Endlich mal wieder ein waschechter HK-Film! Donnie Yen vs Nicholas Tse! Regie Benny Chan, der die Premiere seines Films nicht mehr erlebte. Er verstarb an Nasenrachenkrebs. Mal wieder ist es eine Polizisten-Story, der Kampf eines toughen Bullen gegen eine Bande skrupelloser Gangster, die… Überraschung… ehemalige Cops sind. Alle waren mal Kollegen, doch dann gab es da einen Einsatz, der einen Teil der Polizeieinheit in den Knast brachte – und diese Jungs sind nun extrem ärgerlich zurück und wollen Geld. Die Nummer ist ein echter Benny-Chan-Film, bunt und glitzernd, garniert mit etwas digital getrickster Action. Entscheidendes Element ist aber Donnie Yen, ein Meister gekonnter Martial Arts und die wichtigste Frage ist: kracht die Action? KOCH FILMS bringt den optisch starken Gassenhauer am 27. Januar heraus.

Originaltitel: Nou fo

Regie: Benny Chan

Darsteller: Donnie Yen, Nicholas Tse, Lan Qin, Patrick Tam, Ken Lo, Simon Yam, Ray Lui

Artikel von Kai Kinnert

Er ist der härteste Cop in Hongkong: Bong (Donnie Yen) hat sich über Jahre hinweg einen Ruf als unbestechlicher Ermittler in den schwierigsten Fällen aufgebaut. Doch eines Tages holt ihn seine Vergangenheit ein. Ngo (Nicholas Tse), sein ehemaliger Partner, der die Seiten gewechselt hat, greift mit einer Gruppe maskierter Gangster in einem besonders brutalen Raubzug eine Einheit Polizisten an. Eine tödliche Eskalation beginnt.

Um ehrlich zu sein – als alter Freund des HK-Kinos war ich ein bisschen aufgeregt, als ich den Film startete. Zwar versuche ich stets das Gaspedal der Erwartungen nicht zu tief zu drücken, doch hier war die Hoffnung groß, dass Donnie Yen seiner Stuntmen-Truppe entfesselt den Arsch versohlt. Immerhin lässt der Trailer das vermuten. Und da Sie, lieber Freund des gut gemachten Martial-Arts-Kinos, nicht ewig warten wollen, folgt im nächsten Satz schon die Auflösung. Achtung. Jetzt.

Die Action ist gut, es gibt einiges zu erleben. Die Story ist dünn, wurde dafür aber ausufernd inszeniert. Es gibt (kleinere) Szenen, die für den eigentlichen Plot überhaupt keine Rolle spielen. Die Film-Ehefrau von Donnie Yen ist schwanger, aber es hat keine weitere Bewandtnis. Zwar gerät sie in Gefahr, doch hinterher ist völlig unklar, was mit dem Kind geschehen ist. Auch das Donnie Yen von der Internen Ermittlung aufgesucht wird, hat keinen tieferen Grund, sondern ist Zugeständnis an das staatliche Kinosystem. So wird in jedem chinesischem Action-Film ein kerniger Berufsstand mit Salut sympathisch verehrt – mal ist es die Polizei, dann der Bombenentschärfer, Soldaten, Spezialeinheiten und natürlich Feuerwehrmänner. In diesen Jobs wird voller Einsatz gezeigt. Und so dient auch die interne Ermittlung nur dazu, Donnie Yen heldenhafte Worte über den Polizeidienst sprechen und seine Einheit salutieren zu lassen. Dafür zeigt Donnie Yen in diesem Streifen etwas mehr Schauspiel. Es gibt Einstellungen, da wird sein Blick gekonnt feinfühlig flackernd, man spürt förmlich, das Yen an seiner Arbeit reift und bei jedem Film alles gibt.

Und da ist Nicholas Tse, der in einer kurzen Einstellung zeigt, was für ein Badass er eigentlich ist. Er liegt mit nacktem Oberkörper auf einer Bank, die Arme vor seinem Bauch verschränkt, in einer Hand ein Kampfmesser. Er reißt seinen Oberkörper nach oben und macht eine blitzschnelle und tödliche Bewegung mit dem Messer, Nahkampf pur. Oberkörper zurück auf die Bank, Arme verschränkt. Dann wieder hoch, ZackZackZack, und wieder runter. Es ist offensichtlich, dass Tse seine Sache beherrscht und zurecht ein guter Gegner für das Finale ist.

Benny Chan inszenierte den Streifen als Old-School-HK-Actiontüte. Prächtig bunt, keine schnellen Schnitte und mit nötiger Übersicht in der Action. Es gibt die ganze Bandbreite des HK-Kinos. Fights, Shoot-Outs und Autostunts. Auch Passanten werden erschossen, denn Benny Chan liefert im Finale eine Reminiszenz an Heat ab – ein Geballer mit schwerem Gerät zwischen Gangster und Cops auf offener Straße; allerdings im Stau steckend, denn in Hong Kong ist verdammt viel Verkehr. Dazu lässt der Film die Farben knallen, die Kameraarbeit ist gekonnt. Die Totalen von Hong Kong sehen prächtig aus, was für ein Panorama. Es funkelt und leuchtet verschwenderisch.

Wie erhofft, ist auf Donnie Yen verlass. Er hat seine Actionszenen im Griff, gerät immer wieder mal in knackige Action und liefert ein gelungenes Finale mit Nicholas Tse ab. Einige Moves sind cool, es gibt insgesamt krachende Einfälle.  

Raging Fire ist Neo-Old-School, eine Verneigung vor dem HK-Kino der 1990er, gewandet in eine klassische Cop-Gangster-Story, garniert mit guten Fights und ausufernden Shoot-Outs. Vielleicht ein paar Minütchen zu lang geraten, ist Raging Fire echtes HK-Kino und zugleich Benny Chans bester Film. Das hat Spaß gemacht.

Das Bild war satt und farbenfroh, der Ton ist gut. Der Film wurde als Presse-Stream gesichtet.

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