Seit vor Kurzem der neueste Teil auf Netflix veröffentlicht wurde, bringt es das Texas Chainsaw-Franchise auf stolze neun Filme. Damit zieht Leatherface mit Freddy Krueger gleichauf, wobei man berücksichtigen sollte, dass der Kindermörder mit dem Klingenhandschuh erst ein Jahrzehnt später seinen Siegeszug startete. Spitzenreiter bleiben somit Jason Voorhees und Michael Myers, die beide, sobald Halloween Ends veröffentlicht wird, auf zwölf Filme kommen (Halloween 3 ist Myers-freie-Zone und zählt daher nicht). Doch genug des Abschweifens, denn hier geht es um den Killer mit der Menschenhautmaske, der Serienmörder Ed Gein nachempfunden wurde. Dabei ging Regisseur Tobe Hooper damals blutärmer vor als erwartet. Sein Film geriet wesentlich subtiler und verstörender als die Fortsetzungen und hat auch heute nichts von seiner Terrorwirkung verloren. TURBINE MEDIEN, die den einst beschlagnahmten Film bereits vor Jahren aus den Fängen der Justiz befreien konnten, veröffentlichten neulich eine limitierte Steelbook-Edition, in der sich, neben der bekannten Blu-ray-Variante nebst Bonusscheibe, erstmals auch eine remasterte UHD-Scheibe befand. Da diese bereits ausverkauft ist, folgt nun eine Softbox-Variante, die ab sofort vorbestellbar ist.

Originaltitel: The Texas Chain Saw Massacre

Alternativtitel: Blutgericht in Texas / Das Kettensägen-Massaker

Regie: Tobe Hooper

Darsteller: Marilyn Burns, Gunnar Hansen, Edwin Neal, Allen Danziger, Paul A. Partain

Artikel von Christian Jürs

Irgendwann Ende der Achtziger / Anfang der Neunziger, tauschten die Jungs in meiner Schulklasse die schlimmsten, verbotenen Filme auf ranzigen VHS-Bändern und in noch ranzigeren Dritt- oder Viert-Kopien auf dem Pausenhof aus. Ob Lucio Fulcis Ein Zombie hing am Glockenseil, Jasons beschlagnahmter 3D Albtraum Und wieder ist Freitag der 13., George A. Romeros Zombie – Dawn of the Dead (der auf den Bändern handschriftlich gerne als „Kaufhaus-Zombie“ bezeichnet wurde) oder Sam Raimis Tanz der Teufel – die populärsten Jugendgefährder wurden häufiger getauscht als die Unterhosen der pickeligen Teenager.

Ein Film fiel bei meinen Klassenkameraden jedoch immer in Ungnade: Das Kettensägen-Massaker. Kommentare wie „Warum is´n der verboten? Da passiert ja gar nix!“ oder „Brauchst nicht gucken, der ist öde und unblutig.“ waren es, die mich veranlassten, diesen Streifen erstmal links liegen zu lassen. Erst im Dezember 1998, als VPS-Video den beschlagnahmten Klassiker in einer um vier Minuten gekürzten Neuauflage nochmals in die Videotheken brachte, wagte ich mich an den Film heran – und war (trotz der vorhandenen Zensuren) begeistert.

Mir war auch sofort klar, warum der Film aus den hiesigen Videotheken einst verbannt wurde – zwar gab es quasi keine Splattereffekte (erst recht in den alten, geschnittenen Versionen), einen derartigen an die Nieren gehenden Psychoterror kannte ich jedoch nur aus dem damals ebenfalls verbotenen Serienkillerthriller Maniac von William Lustig und aus Wes Cravens The Last House on the Left. Ja, The Texas Chainsaw Massacre ist der Urvater dieser unangenehmen Terrorfilme – und gerade daher so faszinierend. Der Grund für die wenigen Bluteffekte war übrigens Tobe Hoopers Absicht, seinen Schocker mit einem PG-Rating durch die amerikanische Zensurbehörde zu lotsen. Da lachen wir doch alle mal herzhaft. Dass daraus nichts wurde, ist verständlich.

Gleich in den ersten Filmminuten wird klar, warum kein Kind der Welt diesen Film zu Gesicht bekommen sollte. Nach einem bedrohlichen Einleitungstext (für dessen Einsprechen John Larroquette nach eigener Aussage von Tobe Hooper mit einem Joint bezahlt wurde), gibt es zunächst eine verweste Leiche auf einem Friedhof zu bestaunen, gefolgt von aufblitzenden Close Ups verwesender Körper mit diesem legendären, unangenehm schnarrenden Soundeffekt, der durch Mark und Bein geht. Wer den Film kennt, versteht, was ich meine. Ein heftiger Einstieg, der im letzten Drittel allerdings noch weit übertroffen wird. Danach lernen wir unsere Charaktere aka Opfer kennen:

Fünf junge Leute fahren mit einem grünen Ford Club Transporter durchs sommerliche Texas. Kirk (William Vail), Pam (Teri McMinn) und Jerry (Allen Danziger) begleiten ihre Freundin Sally (Marilyn Burns) und ihren im Rollstuhl sitzenden Bruder Franklin Hardesty (Paul A. Partain) auf der Fahrt zum Haus der Großeltern. Auf dem Weg dahin halten sie an einer Tankstelle. Doch dort ist der Treibstoff mittlerweile ausgegangen – tiefste Einöde halt. Dafür gabeln die fünf Freunde einen Anhalter (Edwin Neal) auf, den sie besser nicht in ihren Van geladen hätten. Denn der erzählt nicht nur grausame Schlachthofgeschichten, er beginnt auch, völlig verrückt und bedrohlich mit einem Messer zu hantieren. Kurzerhand schmeißen sie den offensichtlich Schwachsinnigen aus dem Fahrzeug, doch damit fangen die Probleme erst an.

Zwar finden die Reisenden schließlich das gesuchte Anwesen, doch Franklin ahnt bereits, ebenso wie das Publikum, dass hier etwas Bedrohliches in der Luft liegt. Was aber auch er nicht ahnt ist, dass gleich nebenan eine völlig durchgeknallte Kannibalensippe haust, zu der auch der zurückgelassene Anhalter gehört. Der Verrückteste unter ihnen ist zweifellos der zurückgebliebene Hühne Leatherface (Gunnar Hansen), der sich hinter einer Menschenhautmaske versteckt und mit seinem Lieblingsspielzeug, einer Kettensäge, das Abendessen – also unsere fünf Freunde – nach und nach handgerecht filetieren möchte, damit sein geliebter „Grandpa“ (John Dugan), was leckeres zwischen die beinahe schon kalten Kiemen bekommt…

Es war ein jahrelanger Kampf, den Turbine Medien gegen die deutsche Zensurbehörde gefochten hat. Ende 2011 war es dann endlich soweit. Zuerst kippte die Beschlagnahmung, wenige Wochen später sogar die Indizierung. Damit war der Weg für das Filmliebhaber-Label frei, das Kettensägenmassaker auch in den heimischen Kaufhäusern stattfinden zu lassen. Gar zahlreich waren die Veröffentlichungen seither. Wer den Film also schon im Regal hat, der muss abwägen, ob er den Film nun auch auf UHD-Scheibe benötigt. Allen Horrorfans da draußen, die noch nicht im Besitz von Tobe Hoopers Klassiker sind, empfehle ich aber die neueste Edition wärmstens. Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr der Film sein sich stetig steigerndes Unbehagen, welches schließlich in blankem Terror mündet, bis heute bewahrt hat. The Texas Chainsaw Massacre ist ein zeitloser Klassiker. Punkt. Für die Sequels, Remakes, Prequels, Requels und Legacy-Fortsetzungen gilt dies allerdings nur bedingt. Immerhin, der neueste Film, simpel betitelt als Texas Chainsaw Massacre, versteht sich mal wieder als direktes Sequel zum Original (ist heute ja irgendwie Mode geworden), kann seinem Vorbild aber atmosphärisch nicht das Wasser reichen und punktet stattdessen mit Splatteraction. Das ist zwar nett, beeindruckt aber nicht annähernd so, wie die dreckige Atmosphäre des Originalfilms, in der man sich wirklich wie in einem dreckigen, heruntergekommenen Schlachthaus fühlt.

Die Bildqualität (1,78:1) der Blu-ray- und UHD-Scheibe ist schlichtweg genial. Gestochen scharf und mit satten Farben ausgestattet, wurde der alte, grobkörnige Filmlook dennoch bewahrt – alles andere hätte den Film auch kaputt gemacht. Der Ton liegt sowohl auf Deutsch und Englisch wahlweise im DTS 7.1 Upmix und im Original 2.0 Monoton (Englisch zusätzlich in Stereo) vor. Auch die Tonspuren klingen trotz ihres Alters hervorragend. Ganze vier Audiokommentare mit unterschiedlichen Crewmitgliedern runden die Filmscheiben ab. Auf der Bonus-Blu-ray befinden sich, unter vier verschiedenen Menupunkten, tonnenweise Extras. So findet man unter „Marketing“ diverse Trailer und im Menupunkt „Schneideraum“ verschollenes und geschnittenes Filmmaterial. Die Menupunkte „Interviews“ und „Dokumentationen“ sind selbsterklärend und ebenfalls prall gefüllt. Das Wendecover (ohne FSK-Logo) zeigt das klassische Kinomotiv.

Bis heute fehlt in Deutschland allerdings immernoch eine Veröffentlichung des zweiten Sequels Leatherface (nicht verwechseln mit dem gleichnamigen Prequel aus dem Jahr 2017). Turbine Medien – übernehmen Sie.

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