Wer braucht schon überwältigende Spezialeffekte oder pompöse Greenscreen-Sets? Manchmal ist weniger einfach mehr, denn sofern ein Film eine spannende Geschichte erzählt und mit interessanten Figuren aufwartet genügt auch nur ein einziger Schauplatz, um den Zuschauer zu fesseln. LOCKED (2025) beruft sich auf jene einfachen Mittel und präsentiert ein klassisches Kammerspiel, in dem sich Bill Skarsgård ein Psychoduell mit Oscarpreisträger Anthony Hopkins liefert. Leonine Studios veröffentlichten den klaustrophobischen Thriller, der seine hiesige Premiere bei den diesjährigen Fantasy Film Fests Nights feierte, im Heimkino. Ob der Film überzeugt, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: Locked

Drehbuch: Michael Arlen Ross

Regie: David Yarovesky

Darsteller: Bill Skarsgård, Anthony Hopkins, Ashley Cartwright, Michael Eklund…

Artikel von Christopher Feldmann

Ich mag Kammerspiele, beziehungsweise Single-Location-Filme wie man auf Neudeutsch vermutlich sagen würde. Diese Sorte Film hat einen besonderen Reiz, eben weil sie Geschichten mit wenigen visuellen Mitteln erzählt und dem Drehbuch, speziell den Figuren und Dialogen, maximalen Raum gibt. Ein kleines Setting kann somit eine große Wirkung erzielen wie beispielsweise in DIE 12 GESCHWORENEN (1957), der bekanntermaßen fast ausschließlich in einem kargen Geschworenenzimmer spielt. Oder man denke an den Horror-Kultfilm CUBE (1997), der sein Setting ebenfalls effizient einzusetzen wusste. Ein weiteres Paradebeispiel wäre noch der Thriller NICHT AUFLEGEN! (2002), in dem sich Hauptdarsteller Colin Farrell den ganzen Film über in einer einfachen Telefonzelle aufhalten muss, was trotz obligatorischer Perspektivwechsel klaustrophobische Gefühle weckt. Das wichtigste Element bei solchen High-Concept-Spielereien ist allerdings ein gutes Drehbuch, denn man hat in der Regel keinen visuellen Budenzauber mit dem man Logiklöcher oder narrativen Leerlauf kaschieren könnte. Ein noch junges Beispiel für Filme, die trotz guter Idee am miesen Skript scheitern wäre Mel Gibsons jüngste Regiearbeit FLIGHT RISK (2025), der ebenfalls versuchte, einen Psychothriller auf engem Raum zu erzählen aber ohne jegliche Überraschung oder gar neue Ideen in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Leider erleidet LOCKED (2025) ein ähnliches Schicksal, denn trotz netter Prämisse und gutem Personal vor der Kamera, ist der Thriller wenig überzeugend geraten.

Handlung:

Als Eddie (Bill Skarsgård) in einen luxuriösen Geländewagen einbricht, tappt er in eine tödliche Falle, die ihm William (Anthony Hopkins) gestellt hat, ein Selbstjustizler, der seine eigene Art von verdrehter Gerechtigkeit ausübt. Ohne Fluchtmöglichkeit muss Eddie um sein Überleben kämpfen – in einer Welt, in der die Flucht eine Illusion, das Überleben ein Albtraum und die Gerechtigkeit ein hohes Tempo hat.

Ich hatte wirklich große Lust auf LOCKED, der übrigens ein Remake des argentinischen Films 4×4 (2019) darstellt. Solche Kammerspiele haben einen bestimmten Reiz auf mich, da ich immer gespannt bin wie die Macher trotz beengtem Raum die Laufzeit füllen, ohne dass sich der Zuschauer langweilt. Doch in diesem Fall war ich schnell skeptisch, alleine schon aufgrund der zahlreichen involvierten Produktionsfirmen und Produzenten, die der Film auflistet. Das hat dann immer dieses Geschmäckle von Ramschware für die Leute wie Randall Emmett umherziehen und überall Geld einsammeln, nur dass am Ende solcher Quark wie ARMOR (2024) dabei herauskommt. So weit, LOCKED als Ramsch zu bezeichnen, würde ich nicht gehen, ein guter Film ist aber auch hierbei nicht herausgekommen.

Dabei verspricht das Set-Up durchaus spannende Unterhaltung. Ein Kleinkrimineller mit privaten Problemen und Geldsorgen entdeckt auf einem Parkplatz einen mondänen SUV, der zufälligerweise nicht verriegelt ist und wittert darin zumindest wertvolle Habseligkeiten des Fahrzeughalters. Ehe er sich versieht sitzt er in dem nun verriegelten Wagen fest und ist dessen Besitzer „William“ ausgeliefert, der ein perverses Spiel startet, welches den Protagonisten an die Grenzen seiner Kräfte bringt. Das klingt nun ein wenig wie SAW (2004), nur eben in einer Luxuskarosse, aber keine Angst, das hier ist kein Folterporno, sondern ein klassischer Thriller, der vom Ablauf eher an den bereits erwähnten NICHT AUFLEGEN! (2002) erinnert. Der gesamte Film ist innerhalb dieses Wagens verortet und auch wenn die Geschichte nach einer knappen Stunde den Parkplatz endlich verlässt spielen sich die folgenden Ereignisse weiterhin auf vier Rädern ab. Regisseur David Yarovesky hat sichtlich Mühe und Not das Ganze interessant zu gestalten aber irgendwann gehen ihm die Methoden aus, mit denen „William“ seinen Gefangenen malträtieren kann. Man spürt als Zuschauer förmlich wie versucht wird, eine neue Situation zu schaffen, um dem lahmen Skript entgegenzuwirken.

Wie bereits erwähnt, leben solche Filme von guten Drehbüchern. LOCKED gehört jedoch nicht zu dieser Sorte, denn das, was uns hier aufgetischt wird, ist schon ziemlich hanebüchen. Es wird allerlei zurecht gebogen, um das Ganze irgendwie am Laufen zu halten und als Zuschauer sollte man keine Fragen stellen, denn ansonsten fällt der Film schnell auseinander. Warum erkundigt sich niemand nach Eddies Verbleib? Warum hinterfragt niemand die Tatsache, dass ein augenscheinlich sehr kostspieliges Automobil tagelang unbewegt auf einem Parkplatz in einer eher weniger guten Gegend parkt? Warum tritt nie die Polizei auf den Plan, selbst wenn das Auto im Kamikaze-Stil ferngesteuert durch die Straßen donnert und dabei noch zwei Menschen tötet? Es dürfte klar sein, ganz so wasserdicht ist LOCKED eben nicht.

Das größte Problem sind aber nicht die Logikschwächen, sondern die Tatsache, dass die Geschichte nicht viel hergibt. Im Grunde geht es um nicht mehr als Gut gegen Böse, denn die eingestreuten, gesellschaftskritischen Spitzen laufen ins Nichts und sind nur hohle Phrasen, die Themen nie wirklich ergründen. So bleibt das Katz- und Mausspiel von „Eddie“ und „William“ gänzlich oberflächlich, narrativ wird Wasser getreten und wenn dann schließlich die Auflösung stattfindet und die grundlegenden Motive des Antagonisten offengelegt werden, könnten diese nicht platter und hanebüchener sein. Schade, denn Bill Skarsgård hat richtig Bock und holt das Maximum aus seiner schablonenhaften Figur heraus. Oscarpreisträger Anthony Hopkins findet größtenteils auf der Tonspur ab, geht aber mit Verve an seine Rolle und darf in den wenigen Minuten in denen er on Screen zu sehen ist, natürlich glänzen.

Leonine Studios veröffentlichten den Film sowohl als Blu-ray und DVD als auch digital im Heimkino. Bild- und Tonqualität sind auf dem handelsüblichen Niveau.

Fazit:

LOCKED (2025) ist ein klassischer Kammerspiel-Thriller mit gutem Ansatz und überzeugenden Hauptdarstellern, scheitert aber am generischen, platten und auch nicht sonderlich glaubwürdigen Drehbuch, was bei dieser Sorte Film dem Genickbruch gleichkommt. Als schlanken 90-minüter geht das aber durchaus noch klar, einen amtlichen Nägelkauer sollte man aber nicht erwarten.

Amazon Partner Links:

Blu-ray

DVD

Prime Video

Christophers Filmtagebuch bei Letterboxd – Your Life in Film

Zurück zur Startseite