Als Regisseur und Drehbuchautor Alex Garland sein vielleicht nicht ganz so dystopisches Bürgerkriegsszenario CIVIL WAR (2024) auf die Leinwand brachte, lobten Kritiker wie Publikum vor allem die letzte halbe Stunde, in der Garland die Zuschauer mitten ins Gefecht warf. Diese realistisch und wuchtig inszenierten Kriegssequenzen stehen in seinem neuen Film WARFARE (2025) nun ganz im Zentrum der Geschichte, die sich um eine Gruppe Soldaten im zweiten Irakkrieg dreht, die sich in einem Wohnhaus gegen die Bedrohung von Außen verteidigen müssen. Leonine Studios haben das authentische Spektakel nun im Heimkino veröffentlicht und warum sich das Ganze lohnt, erfahrt ihr in unserer Kritk.

Originaltitel: Warfare

Drehbuch & Regie: Alex Garland, Ray Mendoza

Darsteller: D’Pharaoh Woon-A-Tai, Cosmo Jarvis, Will Poulter, Aaron Mackenzie, Joseph Quinn…

Artikel von Christopher Feldmann

Alex Garland ist mitnichten ein Unbekannter im Filmgeschäft. Der Brite machte sich als Drehbuchautor von u.a. 28 DAY LATER (2002) und SUNSHINE (2007) einen Namen, bevor er 2015 mit EX-MACHINA ein vielbeachtetes Regiedebüt gab. Es folgten der Science-Fiction-Film AUSLÖSCHUNG (2018), das Horrordrama MEN (2022), sowie der bereits erwähnte CIVIL WAR (2024). Zu seiner Filmographie lässt sich noch mehr oder weniger die von Fans gefeierte Comicverfilmung DREDD (2012) zählen, für die er das Skript lieferte und laut Hauptdarsteller Karl Urban zu großen Teilen auf dem Regiestuhl Platz nahm, auch wenn offiziell Pete Travis als Regisseur aufgeführt wird. Bei seinem letzten Film arbeitete Garland mit dem Ex-Soldaten Ray Mendoza zusammen, der als technischer Berater fungierte und mit seiner Expertise in Sachen militärischer Taktik und Verhalten im Einsatz dafür sorgte, dass die Kriegssequenzen möglichst glaubhaft dargestellt werden konnten. Für WARFARE beförderte Garland den Veteranen schließlich zum Co-Regisseur, was auch folgerichtig ist, wird hier doch Mendozas eigene Geschichte erzählt und wer könnte das Ganze näher an den realen Ereignissen in Szene setzten als jemand, der tatsächlich im Irak um sein Leben kämpfen musste. Diese Personalie sorgt am Ende auch dafür, dass WARFARE wirklich unter die Haut geht und eine Belagerung wie auch den Kampf fernab vom üblichen Hollywood-Pathos erzählt. Auf der anderen Seite muss man als Zuschauer aber Abstriche in Sachen Dramaturgie machen.

Handlung:

Ein Platoon junger Navy Seals soll das Haus einer irakischen Familie besetzen, um ein aufständisches Gebiet abzusichern. Zuerst läuft alles nach Plan. Sie halten die Bewohner in Schach und verteilen sich in dem zweistöckigen Gebäude, um die Umgebung zu beobachten. Als sie eine bewaffnete Gruppe Männer bemerken, ist es schon zu spät.

Wirklich positive Momente sucht man in WARFARE vergebens. Die Eröffnungsszene, in der sich die Truppe auf einem Bildschirm das kultige Musikvideo zum Dance-Hit „Call on Me“ von DJ und House-Produzent Eric Prydz anschaut und dazu feiert, ist mitunter der einzige Moment, den man als so etwas wie „Uplifting“ beschreiben könnte. Was danach folgt ist eine möglichst detailgetreue Nachstellung realer Ereignisse, die vermutlich ihresgleichen sucht.

Der Kriegsfilm basiert nämlich auf einem tatsächlichen Einsatz, den Co-Regisseur Ray Mendoza im zweiten Irakkrieg selbst miterlebt hat. Mittels Fotoaufnahmen und Gesprächen mit den Überlebenden haben er und Garland die Ereignisse so genau wie möglich rekonstruiert, selbst die Sets wurden mit Hilfe von alten Einsatzkarten und Satellitenaufnahmen originalgetreu gebaut. Daraus entstand nicht nur ein Film sondern womöglich auch eine Chance für die ehemaligen Soldaten, die Geschehnisse nochmal aufzuarbeiten und sich mit dem eigenen Traumata auseinanderzusetzen. Selbst kleinste Details fanden den Weg in den Film, beispielsweise wenn ein Raum mehrmals auf zurückgelassene Utensilien der Ausrüstung geprüft wird, dann mag das zwar völlig irrelevant für die Handlung sein, jedoch ist es genauso passiert. Somit fühlt sich WARFARE fast schon dokumentarisch an und genau das ist das große Plus des Films. Selten hat man im Kino ein solch intensives und realistisches Kriegsszenario gesehen. Die Kombination aus Mendozas Expertise und Garlands inszenatorisches Geschick machen das Ganze zu einem echten Erlebnis. Hier kann man den Staub fast schon schmecken und jede Explosion förmlich spüren, so intensiv dreschen die Bilder auf den Zuschauer ein. Die Schusswechsel haben richtig Druck und gerade auf der Tonspur wird ordentlich geliefert.

Im Grunde erzählt WARFARE eine klassische Belagerung im Irak, die schnell eskaliert. Kritiker bezeichneten den Film teilweise vorschnell als „besten Kriegsfilm aller Zeiten“. So weit würde ich dann doch nicht gehen, denn Garlands und Mendozas fast in Echtzeit spielendes Drama fehlt es dann doch an dem, was die richtig guten und meisterhaften Kriegsfilme auszeichnet, nämlich nahbare Figuren und natürlich ein gewisses dramaturgisches Konzept. Von den einzelnen Soldaten im Film erfährt man nicht sonderlich viel und wenn nicht gerade Will Poulter im Bild zu sehen war, konnte ich sie auch nicht sonderlich auseinanderhalten. Dieses akribische, detailgetreue Vorgehen der Macher geht am Ende eben ein wenig auf Kosten der Figuren, die allesamt etwas farblos bleiben. So haben mich schwere Verletzungen und auch Tode nicht sonderlich berührt, an der dynamischen Inszenierung und den guten Bildern konnte ich mich allerdings ergötzen. WARFARE ist eher ein Film für die Fans des filmischen Handwerks und weniger für die gemacht, die sich gerne Geschichten erzählen lassen. Das ist in Ordnung, dennoch fehlt es an emotionalem Invest. Die Diskussion, dass der Film ja nur eine Seite beleuchtet und die andere gesichtslos bleibt, will ich an dieser Stelle gar nicht aufmachen. Man kann natürlich kritisieren, dass auch hier die Amerikaner nie hinterfragt werden (was mit der einheimischen Familie passiert, die sich ebenfalls im Haus befindet wird auch nie aufgelöst) aber wie bereits erwähnt schaue ich WARFARE für andere Vorzüge, auch wenn der Film sich bei allen Bemühungen um Realismus diesen Kritikpunkt gefallen lassen muss.

Leonine Studios veröffentlichten WARFARE nach dem Kinoeinsatz nun als 4K UHD, Blu-ray und DVD, sowie als Digitalversion für den Heimgebrauch. Bild- und Tonqualität sind sehr gut.

Fazit:

WARFARE (2025) rekonstruiert akribisch ein mitreißendes Kriegsszenario, das besonders technisch mit zum Besten gehört, was das bisherige Kinojahr zu bieten hat. Wer solche Schlachten mit dem Maximum an Authentizität genießen möchte, ist hier definitiv an der richtigen Stelle, auch wenn der Film emotional eher durchwachsen ausfällt. Ein guter Film ist Garland aber einmal mehr gelungen.

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