Nachdem Donnie Yen und Wilson Yip großen Erfolg mit S.P.L. – Kill Zone (2005) hatten, schlug Donnie dem Regisseur Yip während der Dreharbeiten zum comichaften Dragon Tiger Gate (2006) einen weiteren, zeitgenössischen Polizei-Actionfilm vor. Donnie Yen hatte den MMA-Kampfsport für sich entdeckt und mit S.P.L. – Kill Zone einer der ersten Filme überhaupt gedreht (laut seiner Aussage in den Extras), in dem MMA speziell für die Kamera in Szene gesetzt worden ist. MMA wurde in Hollywood bei so manchem Knastfilm auch schon angewandt, jedoch ohne filmische Aufbereitung und ohne spezielle Choreografie. S.P.L. – Kill Zone (2005) ist also einer der ersten Filme, in dem MMA gekonnt und ansehnlich für ein breites Publikum inszeniert wurde. Das kam gut an und so beschloss Donnie Yen einen weiteren MMA-Film im Polizeigenre: Flash Point. Und obwohl Donnie Yen dort auch einen Polizisten spielt (hier als Det. Jun Ma), ist Flash Point keine direkte Fortsetzung von S.P.L. – Kill Zone (hier als Polizist Ma Kwan), denn die heißt Lethal Warrior (2015) und ist von Wong Jing inszeniert worden. Die Fortsetzung zu Flash Point hingegen befindet sich schon in der Produktion. Wobei man in Hongkong traditionell ein eher lockeres Verständnis für Fortsetzungen und Franchise hat. Wie dem auch sei, dank Donnie Yen stirbt das zeitgenössische HK-Actionkino auch im Westen nicht aus, sonst würden deutsche Verleiher wohl kaum noch Filme aus Hongkong in Deutschland veröffentlichen. Der großartige Chasing the Dragon (2017) ist bis heute nicht in Deutschland angekommen. Doch nun wurde erstmal Flash Point in 4K restauriert und bekommt eine verdiente Veröffentlichung als Mediabook (4K-UHD und Blu-ray) durch PLAION PICTURES.

Originaltitel: Dou foh sin
Regie: Wilson Yip
Darsteller: Donnie Yen, Louis Koo, Collin Chou, Ray Lui, Kent Cheng, Xing Yu, Ben Lam, Bingbing Fan
Artikel von Kai Kinnert
Hongkong, 1997: Mit vielen Festnahmen, aber brachialen Methoden ist Inspektor Jun Ma (Donnie Yen) unter seinen Kollegen im Dezernat berüchtigt. Bei seinem neuesten Fall gerät er an eine vietnamesische Drogenbande, die seit langem Hongkong terrorisiert. Sein Partner Wilson (Louis Koo) infiltriert die Organisation als Undercover-Agent, doch seine wahre Identität wird entlarvt, woraufhin die Gang einen erbarmungslosen Rachefeldzug beginnt. Um dem blutigen Treiben der Drogenpusher ein Ende zu setzen, nimmt Ma das Gesetz in die eigene Hand.

In den Extras auf der Blu-ray erzählt Donnie Yen von den Dreharbeiten, wie sie üblicherweise in Hongkong ablaufen, und den Arbeitsmethoden in den USA, die ihm, so sein Fazit nach über 20 Jahren als Filmemacher, deutlich mehr liegen als die übliche Impuls-Regie in Hongkong. „Hier macht jeder, was er will, es gibt meistens kein geschlossenes Konzept, dem man folgt und auf das man die Dreharbeiten vorbereiten kann. Umso besser, dass ich Wilson Yip durch unsere gemeinsamen Filme gut einschätzen kann und er sich dann an mein Konzept der Action hält.“ so Donnie Yen in den Extras. Und das Konzept, das sich Donnie Yen für diesen Film ausdachte, funktioniert bestens. Dem Duo Wilson/Yen ist nach S.P.L. – Kill Zone erneut ein bestens inszenierter, moderner Hongkong-Actionfilm gelungen, der durch eine seriöse Inszenierung, einer klaren Kameraarbeit ohne Schnick-Schnack und eben dieser gelungen Action-Choreographie durch Donnie Yen überzeugt. Er macht es nämlich seiner Figur „Jun Ma“ wahrlich nicht leicht, gegen die Bösewichte, allen voran gegen Tony (Collin Chu) zu bestehen.
Selten habe ich einen Hongkong-Film gesehen, bei dem so bewusst auf die Helden-Bremse getreten wurde, wie in Flash Point, was für mich die Spannung bis auf den Siedepunkt hochtrieb. Donnie Yen, der sympathisch-drahtige Bulle aus Hongkong, bekommt einfach kein Fuß gegen die Widersacher auf den Boden. Zwar präsentieren uns die Filmemacher durchaus kleinere Momente der Action, in denen Donnie Yen mal kurz zeigen darf, das mit ihm noch zu rechnen ist, aber im Großen und Ganzen sitzt man Nägel kauend vor der Glotze und fragt sich, wenn Donnie Yen endlich zur Besinnung kommt und den widerlich-arroganten Collin Chu in die ewigen Jagdgründe schickt. Bis es so weit ist, serviert uns Wilson Yip einen sorgsam inszenierten Großstadt-Thriller, wie man ihn mit seinen üblichen Ecken und Kanten aus Hongkong kennt, und fiebert dem Finale entgegen, welches hoffentlich die aufgebauten Erwartungen erfüllt.

Glauben Sie mir, werter Leser, ich war erleichtert, als dann endlich dieser Moment kam, wenn auch erst sieben Minuten vor Schluss. Länger hätte Wilson Yip nicht warten dürfen, denn man hasst Collin Chu und man will, dass er von Inspektor Jun Man seinen Platz im Universum zugewiesen bekommt. Dies geschieht dann auch in der denkbar selbstbewusstesten Variante, denn Inspektor Man hat da endgültig die Fresse voll und zieht…seine Jacke aus! Was dann beginnt, ist einfach nur noch cool und startet mit einem lässig-gefährlichen „Lockermachen“ vor seinem Gegner, der hier noch siegessicher grinst und gleich sein blauen Martial-Arts-Wunder erleben wird. Donnie Yen, gefühlt sein ganzes Filmleben in bester Kondition, wird in den letzten Filmminuten zeigen, was er so draufhat. Das ist eine Menge!
Flash Point ist ein spannender, gut inszenierter Hongkong-Actionthriller, der mit wohldosierten Actionszenen, einem bestens aufgelegten Donnie Yen und einer ansehnlichen Besetzung überzeugen kann. Es zerrte mir ganz schön an den Nerven, dass Donnie Yen anfangs nicht so recht gegen die Fieslinge bestehen kann, aber man wird dafür mit einem pointierten und ansehnlichen Finale belohnt. Wer sich im Hongkong-Kino wohl fühlt, wird hier seine Freude haben.

Das Bild der gesichteten Blu-ray ist sauber, satt und klar, der Ton ist gut. Als Extras gibt Interviews mit Regisseur und Darstellern, Deleted Scenes, ein Filmtagebuch, die Hongkong-Filmpremiere, Featurettes und Originaltrailer.
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