ist, ist der Streifen natürlich ähnlich mies wie seine vorangegangenen Werke.

Handlung:

Als Polizist David (Bruce Willis) bei einem schiefgelaufenen Drogendeal verletzt wird, verfolgt sein Partner Cal (Swen Temmel) die beiden Kriminellen, die ihn angeschossen haben, zu einer abgelegenen Farm, die dem depressiven Ex-Soldaten Eric (Chad Michael Murray) gehört. Während Cal und Eric ihre Verteidigung planen, treffen weitere Mitglieder der Bande ein. Die drei Helden müssen in der Unterzahl Tarnung, Klugheit und Treffsicherheit einsetzen, um den Drogendealer-Mob zu besiegen.

Ich muss ja gestehen, dass ich mittlerweile kaum noch Konzentration aufwende, wenn ich mir einen neuen Bruce-Willis-Heuler ansehe, waren die letzten zehn Filme doch allesamt ziemlich großer Käse (für einzelne ist das noch schmeichelhaft formuliert). Mittlerweile erwische ich mich dabei sogar, wie ich das Ganze im Schnelldurchlauf abzufrühstücken versuche, getreu dem Motto “Augen zu und durch”. Aber ich muss mich immer darauf zurück besinnen, dass ich selbst an der Misere schuld bin, habe ich mir den Mist doch eigenständig aufgehalst, was zur Folge hat, dass ich mich am Ende doch durch ziemlich unterwältigende 90 Minuten quälen muss.

Eigentlich können wir es an dieser Stelle auch kurz machen, geht mir doch langsam aber sicher der Spott aus. Natürlich ist KILLING FIELD ganz großer Scheiß, zwar nicht ganz so hundsmiserabel wie COSMIC SIN (2021) und APEX (2021) aber immer noch schlecht genug, dass sich der Film seinen Platz in Willis’ Spätwerk redlich verdient hat. Man spürt als Zuschauer abermals sofort, dass dieses Projekt in Windeseile zusammengeschustert wurde, als ob irgendjemand aus der Produktion spontan eine Farm als Location angeboten bekommen hätte und da man bei E.F.O. Films natürlich mitnimmt was geht, hat man schnell ein paar Kameras aufgestellt, Chad Michael Murray von der Straße aufgesammelt und Bruce Willis mit einem saftigen Scheck von seiner Privatinsel gelockt, denn auch er nimmt bekanntlich mit was geht. So gewinnt man schnell den Eindruck, als ob hier niemand wirklich wusste, was am Ende dabei hätte herauskommen sollen. So wird Bruce nach zwei Minuten angeschossen, die Parteien finden sich auf der besagten Farm ein und für die restlichen 80 Minuten hat der Regisseur gesagt: “Macht mal bitte irgendwas, Hauptsache es kommt am Ende Spielfilmlänge dabei heraus”. Also bewegen sich eine Handvoll Knallchargen, die peinlichste Sätze aufsagen, als hätten sie diese sich spontan ausgedacht, durch das Gelände, schießen mal nach links, dann mal nach rechts und faseln belangloses Zeug, während Bruce Willis auf seinem Stuhl verweilt und den ganzen Mumpitz einfach nur aussitzt. Richtig, er macht mal wieder gar nichts und dürfte seinen Part innerhalb von einem Nachmittag abgedreht haben. Dabei gibt sich Monsieur Willis mal wieder nicht auch nur im entferntesten die Blöße zu schauspielern. Selbst in Szenen, in denen es überhaupt nicht passt, setzt die einstige Actionikone sein schales Halbgrinsen auf, was mittlerweile ähnlich automatisch passiert wie das Atmen.

Man hat generell auch das Gefühl, als stecke hier eine Art Parodie dahinter. Vor allem die Nebenfiguren, ergo die Henchmen des Bad Guys, benehmen sich derartig dumm und unfreiwillig komisch, dass sich Absicht vermuten lässt. Es gibt eine Szene in der Kate Katzman, die ein wenig wie Harley Quinn für Arme daherkommt, den Tod ihres Lovers, der übrigens wie der Schwippschwager von Joe Exotic aussieht, rächen möchte und mit Gewehr im Anschlag erstmal amtlich auf die Schnauze fällt, nachdem sie ausgerutscht ist. Spätestens ab diesem Punkt fragt man sich, ob man sich hier einen DTV-Actionthriller ansieht oder eine gescheiterte Komödie. KILLIG FIELD ist eine Mischung aus beidem, wobei letzteres wohl eher unfreiwilliger Natur sein dürfte. Als Thriller taugt die Chose natürlich nichts, passiert doch relativ wenig und die Figuren stolpern einfach nur sinnlos durch die Gegend. Chad Michael Murray, der eigentlich nur durch solche Produktionen und irgendwelche TV-Filmchen zu tingeln scheint, bringt so ziemlich jedes Klischee auf den Tisch, dass ein vom Tod seiner Frau gebeutelter Ex-Soldat so an sich hat und ist dabei einfach nur hölzern. Dasselbe trifft auch auf Swen Temmel zu, der so etwas wie ein Haussklave von E.F.O. Films zu sein scheint, taucht sein Gesicht doch in zahlreichen Grabbeltischheulern auf, vor allem in denen mit Bruce Willis in einer Wegwerfrolle. Der gibt wie bereits erwähnt den Sitzlord, eine Art der Performance, die schon Steven Seagal mehr aktive Jahre im Filmbusiness verschafft hat, als er eigentlich verdient gehabt hätte.

Auch optisch sieht KILLING FIELD einfach nur billig aus, wie die drittklassige Version eines Michael-Bay-Films. Offensichtlich haben sich die Macher ebenfalls im “Teal & Orange“-Sumpf gebadet, weswegen der Streifen auch wie eine Folge CSI: MIAMI anmutet, nur weniger unterhaltsam und schlechter gespielt.

Eurovideo hat den Film sowohl digital, als auch auf Scheibe veröffentlicht. Bonusmaterial gibt es nicht, wenn man ein Wendecover ohne FSK-Flatschen außer Acht lässt.

Fazit:

Bruce Willis tritt jetzt auch noch das Weihnachtsfest mit Füßen und serviert kurz vor den Feierlichkeiten einen weiteren Rohrkrepierer, der dafür sorgen dürfte, dass sich auch hartgesottene Willis-Fans (falls es die überhaupt noch gibt) von ihrem Idol abwenden. KILLING FIELD (2021) eignet sich wirklich allerhöchstens zum Schrottwichteln, wenn man seinem unliebsamen Arbeitskollegen gedanklich mal so richtig vor die Tür kacken möchte.

Christophers Filmtagebuch bei Letterboxd – Your Life in Film

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