Die PARANORMAL-ACTIVITY-Reihe dürfte wohl zu den profitabelsten Franchises der jüngeren Kinogeschichte gehören, brachte sie es doch bisher auf insgesamt sechs Filme, die aufgrund ihrer niedrigen Produktionskosten und simplen Prämisse weltweit für einen wahren Geldregen sorgte. Nun erscheint mit PARANORMAL ACTIVITY: NEXT OF KIN (2021) ein weiterer Ableger, dieses Mal allerdings nicht im Kino, sondern direkt für das Streaminggeschäft. Ob es sich hierbei um lediglich aufgewärmtes Futter handelt oder sogar ein paar kreative Neuerungen zu entdecken sind, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: Paranormal Activity: Next of Kin

Drehbuch: Christopher Landon

Regie: William Eubank

Darsteller: Emily Bader, Roland Buck III, Dan Lippert, Tom Nowicki, Henry Ayres-Brown, Jill Andre…

Artikel von Christopher Feldmann

Als im Jahr 2007 der kleine Low-Budget-Gruselfilm PARANORMAL ACTIVITY in den Kinos startete, rechnete wohl niemand mit einer derartigen Erfolgsgeschichte. Der lediglich für 15.000 US-Dollar produzierte Streifen (die Post-Produktion verschlang derweil über 200.000 US-Dollar) avancierte zum Mega-Hit und konnte über 190 Millionen US-Dollar wieder einspielen. Das Konzept des Found-Footage-Looks, gepaart mit simplen Jump-Scares erwies sich als absoluter Volltreffer. Was schon bei THE BLAIR WITCH PROJECT (1999) ausgesprochen publikumswirksam war, konnte Produzent Jason Blum und dessen Firma Blumhouse Productions für sich entscheidend nutzen. Auch die Fortsetzungen spülten hohe Gewinne in die Kassen, was mit dazu beitrug, dass Blum zu einem der ganz großen Horrorfilm-Produzenten Hollywoods wurde. Und auch wenn die Serie stets auf seine bewährte Mischung aus statischen Überwachungskameras und plumpen Gruseleffekten setzte und dabei selten neue Wege einschlug, muss man den Machern bei dem neuesten Ableger wenigstens zu Gute halten, dass sie sich an einem doch eher filmischeren Look versucht haben. Das macht PARANORMAL ACTIVITY: NEXT OF KIN (2021) zwar nicht zu einem guten Schocker oder gar guten Film und im Grunde genommen entfernt man sich von dem, was die Reihe eigentlich bisher auszeichnete, insgesamt dürften die Nicht-Fans hier aber einen deutlich besseren Zugang finden.

Handlung:

Margot (Emily Bader) wurde in jungen Jahren zur Adoption freigegeben und hat ihre leibliche Mutter nie kennengelernt. Nun, wo sie erwachsen ist, macht sie sich auf die Suche nach ihrer Familie. Zusammen mit ihrem Freund (Roland Buck III), der das mögliche Aufeinandertreffen und den Weg dorthin filmen soll, begibt sie sich auf einen Roadtrip ins Ungewisse. Ihre Recherchen führen Margot zu einer amischen Glaubensgemeinschaft, wo sie zunächst mit offenen Armen empfangen wird. Was mit netten Gesten beginnt, entpuppt sich für Margot schon bald zum wahren Alptraum. Seltsame Vorkommnisse häufen sich, schreckliche Entdeckungen geben der verängstigten Frau Rätsel auf und das Schweigen der Gemeinschaftsmitglieder lässt keinen Zweifel daran, dass dunkle Kräfte am Werk sind. Die Wahrheit über ihre biologische Mutter und der Grund für ihre Trennung ist ein blutgetränktes Kapitel, das lieber hätte verborgen bleiben sollen.

Eingefleischten Fans der Reihe dürfte der Look des Films wahrscheinlich sauer aufstoßen, denn beim mittlerweile siebten Teil der Reihe hat man sich dazu entschlossen, den immergleichen Überwachungskameralook über Bord zu werfen und einen deutlich filmischeren Stil zu verwenden. Zwar handelt es sich beim Großteil des Films um klassische Wackelkamerabilder, die dem Zuschauer die intendierte Authentizität vorgaukeln sollen, diese sind aber, im Hinblick auf die Handlung, dokumentarisch angelegt und somit immer mitten im Geschehen, anstatt nur in der Beobachtungsperspektive in der Ecke eines Raumes. Auch bricht der Film gerne mal aus diesem Konzept aus und streut immer wieder klassische Aufnahmen und elegante Drohnenshots mit ein, so dass NEXT OF KIN stellenweise wie ein richtiger Spielfilm aussieht. Dies ist vermutlich Regisseur William Eubank geschuldet, der bereits mit UNDERWATER (2020) einen wirklich sehenswerten Unterwasserhorrorfilm ablieferte und seine Handschrift auch in dieses Projekt mit einfließen ließ. Das hat natürlich zur Folge, dass sich das Ganze ungewohnt anfühlt, insgesamt aber für Zuschauer wie mich ein Mehrwert, konnte ich mit den statischen Aufnahmen der bisherigen Teile nie viel anfangen.

So versucht Eubank sichtlich das Beste aus dem auferlegten Konzept herauszuholen, präsentiert einige dynamische Szenen oder gar One-Takes, die den Zuschauer direkt ins Geschehen werfen. Zwar muss man auch einige arg wackelige Aufnahmen über sich ergehen lassen aber das ist immerhin der Natur der Sache geschuldet. Gerade das winterliche Setting im Hinterland Pennsylvanias in Verbindung mit einer vermeintlichen Amish-Gemeinde, die schaurige Geheimnisse zu verbergen hat, ist interessant gewählt und führt den übernatürlich Aspekt der Reihe weiter, bettet diesen aber in ein ganz neues Umfeld ein. Man kann dem Film viel vorwerfen aber zumindest keinen schlechten Look, hat Jason Blum doch dieses Mal ein gewisses Effekt-Budget springen lassen, so dass es gerade im Finale auch einige blutige Einzelheiten zu sehen gibt.

Da kann NEXT OF KIN auf narrativer Ebene schon weniger mithalten. Für das Drehbuch war Christopher Landon zuständig, der bereits PARANORMAL ACTIVITY 2-4 (2010-2012) und das Spin-Off THE MARKED ONES (2014), welches er auch inszenierte, geschrieben hat. Zudem kennt man ihn mittlerweile als Regisseur spaßiger Genrekost wie HAPPY DEATHDAY (2017) und FREAKY (2020). Für den siebten Teil der PA-Reihe scheinen ihm aber weit weniger kreative Ideen eingefallen zu sein. Zwar versteht sich der Film als eine Art Soft-Reboot, der mit den bisherigen Teilen nichts zu tun hat, jedoch klaut sich NEXT OF KIN so ziemlich Alles aus anderen Filmen wie THE WITCH (2016), THE WICKER MAN (1973) oder eben THE BLAIR WITCH PROJECT (1999) zusammen und mischt noch eine Prise THE VILLAGE (2004) hinzu. Fertig ist das 08/15-Gerüst für einen Film, der mit Recht in den USA bei Paramount+ landete und auch hierzulande als Direct-to-Stream verschachert wird. Zwar dreht der Film im Finale ordentlich auf und erzeugt wirklich gelungenes Tempo und soliden Horror, der Rest besteht aber aus den üblichen Jump-Scares, die immer mit einem fetten Knall auf der Tonspur in Szene gesetzt werden. Zwar zuckt man das ein oder andere Mal zusammen, echter Schrecken wird dadurch aber nie transportiert.

Auf diesem Niveau plätschert NEXT OF KIN über weite Strecken dahin, was hin und wieder für Langeweile sorgt. Für meinen Geschmack hätten Landon und Eubank schon viel früher den Wahnsinn entfesseln dürfen, leider bleibt der Film bis auf das bereits erwähnte Finale aber zu generisch und erzählt die altbekannte Geschichte von Einsiedlern mit komischen Ritualen, die komische Zeichen in den Wald malen. Diese inhaltliche Einfallslosigkeit unterstreichen auch die recht blassen Darsteller, deren Figuren ebenso farblos geschrieben wurden. Auch die Tatsache, dass es sich um vermeintlich selbst gedrehtes Material handelt, sorgt natürlich wieder dafür, dass sich die Figuren immer wieder extrem dumm verhalten müssen, um die Aufnahmen zu rechtfertigen. Ein notwendiges Mittel, das mir aber schon immer sauer aufstößt.

Fazit:

PARANORMAL ACTIVITY: NEXT OF KIN (2021) zeigt sich auf den ersten Blick als erfrischende Weiterentwicklung der Reihe, die immerhin ein paar inszenatorische Schmankerl zu bieten hat, im Kern aber auch nur der immer gleiche Jump-Scare-Horror mit blassen und sich dumm verhaltenden Figuren ist, den wir bereits in so vielen anderen Filmen gesehen haben. Auch die Story bedient sich kräftig bei bereits etablierten Motiven, was dafür sorgt, dass der Film bis auf einzelne Momente nie wirklich sehenswertes bietet. Fans von Found-Footage-Grusel dürften aber dennoch ihren Gefallen daran finden.

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