Unverhofft kommt oft. Als PARAMOUNT PICTURES HOME ENTERTAINMENT für vergangenen Juli eine 4K-Veröffentlichung von der Mutter aller Spoof-Komödien ankündigte, fragte ich nach einer Rezischeibe. Leider schien das Kontingent nicht ausreichend gewesen zu sein und ich erhielt schlussendlich eine Absage. Tatsächlich aber befand sich ein Reziexemplar auf dem langwierigen, postalen Weg zu mir. Gestern nun hatte die Deutsche Pest…äääh…Post dann doch noch ein Einsehen und lieferte den Umschlag nun, knapp einen Monat nach der offiziellen Veröffentlichung, an mich aus. Ende gut, alles gut? Beinahe, denn ein kleiner Fehlerteufel hat sich dann doch noch in die Veröffentlichung eingeschlichen. Welcher das ist, verrate ich in meiner Rezension. Wir haben Clearence, Clarance. – Roger, Roger.

Originaltitel: Airplane!
Regie: David Zucker, Jim Abrahams, Jerry Zucker
Darsteller: Robert Hays, Julie Hagerty, Lloyd Bridges, Peter Graves, Leslie Nielsen, Lorna Patterson
Artikel von Christian Jürs
Hier ist sie, die Geburtsstunde der Spoof-Komödie, die niemand so gut verstand wie die Brüder David & Jerry Zucker, gemeinsam mit ihrem Buddy Jim Abrahams. Bereits 1977 feierten sie erste Erfolge, als John Landis ihr Drehbuch der TV-Satire Kentucky Fried Movie verfilmte, eine Ansammlung loser Gags über das Fernsehen, inklusive einer etwas längeren Der Mann mit der Todeskralle-Parodie im Mittelteil. 1980 durften die drei Spaßvögel dann ihren ersten eigenen abendfüllenden Spielfilm inszenieren, für den Paramount Pictures immerhin 3,5 Mio Dollar Budget zur Verfügung stellte. Es sollte sich auszahlen, denn mehr als 83 Mio Dollar spielte der Film allein in den USA wieder ein.

In Deutschland traute man dem Ganzen allerdings nicht so ganz. So wurde der Originaltitel Airplane! durch ein wesentlich offensichtlicheres Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug ausgetauscht, damit Oppa nicht im Kinosaal einen typischen Airport-Katastrophenfilm erwartet und entrüstet sein Haacke Beck Pils gegen die Leinwand schleudert. Doch genau diese Filme werden hier persifliert, vor allem aber entnahm man das Grundgerüst der Handlung dem bereits 1957 entstandenen Flugzeugkatastrophenfilm 714 antwortet nicht, in dem eine Lebensmittelvergiftung an Bord eines Passagierflugzeugs beinahe zum Absturz führt – genau wie hier. Zumindest auf VHS entfernte man hierzulande aus musikrechtlichen Gründen diverse Gesangseinlagen und tauschte sogar für die Szene, in der der Kinohit Nur Samstag Nacht parodiert wird, den legendären Bee Gees Song Stayin´ Alive gegen einen anderen, random Discosong aus. Glücklicherweise sind all´ diese Zensuren im digitalen Zeitalter wieder korrigiert worden.
In Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug ist es der Trans-American Flug 209 von Los Angeles nach Chicago, der aufgrund eines Fischgerichts in die Bredouille gerät. An Bord befindet sich das A und O eines zünftigen Katastrophenfilms. Von einer Nonne (Maureen McGovern), bis zum kleinen Mädchen (Jill Whelan), welches sich auf dem Weg zu einer Herztransplantation befindet, ist hier alles vorhanden. Natürlich gibt es auch den potentiellen Helden, hier in Form von Ted Striker (Robert Hays), einem ehemaligen Kampfbomberpiloten mit Kriegstraumata, dem schon der Schweiß ausbricht, wenn er nur ans Fliegen denkt und der letztlich über sich hinauswachsen wird. Sehr zur Freude seiner Ex-Freundin Elaine (Julie Hagerty), die als Stewardess an Bord arbeitet und endlich wieder den Mann in ihm erkennt, der er einmal war.

Comedyhighlights sind aber der pädophile Captain Oveur (Peter Graves), der vom Boden aus im Tower das Geschehen beobachtende und die Situation klärende Steve McCroskey (Lloyd Bridges) und natürlich der an Bord befindliche Dr. Rumack, den kein Geringerer als Leslie Nielsen verkörpert und der hier seinen Comedyeinstand gab. Kaum zu glauben, dass er im selben Jahr im Horrorschocker Prom Night bierernst auftrat. Für ihn war es nicht die letzte Zusammenarbeit mit dem ZAZ-Team. Zwei Jahre später folgte bereits die Mini-Serie Die nackte Pistole aka Police Squad!, Vorlage des besten Film des Comedyteams ZAZ, nämlich Die nackte Kanone, der ja bekanntermaßen kürzlich ein spätes Sequel mit Liam Neeson verpasst bekam.
Ganz so treffsicher wie der erste Auftritt von Lt. Frank Drebin im Kino war Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug zwar noch nicht, dank einer unfassbar hohen Gagdichte findet sich aber immer noch jede Filmminute mindestens ein Schenkelklopfer, der auch heute noch zu Lachanfällen führt. Die Sichtung mit meinen Kids beweist, dass der Humor auch heute noch greift. Natürlich würde man sich mittlerweile viele Gags nicht mehr trauen, da sie als bösartig oder gar rassistisch durchgehen würden, wer aber seine Toleranzgrenze für 90 Minuten einmal abstellen kann, der wird herrlich bespaßt. Das Geheimnis des Erfolges war wohl auch die Tatsache, dass alle Beteiligten toternst ihre eigentlich albernen Szenen spielten, was einen besonderen Witz hervorrief. Schön, dass dieses Genre jetzt ein spätes Comeback erhält.

Die neu erhältliche 4K-Scheibe ist im direkten Vergleich mit der ebenfalls beiliegenden Blu-ray nochmal einen Tick schärfer und rauschunterdrückt. Dies kann man ziemlich gut gleich in den ersten Filmminuten erkennen. Während die Leuchtreklame an der Flughafenfassade in der Blu-ray-Version absolut unkenntlich ist und einen fröhlichen Flimmertanz aufführt kann man in der 4K-Version sogar erkennen, was dort in Leuchtbuchstaben geschrieben steht. Referenzcharakter darf man, trotzdem nicht erwarten. Die Tonqualität ist ebenfalls gut, vor allem in der englischen Variante, die im 5.1-Ton aufgespielt wurde, während sämtliche Synchronfassungen lediglich Mono-Ton bieten. Als Bonus gibt es auf der beiligenden Blu-ray einen Audiokommentar und zwei erstaunlich ausführliche, aktuelle Featurettes (Filmemacher im Fokus, Q&A mit den Regisseuren von Airplane!) obendrauf. Das Wendecover lud (zumindest bei meiner Scheibe) ebenfalls zum Schmunzeln ein. Wo eigentlich auf der Rückseite eine Variante ohne FSK-Logo aufgedruckt sein sollte, erblickte ich dort ebenfalls das grüne FSK-12-Logo. Beide Seiten sind also komplett identisch.
Trotzdem gehört Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug natürlich in jedes gutsortierte Sammlerregal, da gibt es gar keine zwei Meinungen. In der deutschen Synchronfassung gehen natürlich ein paar Wortspiele verloren. Dass diese Version trotzdem als gelungen zu bezeichnen ist, verdanken wir Synchronlegende Arne Elsholtz, der hier Buch und Dialogregie übernahm und ganz kurz als Radiomoderator zu hören ist. Kult!
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